Syrien: Verletzte müssen behandelt werden!
Seit Beginn der Proteste herrscht in staatlichen Krankenhäusern in Syrien ein Klima der Angst. Verletzte Protestierende wurden in vielen Fällen von Krankenhauspersonal und syrischen Sicherheitskräften beschimpft, körperlich angegriffen und sogar gefoltert. In einigen Fällen wurden den Verletzten die medizinische Behandlung sowie die notwendigen Medikamente verweigert.
Viele Menschen, die sich in den Krankenhäusern eine Behandlung ihrer Verletzungen erhofft hatten, wurden verhaftet und in Gefängnisse überführt, wo sie ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten wurden. Dort waren sie Folter ausgesetzt und sind aufgrund ihrer Verletzungen sowie der meist schlechten medizinischen Versorgung in den Gefängnissen vom Tod bedroht.
Nachricht von Amnesty International:
"Es ist zutiefst alarmierend, dass die syrische Regierung den Sicherheitskräften freien Zugang zu Krankenhäuser gewährt und dass in vielen Fällen Krankenhauspersonal, darunter auch Ärzte und Krankenschwestern, Menschen gefoltert und misshandelt haben, deren Leben sie eigentlich retten sollten", erklärt Kristina Schmidt, Syrien-Expertin der deutschen Sektion von Amnesty International.
Aus Angst vor den Konsequenzen, die das Aufsuchen eines staatlichen Krankenhauses möglicherweise mit sich bringen kann, gehen viele Verletzte mittlerweile in private Krankenhäuser oder improvisierte Feldlazaretten. Blutkonserven erhält man in Syrien allerdings nur über die Zentrale Blutbank, die direkt vom syrischen Verteidigungsministerium kontrolliert wird. Dies bringt Privatkliniken in eine schreckliche Zwangslage: "Jedes Mal, wenn ein Patient mit einer Schussverletzung eingeliefert wird, der dringend eine Blutspende braucht, stehen wir vor einem Dilemma: Denn stellen wir eine Anfrage an die Zentrale Blutbank, erfahren die Sicherheitskräfte von dem Patienten und wir bringen ihn in die Gefahr, inhaftiert und gefoltert zu werden. Womöglich wird er in Haft sogar sterben," erzählte ein Arzt, der in einem privaten Krankenhaus in Homs arbeitete.
Auch das medizinische Personal selbst wurde zur Zielscheibe von Sicherheitskräften. Einige, weil sie Verletzte behandelt hatten. Andere, weil sie verdächtigt wurden, sich an Protesten beteiligt oder Demonstrierende gefilmt zu haben.
"Die syrische Regierung muss dringend gewährleisten, dass alle Patienten gleich behandelt werden, ohne sie aufgrund ihrer vermuteten politischen Loyalität oder Aktivität zu diskriminieren," fordert Kristina Schmidt. "Jeder, sowohl medizinisches Personal, als auch Mitglieder der Sicherheitskräfte, der verdächtigt wird, die Versorgung der Verwundeten zu verzögern oder zu behindern, muss zur Rechenschaft gezogen werden."
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