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Gast Gast1055

Erlebnisse von Reisen in andere Länder

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Gast Gast1055

Hallo,

nicht nur Spanien ist ein reizvolles Reiseland und manches was ich in anderen Ländern erlebte, könnte genausogut in Spanien passiert sein. :)

Ein paar solcher Episoden will ich euch erzählen:

Sizilianische Ortsrundfahrt

Auf meiner letzten Tour (liegt schon ca. 25 Jahre zurück) mit einem Wohnmobil durch Sizilien kam ich im Landesinneren zu einem kleinen Städtchen, dessen ordentliche Zufahrt ich nicht fand. Da sah ich einen grossen Traktor einen Seitenweg in Richtung der Stadt fahren und dachte mir, wo der hinfährt, da komme ich auch hin. So tuckerte ich frohgemut hinter diesem her. Doch plötzlich bog dieser in eine Hofabfahrt ab und ich ich musste gerade aus weiter. Die Strasse wurde immer enger, aber ich kam schliesslich zur Kirche des Ortes, die am höchsten Punkt des Städtchens stand. Die Weiterfahrt ging nur noch steil bergab, durch die mit grossen Steinplatten gepflasterte Ortsstrasse. Auf der einen Seite mit überhängenden Balkonen und auf der anderen Seite parkten die Autos der Anwohner. Für mich war so kein Durchkommen. So musste ich nun mit Hilfe einiger Anwohner alle Autobesitzer aus ihren Häusern holen, dass diese mir den Weg freimachten. Da es leicht zu regnen begann, waren die Steinplatten zudem noch glitschig und ich rutsche mehr voran, Stück für Stück die mehrere hundert Meter lange Ortsstrasse hinab. Die Sizilianer schimpften, gestikulierten, lachten oder schüttelten den Kopf über den Tedesci. Als ich schliesslich unten ankam rief ich laut Halleluja und im Scherz „und nun das Gleiche nocheinmal“. Meine Begleitern sah mich entsetzt an und meinte, dass sie mich dann sicher lynchen würden.

So war ich sicher das Tagesgespräch in diesem kleinen Städtchen im Herzen von Sizilien und für mich ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

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Gast Gast1055

Ich umrundete mit dem Wohnmobil die ganze Insel und schaute mir das an, was Jahre zuvor auf meiner "Abenteurertour" nicht auf dem Weg lag. Denn ich war davor auch mal einen Winter über als Gastarbeiter in Sizilen tätig.

Nicht überall gefiel es mir, aber im Land rund um Enna fand ich die Natur noch im Einklang.

Schön war es auch in Taormina, wo ich von ganz oben, vom Geiersnest aus, den schönsten Rundblick übers Meer und Ätna genoss. Zwei Nächte später stand ich mit dem Mobil auf dem Ätna und übernachtete dort auf dem höchstgelegenen Parkplatz. Mit der "Pistensau", einem speziellen Fahrzeug mit grossen Reifen fuhren wir fast bis zum Kraterrand hoch. Dazwischen überall Wanderer und ein Pärchen mit Bodybuilderkörpern, entblösst bis auf das Minimum den Berg im Steilweg erklimmend, ein kurioser Anblick für die "Götter". Von hier oben war der Ausblick wunderbar. Unterwegs sammelte ich etwas frische Lava ein, die im Jahr zuvor den Abhang hinabgeflossen war. Ein Souvenir das in der Struktur den erkalteten Fluss immer noch zeigte.

Im Küstenbereich hatte sich vieles negativ verändert. Vorallem die Müllhalden abfallend zum Meer hinab waren ein grausiger Anblick und in diesem Bereich wollte ich nicht mehr baden gehen. Auch die vielen leidenden Tiere erschütterten mein Herz. Am Uferbereich von Syrakus lebten hunderte wilde Katzen und wir warfen ihnen etwas Futter hin, um das die Tiere gierigst kämpften.

Ich sah auch die Elendsquartiere von Messina. Da hausten die Menschen noch in einfach zusammengezimmerten Buden aus Holz und Pappe. Es war unfassbar, dass es das in Europa noch gab. Später sah ich die Elendsquartiere von Lissabon. Aber das war zu der Zeit noch das ärmste Land von Europa und hat inzwischen sehr aufgeholt.

Aber Italien mit solchen Elendsquartieren, das tat schon etwas weh.

Ob sich das wohl inzwischen geändert hat ??

(In einem Italienforum schrieb mir ein User vor ein paar Jahren, dass sich da leider kaum etwas geändert hat)

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Gast Gast1055

Ein kleines Geschenk

Vor über 25 Jahren machte ich mit meiner damaligen Frau, deren Mutter und deren Schwester eine Busreise in deren alte Heimat Oberschlesien. Kam so nach Opole (Oppeln), Wrozlaw (Breslau) und andere Orte. Es war eine Reise in die Vergangenheit der Alten, die bang und doch neugierig die Spuren ihrer Kindheit und Jugendzeit suchten. Wo einst eine grosse Gärtnerei war, fanden sie nur noch leere Flächen. Aber in einem Dorf lebte Martha, eine Polin, die als deutsche Kriegerwitwe anerkannt über die ganzen Jahre in Verbindung geblieben war und auch mehrfach auf Kur nach Deutschland ausreisen durfte. Das war das Glück für sie, dass der deutsche Staat etwas gutes tat für die Witwen deutscher Soldaten.

Als wir mit Martha das Haus von früher betraten, sahen meine Schwiegermutter und deren Schwester noch die gemalten Tapeten an den Wänden, so wie es früher war. Nichts hatte sich verändert. Die Zeit schien stehen geblieben zu sein und die Armut war überall sichtbar. Aber die Menschen waren freundlich und die Gastfreundschaft enorm. Die Dankbarkeit über die vielen Pakete aus dem Westen voll Süssigkeiten und Südfrüchten, wollte mit Gegengaben beantwortet werden. Für uns wenig attraktive Geschenke und doch nahmen wir es, um unsere Gastgeber nicht zu verletzen, denn sie hatten nicht mehr.

In einer Dorfkirche kamen wir gerade zu einer Taufe. Eine junge polnische Familie hielt ihr Kind über den Taufstein. Es war ein innerer Impuls, ich konnte nicht anders und fotografierte diesen Moment. Die Augen der jungen Eltern leuchteten auf und über Martha erfuhr ich, dass das junge Paar sich keinen Fotografen leisten konnten und baten um das Bild. So fotografierte ich noch einmal die junge Familie und versprach das Foto an Martha zu schicken, damit diese es der jungen Familie geben könnte. Selten habe ich so leuchtende Augen gesehen, die ich nie vergessen werde.

Zurück in Deutschland machte ich die Abzüge und wir kauften einen einfachen Lederrahmen und steckten dort zwei Bilder hinein und schickten diesen dann an Martha. Später kam ein Brief von dieser mit dem großen Dank dieser jungen polnischen Familie, die sich riesig darüber gefreut hat.

Dieser Tage sah ich im Fernsehen einen Bericht über Schlesien, sah darin Bilder von Orten wo wir damals waren. Da kamen auch wieder diese leuchtenden Augen zu mir und ich sehe vor meinem inneren Auge eine Wohnung mit einem Fotorahmen auf einem Wohnzimmerschrank.

12.2.2006

pb

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dazu kann ich auch etwas berichten

Als meine Tochter noch zur Grundschule ging, wurde für Päckchen nach Polen gesammelt. Daraus entstand erstmal eine schöne Brieffreundschaft. Gegenbesuche fanden statt und wir wurden herzlichst empfangen. Alles was der Tisch hergab wurde aufgedeckt und wir waren darüber anfangs auch etwas verschämt. Konnten wir doch sehen mit welchem Verzicht das alles bewerkstelligt wurde. Zur Hochzeit deren Tochter waren wir natürlich eingeladen und wie Familienmitglieder behandelt worden. Als sie das erste Mal zu uns nach DE kamen und wir sehen mussten wie erstaunt sie über die Vielfalt der Güter in DE waren, haben wir uns dafür fast ein wenig geschämt. Es hat sich daraus eine wunderbare Freundschaft entwickelt welche heute noch besteht. Mittlerweile geht es ihnen aber auch recht gut und das freut mich sehr für sie!!

Je einfacher das Leben, desto freundlicher oft die Menschen...............

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Gast Gast1055
Gegenbesuche fanden statt und wir wurden herzlichst empfangen. Alles was der Tisch hergab wurde aufgedeckt und wir waren darüber anfangs auch etwas verschämt. Konnten wir doch sehen mit welchem Verzicht das alles bewerkstelligt wurde.

Ja, sowas haben wir da auch erlebt und das wäre schon wieder eine lustige Geschichte für sich. ;)

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Gast Gast1055

Bella Italia

In meiner Schulzeit lebte ich in den Fünfzigern/Sechzigern in Neu-Ulm und oft stand ich vor Dall Asta, einer kleinen Eisdiele, der damals ersten italienischen Eisdiele in der Stadt. So lernten wir die Italiener kennen und genossen deren süsse Leckereien. Über diese Süsse hatten diese ersten Ausländer im Nachkriegsdeutschland etwas schönes und sie brachten eine Fröhlichkeit mit, die ich als Kind, als Jugendlicher angenehm erlebte. Als ich Siebzehn war starb mein Vater. Mit Mutter machte ich darauf eine Busreise nach Lido do Jesolo, meine erste Reise nach Italien. In der Pension Gallo Rosso mit einer herrlichen Wirtin und recht legendären Verhältnissen. In der Toilette musste man einen Besen vor die Tür klemmen, da das Schloss defekt war. Der lange Sandstrand, saftige Melonen, ein leichter Sonnenstich, der Rummel in Jesolo, ein Ausflug nach Venedig und Murano, ein Fischessen mit mehr Gräten als Fleisch und hoher Rechnung in Venezia, all das ist mir in Erinnerung geblieben. Aber alles ist heute mit Leichtigkeit verbunden.

Später folgten viele verschiedene Italienreisen, nach Rom, Florenz, Pisa, Bergamo. Quer durchs Land über Napoli bis Sizilien. Bei Bari hatte ich mal eine Fischvergiftung. Auf Elba kurvte ich mehrere hundert Kilometer und entdeckte die verstecktesten Ecken dort. Erlebte Chiozza im Sturm und übernachtete in den Steinbrüchen von Carrara. Oder schwamm bei Luigno am Lago Maggiore.

Ob dort oder in Deutschland ist mir Italien immer sehr nah. Wenn ich in Spanien bin, besuche ich immer den Circo Italiano der Familie Rossi. Diese herrliche Grossfamilie ist immer eine Freude. Beim Essen fliegen die Spagetti durch die Luft, von den Gabeln der Kinder. Alles normal, lustig, laut. Ich mag diese italienischen Familien, die einem überall begegnen können. Das ist das Besondere der italienischen Circusfamilien, die die ganze Welt bereisen. Ein Ergebnis des engen aber lebenslustigen Zusammenhalts.

Mal hatte ich eine Galerie neben einer italienischen Eisdiele und musste täglich die Eisreste von meinen Scheiben kratzen. Aber die Familie war lieb und das Eis wunderbar.

Bella Italia, ja denn Italien ist überall wo Italiener sind. Sie sind uns ganz nah, näher als alle anderen Ausländer. Alle die später zu uns kamen, haben uns nie so persönlich erreicht, denn sie hatten kein süsses Eis, keine Pizza und Tiramisu.

---

Übrigens, wisst ihr wie in Italien die Zeit abgelesen wird ? icon_lol.gif

Wie in Italien die Zeit abgelesen wird - YouTube

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Primosten, im ehemaligen Jugoslavien.

Mit dem Autoreisezug bis nach Split, Anfang 70ger.

Die Küstenstraße war nicht gesichert und meine Mutter sag uns schon im Meer liegen, welches tief unter uns lag.

Das Dörfchen war alt und schön, besonders abends auf dem Dorfplatz war gute Stimmung.

Man holte sich Rasniczi oder cevabciszi (Fleisch o. Hackfleischspießchen) vom Grill, der Wein kam von einem Riesigen Fass, in einem Keller.

Der Strand war steinig, aber das Wasser kristallklar.

Mit eien kleinen Boot konnten wir auf die nahe kleine Insel, mit Pinienwald, übersetzen lassen.

Einmal hatten wir ein kleines Aussenbordmotorboot gemietet, da hab ich meinen ersten Hai gesehen.

Essen war günstig und lecker, die Karte allerdings wies nicht viel Auswahl auf.

und die Menschen sehr freundlich, keiner sprach damals Fremdsprachen, alles ging mit"Hand und Fuss".

Auch besuchten wir die berühmten Wasserfälle, wo der "Schatz im Silbersee" gedreht wurde.

Ein Paradies!

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Gast Gast1055

Mit dem Autoreisezug bis nach Split, Anfang 70ger.

Die Küstenstraße war nicht gesichert und meine Mutter sag uns schon im Meer liegen, welches tief unter uns lag.

Man holte sich Rasniczi oder cevabciszi (Fleisch o. Hackfleischspießchen) vom Grill, der Wein kam von einem Riesigen Fass, in einem Keller.

Auch besuchten wir die berühmten Wasserfälle, wo der "Schatz im Silbersee" gedreht wurde.

Ein Paradies!

In der gleichen Zeit fuhren wir damals bis Dubrovnik mit dem Auto und das war wirklich Abenteuer pur, überall hing noch Tito in den Schaufenstern und wenn Rasniczi oder Cevabciszi ausging, bekam man kommentarlos einen Teller mit trockenem Käse vorgesetzt. :D

Unterwegs handelte ich mir beim Zelten eine Erkältung ein, die ich dann im Meer sitzend mit Slibowitz per Rosskur behandelte. :p Damals war ich noch so ein zäher Kerl.

Natürlich waren wir auch in den Tropfsteinhöhlen von Postoina und bei den Plitzwitzer Seen, diesem Naturwunder welche durch die Karl May Filme besonders bekannt wurden.

Bei Sarajevo übernachteten wir im Hotel Orient, was auch so war und danach roch. Dubrovnik bei Nada (Spezialitätenrestaurant) dreimal gespeist und in Trogir und Split schöne Nächte erlebt.

Ja, das war eine lustige Reise. Danke Moix für diesen Anstoss zur Rückerinnerung. :)

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Ja, das waren noch Zeiten und Abenteuer.

Mit dem Wagen waren wir in die Pampa gefahren, d.h. ins Hinterland, wild und schön...und arm.

Natürlich verfuhren wir uns und uns ging der Sprit aus.

Bei einer kleinen Ansammlung von Steinhäusschen versiegte der letzte Tropfen.

Der Bewohner war ganz ein Guter, der nahm 2 Reservekanister, und seinen Esel .

So besorgte er uns Benzin.

Wir sassen mit seiner Frau vorm Haus und sie flößte den Erwachsenen selbstgebrannte Schnaps ein, und ich bekam frische Ziegenmilch.

Natürlich wollten sie für ihre Rettungsaktion nichts annehmen.

2 Tage später hatte mein Vater in einer größeren Stadt, auf Umwegen Küchengeräte und Werkzeug ergattert und dies den netten Leuten vors Haus gelegt.

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Gast Gast1055

Mein Elba

Das Kinderbuch „Das Eselchen Grisella“ von Heinrich Maria Denneborg war die Wurzel meiner Neugierde auf Italien.

Tino hat außer seinem Esel Grisella niemanden. Kein Wunder also, dass sie die besten Freunde sind. Sie leben bei Portofino auf der Insel Elba.Dieses Buch las ich immer wieder und in meinen Träumen war ich Tino und lebte auf Elba.

Viele Jahre später besuchte ich die deutschen Keramiker „Iskra und Oreste“, die auf Elba sich eine Existenz aufbauten. So entdeckte ich die Insel und fuhr sie ab bis in die entlegensten Ecken. Grisella’s sah ich einige, aber nicht mehr diesen Kindertraum.

Dafür das Elba im touristischen Rausch, halb besetzt von Deutschen, die dort sich in neureichen Palästen einbunkerten.

In der Keramikwerkstatt von Iskra und Oreste war noch so etwas urtümliches, da diese sich alles mühsam erarbeiten mussten. Da war das Bodenständige zu spüren und in den Keramiken ein Hauch des südländischen Flairs zu entdecken.

Doch damit war das Geld zum Leben nur schweisstreibend zu verdienen. Mehr brachte schon ein keramisches „Männigen Piss“ für den Gartenbrunnen eines Kölner auf Elba. Solche Kompromisse waren nötig um den eigenen Brunnenbau zu finanzieren.

Portofino entdeckte ich, viele Tino`s sah ich laufen und Grisella’s in freier Natur. Mein Kindertraum war verflossen und doch war ich da im Land früherer Träume. Dazwischen immer wieder so ein Gefühl von heiler Welt, auch wenn nur für wenige Momente. Da war ich selber wieder Kind und im Reich beglückender Träume.

November 2006

P.B.

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Gast Gast1055

Ein pensionierter deutscher Arzt machte eine Womoreise in Kanada. Er wurde darauf hingewiesen bei Bären vorsichtig zu sein, diese kommen an Rastplätzen zu den Müllkörben und wühlen diese nach Fressbarem durch.

Der gute Dr. Gr...... mit Gefährtin war nackt in einem warmen See baden, seine Kleidung hatte er am Ufer liegen. Da kam ein Bär zum Mülleimer gelaufen. Dr. Gr..... bekam Angst um seine Kleidung und vergass die Vorsichtsregel und stürmte schreiend, mit den Händen wild fuchtelnd aus dem Wasser splitternackt auf den Bär zu.

Dieser erschrak so, dass er die Flucht ergriff.

Da hatte er Glück gehabt, das hätte auch anders ausgehen können.

Aber diese Story erzählte er gerne mit einem verschmitzen Lächeln im Gesicht. :)

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Gast Gast1055

Eremit auf Reisen

Wenn ich mit einem Wohnmobil mich auf Wanderschaft begebe, lass ich mich treiben, wohin der Fluß des Weges mich führen will. Da gibt es ein Ziel, das nicht statisch festgeschrieben ist. Manchmal erreiche ich es oder komme wo ganz anders an. Das überlasse ich den Wegen, den schönen Plätzen in der Natur und den Zufällen, die am Straßenrand auf einen warten.

Im Dezember 2001 fuhr ich wieder in mein “geliebtes Portugal” besuchte dort Freunde und lies mich von einem schönen Platz zum Nächsten treiben. Mal war es der schöne Meeresblick der mich rasten lies, dann der Regen und Sturm der mich weitertrieb. Jeden Tag andere wandernde Nomaden als Nachbarn. Manche traf ich oft und andere nur selten. Aber immer ein freundlicher Gruß, ein Hallo, manchmal ein Plausch mit diesen freiheitssüchtigen Winterflüchtlingen. Mein Hund Oskar hatte bald seine Spielkameraden mit denen er raufte, bellte und tobte. Wenn ich auf die bekannten Plätze fuhr heulte er schon vor Begeisterung, da er seine Freunde laufen sah. Immer war etwas in Bewegung und doch war es eine bewegliche Gemeinschaft. Da der achtzigjährige Peter aus München mit einem uralten Mobil, der mit seinem Hund dort allein reiste. Ein ganz ausgeglichener alter Herr, der seinen Frieden hatte. Daneben ein vergittertes Mobil einer allein reisenden Stuttgarterin, die nun rechts der Isar in München lebt, wenn sie nicht umher wandert. Daneben das Mobil ihrer Freundin, einer scheuen vorsichtigen Belgierin mit kleinem frechen Kläffer. Ein paar Meter weiter ein Paar aus Tirol. Er saß den ganzen Tag davor und schnitze Herrgotts- und Marienfiguren und kleine geschwungene Delphine. Kleine Mitbringsel für die Freunde zuhause. Manchmal kreuzten schwere Ungeheuer auf. alternativ ausgebaute Militärfahrzeuge und Lastwagen der ehemaligen DDR-Armee. Alles Bastlertypen, “Selbstausbauer”, Individualisten total. Herrlich fröhliche Gestalten. Am Abend dann ein Lagerfeuer daneben mit Musik und Geschichten. Mein Vollkornbrot mit Philadelphiastreichkäse eine willkommene Gabe dazu. Ich lese einiger meiner neusten Gedichte vor und es entsteht eine tiefe Stille lauschender Zuhörer. Nichts stört diese Idylle. Selbst die über den Platz fahrenden portugiesischen Polizisten sagen nichts. Sie lassen uns sein, tolerieren unser Nomadensein. Manchmal treffen so an die 40 Eremiten-Nomaden zusammen und dann bin ich wieder allein oder mit einem zweiten Mobil in respektvoller Distanz. Ein Schweizer neben mir rangiert die Solarzellen in die Sonne. Er hat sein Büro dabei und lädt über 12 Volt seinen 220 Volt Speicher. Ein Unternehmensberater auf Abruf. Seine Partnerin, eine Richterwitwe erzählt von den Kriminalgeschichten, die ihr verstorbener Mann schrieb. Die Letzte unvollendete will sie vollenden. Eine Geschichte über das Verschwinden im Nichts. Dem Verschwinden ohne Spuren. Das aufgewühlte Meer gegen die Klippen peitschend gibt Erklärungen dazu. Man müßte mit dem Auto nur über die Klippen fahren, vierzig Meter hinabfallen lassen in das aufgewühlte Meer. Dort würden nur noch Bruchstücke angespült, kein Mann mehr, kein lebendes Zeichen. Wir spinnen den Faden weiter und vollenden im Geist die unvollendete Geschichte. An diesen Felsen stehen portugiesische Fischer und werfen die Angeln in die tosende Tiefe. Meist gut angeleint in die Tiefe starrend. Ganz Mutige ohne Sicherung mit Turnschuhen am äußersten Klippenrand. Berauschte Seiltänzer sich dem Tod trotzend stellend, hinabstarrend mit dünner Schnur dem Meer etwas zu entlocken. Roulette total. Jeden Herbst, wenn die mächtigen Stürme vom Westen her peitschen, werde einige hinabgefegt auf nimmer Wiedersehn. Es ist eine Sucht sich dem Unendlichen zu stellen, ihm etwas abzuringen und selbst Tod zu sein, für Fische des unendlichen Kreislaufs.

An einer anderen Küste stehen zwei Autos mit deutschen Kennzeichen. Die beiden Männer tanzen auf Surfbrettern wie waghalsige Akrobaten durchs windgepeitschte Meer. In wahnsinniger Geschwindigkeit weit hinaus, um einen in Sicherheit verankerten Frachter herum, retour und wieder hinaus. Dazwischen ein Salto, eine Wasserlandung und ein neues Spiel mit dem Wind und den Wellen. Irgendwann kommen zwei durchgefrorene Gestalten an Land, strahlende Gesichter, high - berauscht, total erfüllt als Bezwinger des Meeres, der Gewalten und sich selbst. Vergessend aller Gefahren. Am Tag vorher waren zwanzig Kilometer entfernt zwei Surfer gegen einen Felsen gejagt. Er tot, die Frau überlebte schwer verletzt. Solche Unfälle passieren dort jede Woche.

So bin ich als Eremit auf Reisen ein Beobachter des Ganzen, des Momentes wo ich bin, schau einfach hin und bin. Erleb mich durch andere, leb mit den Traum der Berauschten, leb mit die kleinen Feinheiten am Wegesrand. Leb ganz im Sehen und einfach Sein.

P.B.

2001

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Gast Gast1055

[TABLE]

[TR]

[TD=width: 299]Die Sintflut

Regen, Regen, Regen

nochmal Regen

Wind gepeitscht

übers Land ergießt.

Straßen zu Seen

Bäche zu Flüßen

alles knöcheltief naß

von Wasser durchtränkt.

Stundenlang Regen

und nochmal Regen

vom Sturm geschüttelt

die ganze Natur.

Die Sintflut

am aufgewühlten Meer

zwischen Häuserschluchten

stehe ich da und warte.

Bäche und Seen um mich

Wasserfall über mir

darin ich sitze

und warte.

Wohlig liegend im Mobil

lesend und dichtend

wartend auf Sonne

aufs Ende der Flut.

Peter Burger

(Live im Dezember 2000, erlebt an der Algarve in Portugal)

[/TD]

[TD=colspan: 2][/TD]

[/TR]

[/TABLE]

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In Portugal habe ich mal einen ganzen Winter verbracht. In Lissabon. Die Stadt ist eine Wucht. Wunderschön, verzaubert, verwinkelt, verwunschen, quierlig, melanchonisch, schön! Ich es dort geliebt. Aber an den geftigen Regen da kann ich mich auch nur zu gut erinnern :) Ich habe direkt in der alten Innenstadt (Baixa) nahe der Rua Augusta gewohnt und konnte vom Balkon aus sogar bis zum Tejo blicken. Herrlich! Mein schönster Urlaub in diesem Jahr war aber tatsächlich eine Reise nach Berlin. Ich war schon lange nicht mehr in der Hauptstadt und ich muss sagen, es hat mir ausgesprochen gut gefallen. die Stadt ist so lebendig und kreativ! Außerdem ist das Leben verhältnismäßig entspannt weil weder die Unterkunft hier noch Essen oder sontige Kosten zu hoch sind, und man für wenig Geld wirklich viel erleben kann. Außerdem faszinieren mich immer wieder Berlins historische Vergangenheit sowie die vielen tollen Museen der Stadt!

bearbeitet von aleha

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Gast Gast1055
In Portugal habe ich mal einen ganzen Winter verbracht. In Lissabon. Die Stadt ist eine Wucht. Wunderschön, verzaubert, verwinkelt, verwunschen, quierlig, melanchonisch, schön! Ich es dort geliebt. Aber an den geftigen Regen da kann ich mich auch nur zu gut erinnern :) Ich habe direkt in der alten Innenstadt (Baixa) nahe der Rua Augusta gewohnt und konnte vom Balkon aus sogar bis zum Tejo blicken.

Ja, Lisboa ist eine ganz spezielle Stadt welche ich auch liebe.

Und wenn es im Winter regnet, dann oft so stark, dass es die Scheibenwischer kaum mehr schaffen und die Verkehrskreuzungen richtige kleine Seen sind, da das Wasser so schnell gar nicht abfliessen kann. Aber das stört da keinen, ist man gewohnt und nur als Touri davon überrascht. :)

Ebenso wenn der Wind vom Meer den Tejo aufwärts bläst, da bewegen sich wenige befestigte Elemente mit. Erlebte es im Dezember 2000 beim Circo Cardenali im Expogelände. Da bewegte sich plötzlich dessen massiver Frontzaun nach hinten und musste dann zusätzlich gesichert werden. :D Verbrachte damals Weihnachten in Lissabon. :)

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