Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
Lilac

Mal etwas anderes: Eine kleine Geschichte

Empfohlene Beiträge

Fünf Hunde auf einer Finca

1. Teil - G R E M L I N 1a.jpg

Ich komme eigentlich aus einem guten Stall. Meine Mutter war eine reinrassige Pekinesin und ihre Menschen ihr wohl gesonnen. Aber wie das im Leben halt manchmal so geht... die Liebe machte einen Strich durch die Rechnung ihres Lebens. Mama vergaß sich und brannte mit einem echten Casanova durch. Das war das einzig Echte an ihm, zumal er auf einen recht unübersichtlichen Stammbaum zurückschaute. Nach wenigen hektischen Liebesnächten erkannte Mama ihren Fehler und suchte ihr Menschenhaus wieder auf. Doch es war bereits geschehen: Meine Geschwister und ich machten uns taillenmässig schnell bei Mama bemerkbar.

Ihre Menschen waren darüber nicht begeistert. Wir durften zwar den Luxus einer heimischen Geburt genießen (ich nehme an, die Herrschaft meiner Mama wollte die Bescherung erstmal in Augenschein nehmen), wurden jedoch nach wenigen Wochen der Gemütlichkeit an Mamas Zitzen still, heimlich und ohne große Umstände an die Luft gesetzt. Genauer gesagt: Man packte uns sechs in einen Pappkarton und setzte uns – einen nach dem anderen – aus.

Wenn ich mich auch mit meinen gerade acht Wochen Lebensalter nicht an den genaueren Ablauf dieser "menschlichen" Handlung erinnere - so weiß aber, es war Januar.

Nun mag man denken, es sei eine Erleichterung für einen kleinen Mischling, in Spanien geboren zu sein. Doch selbst hier, in Lloret de Mar, ist der Januar ein verflixt unangenehmer Monat. Es war kalt, es regnete und so ist es nicht verwunderlich, dass ich bald eine handfeste Erkältung hatte.

Am schlimmsten war jedoch der Hunger. Mama hatte keine Zeit gefunden, uns einem "Überlebenstraining in freier Natur" zu unterziehen. Bei meiner Statur waren Mülltonnen für mich unerreichbar. Außerdem war die Konkurrenz stark und meine lieben Artgenossen konnten sich nicht durchringen, mir von den ohnehin schon kargen Bissen ein wenig abzugeben. Soviel zum Thema Welpenschutz!

Immerhin schaffte ich es, mich aus einem Gemisch von Schnecken und vom Regen aufgeweichten Brotresten fast einen Monat lang am Leben zu erhalten.

Manchmal, wenn ich mich vor Wind und Regen unter ein parkendes Auto oder den herabgefallenen Deckel einer Mülltonne gerettet hatte, träumte ich mit knurrendem Magen und Einsamkeit im Herzen vom gemütlichen Körbchen meiner Mama. Im Alter von rund zwölf Wochen wusste ich zwar so gut wie gar nichts über die wechselnden Jahreszeiten, aber mein Instinkt sagte mir, dass ich unbedingt noch ein bis durchhalten musste, damit das Leben für mich einfacher würde. Aber wie?

Es war ohnehin schon sehr kalt, noch Kälter ist es jedoch, wenn man nass ist bis auf die Haut. Oft vermischten sich die Regentropfen mit meinen Tränen der Hoffnungslosigkeit. Sie kroch genauso schnell in meinen unterernährten Körper, wie die Kälte der Nacht. Es war im Winter nicht allzu viel los auf den Straßen von Lloret de Mar. Trotzdem waren einige Touristen hier. Sie besaßen Häuser auf Rädern, die mich wie magisch anzogen. Diese rollenden Hütten strahlten soviel Wärme und Gemütlichkeit aus. Auch hatte ich schon Artgenossen beobachtet, die mit den Menschen in diesen Häusern lebten. Sie hatten ein warmes Plätzchen und bestimmt ausreichend Futter. Ich stellte mir vor, wie ihnen abends vor der Heizung von ihren Menschen der Kopf gekrault wurde. Bei mir tat dies höchstens der Sturm und das war nicht angenehm.

Langsam reifte in mir der Entschluss, alles daran zu setzen, auch Bewohner eines solchen Heimes zu werden. Zielstrebig ging ich auf die Suche nach einem Zuhause und einem Menschen.

Dieser Entschluss hielt mich am Leben und gab mir neuen Mut.

Trotzdem verging fast wieder ein ganzer Monat – es war inzwischen April aber immer noch kalt und stürmisch – bis mir schien, das geeignete Objekt gefunden zu haben; eines von diesen fahrenden Wohnzimmern.

In ihm wohnte nur ein einziger Mensch. Ich legte mich zunächst auf die Lauer und beobachtete ein wenig die Gewohnheiten dieses Zweibeiners. Noch hatte ich ja keine großartigen Erfahrungen in dieser Hinsicht sammeln können. Er schien ein reinlicher Typ zu sein. Jeden Tag putzte und schrubbte er seine Hütte. Dadurch stand die Tür häufig offen und ich konnte mir einen Einblick in das Innere verschaffen. Wie gemütlich es ausschaute! Da gab es eine richtige Essecke und ein kuscheliges Bett. Alles mit Teppichen ausgelegt. Doch das Verlockendste war die Wärme, die durch die offene Tür nach außen strahlte. Noch etwas Anderes drang durch die Tür zu mir heraus: Essensdüfte! Mir wurde ganz schwindlig in meinem kleinen Kopf. Meinem Magen ist es mehr zu verdanken als meinem Mut, dass ich mich von Minute zu Minute weiter der offen stehenden Tür näherte. Noch hatte der Mensch mich nicht gesehen. Wie würde er reagieren?

Das Haus war recht klein und es bestand kaum eine Möglichkeit, sich zu verstecken. Doch nun hieß es, alles auf eine Karte zu setzen: Mit einem Satz war ich drin, schnell verzog ich mich unter den Tisch und rollte mich ganz hinten in der äußersten Ecke ein. Manchmal ist es doch ein Segen, so klein geraten zu sein.

Sicherheitshalber stellte ich mich schlafend. Wenn ich die Augen schloss und ihn nicht sah – vielleicht sah er dann auch mich nicht.

Doch es geschah, was geschehen musste: Kaum lag ich einige Minuten auf meinem Platz, hörte ich ganz nah eine tiefe Stimme:

Ja, wen haben wir denn da?“

Fortsetzung folgt

bearbeitet von Lilac
sach ich nich

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Du kannst ganz beruhigt sein, ilse. Es ist die Geschichte meiner Hunde und sie geht gut aus. Natürlich gibt es immer mal wieder ein paar traurige Passagen, doch da ich die Hunde später unter meine Fittiche nahm, wurden sie alle sehr, sehr glücklich. Okay?

- - - Aktualisiert - - -

2. Teil

Er hatte mich entdeckt. Zitternd öffnete ich ein Auge. Unmittelbar vor mir war ein riesiges Gesicht aufgetaucht, so behaart, dass wenig davon zu erkennen war. Aber die Augen schauten freundlich.

Na, komm mal her, du kleinen Wurzelzwerg!“

Ein schwacher Hoffnungsschimmer glomm in mir auf. Eine große Hand näherte sich mir. Schnell erinnerte ich mich an den Trick, der mir schon bei meiner Mutter immer die vollste Zitze verschaffte: auf den Rücken werfen, Augen ganz weit aufreißen und leise wimmern.

Die Hand kam näher, aber sie packte mich nicht – wie ich schon befürchtet hatte – unsanft am Genick. Sie streichelte sanft über meine zerzausten, nassen Ohren. Genau die richtige Zeit für einen Vorstoß: schnell umgedreht, etwas näher rangerobbt und einen zarten Schlecker auf die Hand des Riesen. Es klappte!!!

Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass dieser Mensch von Hunden keine große Ahnung hatte. Es wurde ein langer Weg, ihn zu erziehen. Aber eines wusste er damals schon: ein Hund braucht etwas zu essen.

Gott segne dich, dachte ich, als er mir die gesamten Wurstvorräte seines Kühlschranks vor die Nase legte. Bei diesem Anblick und dem berauschendem Duft war es vorbei mit jeglicher Zurückhaltung. Gierig schlang ich alles hinunter. Was für ein Festessen! Dazu stellte mir der Bärtige noch eine Schale mit Milch vor meine kalten Füße. Ich hatte schon vergessen, welch wonniges Gefühl von einem gefüllten Magen und einem trocknen Plätzchen hervorgerufen wird.

Eine taumelnde Müdigkeit überkam mich. Trotz meiner großen Angst, plötzlich wieder an die Luft gesetzt zu werden, fielen mir die Augen zu. Ich genoss einen tiefen, traumlosen Schlaf in einer trockenen, gemütlich-warmen Ecke des Wohnmobils.

Fortsetzung folgt.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Als ich wieder erwachte, bemerkte ich, dass der Mensch keinen großen Anteil mehr an mir nahm. Er verrichtete allerlei Dinge und ließ mich in Ruhe.

So machte ich mich, gesättigt und trocken, an die Erforschung dieser Menschenbehausung. Überall roch es sauber und vor allen Dingen nicht nach einem Artgenossen, der mir diesen Platz hätte streitig machen können. Vorsichtig hielt ich immer einen großen Abstand zwischen mir und der Tür, damit mich der Riese nicht so einfach hinaus schubsen konnte. Aber er schien überhaupt nicht die Absicht zu haben.

Sehr bald hatte ich einen wunderschönen Platz gefunden, der auch in den kommenden Monaten mein Lieblingsplatz bleiben sollte: Zwischen der Frontscheibe und dem Lenkrad befand sich eine kuschelige Fläche. Von hier aus konnte ich alles gut übersehen und war meinem Menschen nicht im Wege. Bei Sonnenschein wurde mein Pelz herrlich durchwärmt. Überhaupt hat mich der Hunger nach Sonne und Wärme mein ganzes Leben nie mehr verlassen. Das ärgste Problem in diesen ersten Stunden war meine Blase. Einerseits musste ich ganz dringend meine Geschäfte erledigen, andererseits konnte ich es doch nicht wagen, mein kaum gefundenes Nest wieder zu verlassen. Wer wusste schon, ob ich dann je wieder hineingelangen würde. Ob ich ganz einfach hier drinnen.....? Nein, daran war nicht zu denken. Mir war klar, dass das die sicherste Methode wäre, um mit Schimpf und Schade hinauszufliegen. Es war ein Dilemma.

Doch es hatte keinen Zweck: der Drang wurde stärker als die Angst. Ich schaute mich nach dem Menschen um. Er hatte sich auf seinem Bett ausgestreckt und schien zu schlafen. Das war die Gelegenheit. Nix wie raus. Schnell erledigte ich alles Nötige und war mit einem enormen Satz schon wieder im Auto und auf meinem Platz hinter der Scheibe.

Bald folgte die nächste Aufregung. Mein Mensch zog sich um und schien zum Ausgehen bereit zu sein. Ach du Schreck! Was würde jetzt passieren?

Er verließ den Wohnwagen und blieb draußen vor der geöffneten Tür stehen. Sollte ich ihm folgen oder mich verstecken? Doch was nützte mir die Hütte ohne den Menschen? Er war auf jeden Fall wichtiger. Nach diesen Überlegungen war ich mit einem Satz neben ihm. Er schloss den Wagen ab und machte sich zu Fuß auf den Weg. Natürlich wich ich nicht von seinen Schuhen. Wir gingen in eine Bar. Zwar ist es in Spanien verboten, Hunde mit in Bars und Restaurants zu nehmen, doch meinen Menschen schien das nicht zu kümmern. Er setzte sich auf einen hohen Stuhl, ich rollte mich zu seinen Füssen zusammen.

Wir waren ein Team! Wir gehörten zusammen!

Fortsetzung folgt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Nach ein paar Stunden verließen wir die Bar wieder. Mein Mensch schlug den Weg zu unserem Heim ein. Da ich den Weg natürlich kannte, lief ich schon mal voraus, erledigte dabei noch schnell die notwendigen Sachen und stand bereits vor ihm an der Eingangstür. Er schloss auf. Bevor er eine Möglichkeit hatte, mich daran zu hindern, befand ich mich schon im Fahrzeug auf meinem Platz hinter der Scheibe. Ich schloss die Augen und stellte mich schlafend. Doch all diese Hektik stellte sich als unnötig heraus.Mein Mensch zog sich aus und ging ebenfalls schlafen.

Meine erste Nacht im Warmen, im Trockenen.

Wie schnell man sich gewöhnt! Am nächsten Morgen machte ich mich ohne Bedenken auf meine ´Geschäftstour´. Als ich heimkam, gab es Frühstück. Mein Mensch teilte alles mit mir. Aber welcher Hund frisst gern Brot mit Butter und Knoblauch. Wie gesagt: er hatte noch viel zu lernen.

Mit trotzdem gut gefülltem Bäuchlein folgte ich ihm nach draußen. Ich dachte, es ginge wieder in seine Bar. Doch er hatte etwas Anderes im Sinn. Wir gingen einkaufen. Ich bekam das erste Halsband meines Lebens und für alle Fälle besorgte er auch noch eine Leine. Nun waren wirklich die letzten Zweifel über meine Zukunft ausgeräumt. Seligkeit!

Mit der Leine hatte ich nie viel zu tun. Was sollte sie auch? Folgte ich meinem Menschen doch eh auf Schritt und Tritt. Jedenfalls zu Anfang.

Wenn die Sonne schien, lag ich jetzt auch gern im Eingang zu unserem Haus. Was für ein berauschendes Gefühl es doch war, wenn meine Artgenossen vorüber kamen. Verdreckt, mager und mit neidischem Blick in den Augen.

Kleider machen Leute – und Hütten den Hund.

Ich war nun wer.

Das Zusammenleben mit meinem Menschen gestaltete sich sehr gut. Wir teilten alles miteinander: er sein Essen mit mir, ich meine Flöhe mit ihm. Bald rochen wir gleich und – wenn auch die Dimensionen unterschiedlich waren – wir sahen uns auch verdammt ähnlich post-607-1385423958,5323_thumb.jpg

Fortsetzung folgt

post-607-1385423958,2103_thumb.jpg

bearbeitet von Lilac

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Wir teilten alles miteinander: er sein Essen mit mir, ich meine Flöhe mit ihm. Bald rochen wir gleich und – wenn auch die Dimensionen unterschiedlich waren – wir sahen uns auch verdammt ähnlich

:applaus::lol::thx: für die Story

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Wart nur, Gerardo, bald wird es Dir mit Willi genauso ergeben. Äh... ich meine die Ähnlichkeit.

Für wen wäre das dann eigentlich schmeichelhafter?:nerven::pfeiffen:

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Wart nur, Gerardo, bald wird es Dir mit Willi genauso ergeben. Äh... ich meine die Ähnlichkeit.

Für wen wäre das dann eigentlich schmeichelhafter?:nerven::pfeiffen:

Das mit dem Geruch klappt schon ganz gut.....

Optisch wird das schon wegen der Haarfarbe nicht gehen!!:(

Sonst wäre es für mich schmeichelhafter:D

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Deine Ehrlichkeit ist herzerfrischend.

Weißt, was Du mal machen solltest, Gerardo? Ein Profilbild von Willi (im Hintergrund) und Dir (im Vordergrund).

Das wäre sicher ein Hingucker ;)

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Nachdem das Wetter in Lloret de Mar weiterhin schlecht blieb, mit nur kurzen Unterbrechungen, schien es meinem Menschen dort nicht mehr zu gefallen. Eines Morgens wurden eifrige Vorbereitungen getroffen. Diese Hektik jagte mir nun doch einen Schrecken ein. Nach meiner Morgentoilette verzog ich mich auf meinen Stammplatz. Ich war nicht sicher, ob mein Mensch mich nicht doch in Lloret zurücklassen wollte.

Meine Sorge war unbegründet. Er setzte sich auf den Sessel hinter dem Lenkrad, lachte mich an, kraulte mir das Köpfchen und steckte einen Schlüssel neben das Lenkrad. Sofort begann es unter meinem Körper zu vibrieren. Nach dem ersten Schrecken war das ein ganz neues, wunderbares Gefühl. So wie Dauerkraulen am Bauch.

Es schien auf eine Reise zu gehen.

Ich habe inzwischen natürlich viel über den Menschen gelernt. Einer seiner ausgeprägtesten Eigenschaften ist die totale Unlust auf Stress. So reisten wir in kleinen Etappen. Es ging Richtung Süden, der Regen ließ nach, es wurde wärmer und wärmer. Bald wurde ich ein "alter Hase" auf Spaniens Straßen.

Es war normal, dass mein Mensch häufig einige Tage Rast einlegte. Es hing von der Situation ab. Gefiel es ihm an einem Ort besonders gut, konnten aus Tagen auch Wochen werden.

Einmal kamen wir sogar in eine Großstadt. Sie hieß Barcelona.

Wie üblich ging mein Mensch morgens in eine Bar, um seinen Café zu trinken. Aber diesmal ließ er mich einfach im Auto zurück. Es war schon mächtig warm, und so hatte er ein Fenster zum Teil offen gelassen.

Es war sehr aufregend, was da draußen auf den Straßen los war. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viele Autos und Menschen gesehen. Aber wo blieb Herrchen? In all der Aufregung hatte ich seinen Weg nicht verfolgt. Doch für mich war klar, dass er in einer Bar war und die einzige, die ich sehen konnte, befand sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Das ging ja nun gar nicht. Mir war heiß und hungrig war ich obendrein. Also quetschte ich mich durch das halboffene Fenster, sprang auf die Straße und lief auf die Bar zu – einfach so über die Straße mit all ihren Furcht erregenden Fahrzeugen.

Es war brechend voll. Aber ich wusste ja, wo mein Mensch am liebsten saß: Unter diesem brummenden Gerät, aus dem die kühle Luft kam. Ich legte mich unter den darunter stehenden Tisch und wartete.

Was ich nicht ahnen konnte: Herrchen war in einer anderen Bar. Als er wieder zum Auto kam und mich nicht vorfand, war er total aus dem Häuschen. Es war wohl eine Fügung des Schicksals, dass ein Passant meinen todesmutigen Weg über die Straße mit angesehen hatte. Erst als Herrchen mir später alles erzählte, verstand ich warum er so rasch in meine Bar gesaust kam, wild um sich blickte und mich schließlich auf den Arm riss.

Er war also einfach nur glücklich, mich wieder gefunden zu haben. Ach, mein Mensch!!!

Fortsetzung folgt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Wenn wir einen guten Platz gefunden hatten und er sich ans Auspacken machte, erkundete ich die Umgebung. Es muss an meinem neuen Selbstbewusstsein gelegen haben: Überall fand ich rasch Freunde. Die größten Schäferhunde begegneten mir mit Respekt, nachdem sie mein feines Zuhause und meinen netten Menschen kennen gelernt hatten. Ich war kein Straßenköter mehr, sondern ein Globetrotter mit eigenem Haus und Menschen. Das machte Eindruck.

Bei einer Rast lernten wir einen anderen Menschen kennen, der die gleiche Vorliebe für ausgedehnte Spaziergänge hatte wie ich. Mein Herrchen war eher faul und viel zu schnell müde, wenn ich mal das Gelände erforschen wollte. So war er nicht böse, dass ich ab und zu mit dem anderen Menschen loszog. Und bei einer solchen Wanderung lernte ich die Liebe meines Lebens kennen: Hühner! Ich kann euch sagen!

Ich bitte an dieser Stelle für etwas Verständnis. Selbst ein kleiner Hund hat ja schließlich seine Jagdinstinkte. Und noch niemals zuvor hatte ich so herrliche Objekte gesehen, um diesen Instinkt auszuleben. Hei, was war das für ein Anblick, wenn diese gefiederten, gackernden, scharrenden Federknäule vor mir auf der Flucht waren.

So kam es, dass ich vor lauter Hatz den Menschen einfach vergaß.

Jeder Spaß hat einmal ein Ende – ganz besonders, wenn der Durst kommt und die Jagd langweilig wird. Langsam machte ich mich auf den Weg zu dem Punkt, an dem ich den Freund meines Menschen verlassen hatte. Ich konnte ihn ja schließlich nicht allein nach Hause gehen lassen. Doch er war nicht mehr dort. Ich wartete ein Weilchen, zog es dann aber vor, mich auf den Weg zurück zu meinem Heim zu machen.

Es war abgeschlossen! Herrchen weg, sein Freund weg – Hund ausgesperrt! Doch unser Heim war schließlich noch dort. Wegen der besseren Übersicht legte ich mich auf den Campingtisch und ließ mir die Sonne auf mein verschwitztes Fell scheinen. Tische sind ein hervorragender Aussichtspunkt! Nach ca. zwei Stunden kehrten sie zurück. Was auch immer mit den beiden passiert sein mochte: Meiner war sauer, müde und hatte Blasen an den Füßen. Er war zwar erleichtert, mich zu sehen, trotzdem fiel meine stürmische Begrüßung auf nicht sehr fruchtbaren Boden. Ich erfuhr, dass der Naturfreund voller Angst zu meinem Menschen zurückgekehrt war, um ihm zu beichten, er hätte mich verloren. Daraufhin haben sie mich mehrere Stunden im Wald gesucht. Wie dumm Menschen doch sein können! Als ob man MICH verlieren könnte!

Fortsetzung folgt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Mit die schönste Zeit war, als Herrchen das Geld ausging. Vorbei war´s mit der Reiserei. Er musste arbeiten und fand bald einen Job als Pflücker auf einer Orangenplantage.

Das war ein freies Leben! Morgens fuhr ich mit ihm zur Plantage. Er begann zu arbeiten und ich erkundete die gesamte Umgebung. Schnell lernte ich das Signal der Frühstücks- und Mittagspausen erkennen und fand mich dann bei meinem Menschen und seinen Kollegen ein. Da gab es die leckersten Bissen aus vielen Menschenhänden. Zwischen den Mahlzeiten war ich wieder mir selbst überlassen. Herrchen hatte endlich Vertrauen zu mir – oder wollte er sich einfach keine Gedanken machen?

Ich lernte eine Menge in dieser Zeit. Es gab ja so viel zu sehen. War ich müde und konnte nicht mehr laufen, legte ich mich immer unten den Baum, den Herrchen gerade bearbeitete. Mit ihm zusammen wechselte ich von Baum zu Baum bis zum Feierabend. Mein Mensch und ich lebten nun schon zwei Jahre zusammen. Wir hatten ganz Spanien gesehen und gehörten zusammen wie Pech und Schwefel.

uch Frauen kreuzten unseren Weg – seinen wie meinen. Doch es war nie die Richtige dabei gewesen. Ich hatte gelernt, den Menschenfrauen zu misstrauen. Sie waren zwar lieb zu mir, weil sie ohne mich nicht das Herz meines Menschen erobern konnten, aber dieser Liebe war nicht zu trauen. War Herrchen einmal nicht da oder schaute in eine andere Richtung, fing ich schon mal einen Tritt ein. Andere wiederum überschütteten mich mit ihrer Liebe. Sie machten sich so viele Sorgen um mein Wohlergehen, dass ich nur noch am Bändchen geführt wurde. Grrrrr! Wo blieb da meine Freiheit?

Am Schönsten war´s allein mit meinem Menschen.

Aber es passierte, was passieren musste. Wir standen gerade mal wieder gemütlich in einer Bar herum – Herrchen nahm mich nach wie vor immer mit auf seine ‚Touren’ – da kommt doch wieder so ein Weib herein. Sie stellte sich aber nicht zu meinem Menschen, sondern hockte sich zu mir. Ach – und sie roch so gut nach meinen Artgenossen. Sie war nicht dürr und zickig, wie die Letzte, sondern mollig und gemütlich. Und sie kannte die besten Kraulstellen. Ich konnte nicht umhin, ihrem Charme zu erliegen.

Ein paar Tage später trafen wir sie wieder. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie mit meinen Menschen noch kein einziges Wort gewechselt. Natürlich erkannte sie mich sofort wieder. Ich glaube, es war gegenseitige Liebe auf den ersten Blick. Jetzt musste ich nur noch meinen Menschen überzeugen, dass SIE die eine war.

Ich will und kann mich an dieser Stelle nicht mit den Problemen der Menschen im Allgemeinen und im Besonderen auseinandersetzen, aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis ich außer einem Herrchen nun auch ein Frauchen bekam. Das brachte gewaltige Veränderungen mit sich. Wir wurden sesshaft – jedenfalls für meine Verhältnisse. Zunächst bezogen wir ein Hotel, dann folgten mehrere Wohnungen, Apartments und Häuser. Nicht nur Herrchens, sondern auch meine Freiheiten wurden beschnitten – wie Frauen nun einmal sind – sie machte sich allzu viele Sorgen um meinen Menschen und mich.

Fortsetzung folgt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Aber die Vorteile überwogen. Sie konnte gut kochen und ich bekam regelmäßige Mahlzeiten. Auch hatte ich jetzt immer frisches Wasser in meinem Napf – Herrchen war in dieser Hinsicht mehr als schlampig. Er hätte wahrscheinlich mehr Verständnis für mich gehabt, hätte ich mich aus seiner Bierflasche gelabt. Kurz und gut: Das Leben zu Dritt gefiel mir nicht schlecht. Sobald meine Menschen schliefen, fand sich für mich immer ein Plätzchen am Fußende ihres Kuschelbettes und nie wurde ich von ihnen allein Zuhause gelassen. Meine Angst vor Menschenfrauen fiel langsam von mir ab.

Nach einem herrlichen Sommer wohnten wir im Monat November in Albir, einem Küstenort an der Costa Blanca. Wir hatten eine schöne, geräumige Wohnung. Von Frauchen hatte ich zwei köstliche Gummibällchen als Spielkameraden bekommen – das erste Spielzeug meines Lebens – und konnte mich rund ums Haus auf mehreren Terrassen herrlich austoben. Wir wohnten direkt neben einem Tierarzt, mit dem ich dann auch Bekanntschaft machen musste. Frauchen ließ mich pieksen und untersuchen und hatte merkwürdigerweise auch etwas gegen meine Flöhe.

Aber die Besuche bei diesem Tierarzt hatten auch Vorteile. Er besaß zwei dicke, fette, starke und äußerst unfreundliche Rottweiler. Normalerweise ging mandiesen Gesellen lieber aus dem Wege. Doch während der Sprechstunden waren die Burschen in einem Zwinger eingesperrt. Was konnte es da Herrlicheres geben, als vor diesem zu promenieren? Waren die leicht erregbar! Jeden Tag bestand mein größtes Erfolgserlebnis darin, die Rottweiler so wild zu machen, dass ihnen der Schaum vor dem Maul stand. Befriedigt hob ich dann das Bein an Ihrem Zwinger und verfehlte nur selten eine der gefährlichen Schnauzen mit meinem Strahl.

Frauchen durfte mich natürlich nie bei diesem Vergnügen erwischen. Sie wurde sonst blass und riss mich blitzschnell auf den Arm, um mich zurück auf unser Grundstück zu verfrachten. Ängstliches Weib!

Wir lebten glücklich und das Wetter war wundervoll. Eines Tages fuhren wir wieder einmal in Frauchens Auto zum Strand nach Altea. Dort saßen meine Menschen gern in einer Strandbar und ließ sich eine Kleinigkeit schmecken. Ich musste im Auto bleiben, da Hunde in spanischen Restaurants halt ungern gesehen werden. Aber ich hatte Blickkontakt und sah daher genau was geschah:

Fortsetzung folgt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Meine Menschen unterhielten sich miteinander, als ich eine wunderschöne Hundedame langsam die Straße entlangkommen sah. Meine Güte, hatte die einen Gang! Pechschwarz war sie mit einer strahlend weißen Blässe an der Brust und an den Hinterbeinen trug sie einen silbrigen Schleier.

Ihre aufrecht stehenden Ohren waren mit lustigen Pinseln bewachsen. Augen wie Himmelssterne hatte sie und aus der leicht geöffneten Schnauze schaute die rosaroteste Zunge hervor, die ich jemals sah. Sie lief nicht – sie tanzte förmlich über den Gehsteig. Kurz: Sie war eine Göttin. Ich bekam kaum noch Luft. Oh, oh, oh.... wie wurde mir....?

Dieses Geschöpf näherte sich, strebte direkt auf meine Menschen zu. Sie hatte keine Angst!Sie war so selbstbewusst! Sie schien mir unvergleichlich!

Ich presste meine Nase gegen die Scheibe, als sie direkt bei meinen Menschen stehen blieb.

Grrau..schau doch!’, bellte ich. Doch niemand achtete auf mich. Oh, wenn ich doch nur frei wäre und mich nicht eine ganze Straßenbreite von dieser Traumfrau trennte.

Die Scheibe war schon ganz beschlagen. Ich wechselte zum anderen Fenster und sah, dass Frauchen jetzt mit der Göttin sprach. Und sie – die Unvergleichliche – legte den edlen Kopf schräg und schien jedes Wort zu verstehen. Also auch noch intelligent! Ich kratzte am Fenster und bellte, was meine Kehle hergab. Ich wollte dabei sein – ihr mein Leben zu Füssen legen...

Da! Frauchen bot dieser Unvergleichlichen ein Stück von ihrem Teller an. die Dame nahm es – nicht etwa gierig, nein zart, aristokratisch, fast herablassend. Dann legte dieses überirdische Wesen den Kopf auf den Schenkel meines Herrchens. Sie hatte den Bogen voll raus. Doll!

Nach einer Weile standen meine Menschen auf und kamen auf mich zu. Als ob sie dazugehören würde, folgte ihnen meine Traumfrau.

Ich war schon ganz fertig. Alles in mir jubelte: ¨Hinaus, hinaus... ich will zu ihr!´

Als ob man mich hörte, öffnete Herrchen die Heckklappe vom Auto. Mit einem Satz war ich draußen und konnte mich einfach nicht satt sehen an dieser Elfe. Was machte es schon, dass sie viel größer war? Sie schaute mich an, stupste mich sanft und schon flogen wir zusammen über den weißen Sand des Strandes.

Meine Menschen folgten uns und schienen so ganz einverstanden mit meiner Gesellschaft.

Und wir liefen und liefen – hin und zurück im Taumel der Gefühle. Ein Rausch, ein Rasen des Pulses. Mir war ganz wirr im Kopf.

Endlich ließen wir uns Zeit zu einer näheren Begrüßung. Sie roch so wunderbar nach Mülltonnen, Fischresten und Seeluft. Sie war eine Sünde wert – ach, was rede ich: Alle Sünden dieser Welt.

Nach einer Weile hörte ich mein Herrchen rufen. Aus der Traum, dachte ich. Ich musste folgen. Langsam, voller Verzweiflung und Trauer zog ich meinen Schwanz zwischen die Beine und schaute meine Menschen bittend an. Sah ich da nicht auch in Frauchens Augen ein Hoffen?

´Hopp!´, sagte mein Mensch. Das war dann wohl der endgültige Abschied von ihr, meiner Einzigen. Ich folgte und sprang ins Auto – doch nicht nur ich! Die Himmlische sprang Seite an Seite mit mir. Herrchen schaute Frauchen an und beide grinsten. Die Heckklappe wurde geschlossen. Es ging nach Hause und zwar zu viert!

Es gibt auch für uns Hunde einen lieben Gott!

Würde ich sagen: „Jetzt fing das Leben für mich an“, so wäre das ein Verrat an meiner Vergangenheit. Aber sagen darf ich: „Jetzt fing ein neues Leben für mich an!“

Fortsetzung folgt...

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Meine Menschen gaben meiner Prinzessin den einzig richtigen Namen (ich wundere mich so manches Mal über die Feinfühligkeit meiner Herrschaft). Sie wurde „Maximiliane von Altea“, getauft, kurz „Maxi“.

Und Maxi brachte Leben in die Bude. So war sie zum Beispiel kein Typ, der gern auf den Boden schläft. Sobald sich unsere Menschen (ich sage ab jetzt ‚unsere´, was Aufschluss darüber geben mag, wie gern ich mit Maxi alles teile) zur Nachtruhe begaben, war das beste Plätzchen auf dem feinsten Sofa für Maxi gerade gut genug. Sie war ein quirliges Ding und brachte unsere Menschen und mich so richtig auf Trapp. War sie anfangs ein wenig mager, so wurde sie von Frauchens Küche bald wohlgenährt. Auch sie machte sofort Bekanntschaft mit unserem Tierarzt, wurde untersucht und für kerngesund befunden. Man stellte fest, dass sie ungefähr ein Jahr alt war. Typisch Menschen - statt lange zu untersuchen, hätten sie nur mich fragen sollen!

Ich hatte niemals Vorurteile gegen große Frauen. Wenn man so klein ist wie ich, muss man sich halt abfinden. Außerdem hatte es auch Vorteile. So konnte ich mich häufig unter ihr verstecken – und sie merkte es nicht einmal. Dabei war sie schlau! Sie hatte jede Menge Tricks drauf. Sie verstand es zum Beispiel prima – auch ein Vorteil ihrer Größe - übrig gebliebene Reste vom Küchentisch herunterzuholen. Sie tat sich allerdings ein wenig schwer mit dem Teilen, aber schließlich war ihr Verbrauch an Kalorien ja auch größer.

Nur einen Irrtum musste ich bald einsehen: Maxi war keine Dame!

Es störte sie nicht, mitten auf den besten Teppich zu pi.... na ja. Sie brachte unsere Menschen in kurzer Zeit dazu, jeden Abend vor dem Schlafen gehen sämtliche Teppiche aufzurollen. – Wie gesagt: Sie brachte Leben in die Bude.

Einige Wochen ging es so weiter. Wir fühlten uns wohl und wurden es nicht müde, die wildesten Verfolgungsspiele rund um unser Haus zu machen. Zwar gehörte mein Spielzeug schon lange der Maxi, aber... ach, was macht Mann nicht alles?

Dann veränderte sich die Stimmung bei unseren Menschen. Sie waren aufgeregt und nervös.

Eines Tages wurden wir ins Auto gesteckt und es ging Richtung Norden. Aber es sollte nicht eine der üblichen Ausflugsfahrten sein, die unsere Menschen so gern mit uns unternahmen. Nach einigen Kilometern wurde das Auto geparkt und unsere Menschen verließen uns für eine Weile. Als sie zurückkamen, waren sie noch aufgeregter als zuvor. Es ging wieder heim.

Bereits eine Woche später begannen sie wild zu packen. Die Wohnung stand voller Kartons und Koffer. Es wurde um und um geräumt, so dass sogar meine Maxi am Ende ganz hilflos in einer Ecke stand. Sie hatte natürlich noch nicht so ein Vertrauen in unsere Menschen.

Dann wurde alles in unsere zwei Autos gepackt. Zum Schluss auch wir und die Reise ging los. Wir hielten abermals vor dem bereits bekannten Haus. Es war eine alte Finca, sehr groß und mitten in Weinfeldern gelegen. Der Traum eines jeden Hundes. Doch dieser Traum hatte sofort ein Ende:

Wir fuhren um die Finca herum und parkten auf dem Hof und in diesem Moment begann der Albtraum.

Fortsetzung folgt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

MAXIMILIANE VON ALTEA 21-1.jpg

Wenn ich ein Motto für mein Leben finden sollte, so wäre es ‚Dideldum, dideldum....’

Der Gremlin ist ja ein lieber Spatz, aber er nervt manchmal total mit seiner ewigen Ernsthaftigkeit. Wie kann man nur alles so verbissen sehen? Ich bin da ganz anders drauf! Ach so, ich sollte mich wohl erst einmal vorstellen: Ich heiße Maximiliane von Altea, kurz Maxi genannt von meinen Menschen. Obwohl... ich muss sagen: bei meinem Aussehen, meiner Figur, der Ausstrahlung... also ‚Maximiliane’ trifft’s schon eher! Ich habe halt so einen distinguierten Touch. Man ist eben wie man ist!

Der Gremi hat ja meine Geschichte schon ganz gut umrissen. Was vorher mit mir war, wo ich herkomme und so weiter – naja – ist ja eigentlich auch egal, denn meine Vergangenheit mache ich mir schon selber.

Aber damit man etwas Respekt vor mir bekomme, kann ich verraten, dass meine Mutter eine echte ‚Groenendael’ ist. Also für alle unwissenden Zweibeiner; eine langhaarige, wunderschöne belgische Schäferhündin.

Mama war eine Lebedame, die mit Kinderkriegen nichts am Hut hatte. In ihrem Leben war sie ihr eigener Mittelpunkt. Für ihre Menschen hatte sie nicht mehr übrig als gelangweilte Zuneigung. Ob sie sich gewollt oder ungewollt dann doch eines Tages den Freuden der Mutterschaft unterzog, vermag ich nicht zu beurteilen.

Tatsache ist, dass sie ihrer Nachkommen sehr schnell überdrüssig wurde und uns schlichtweg vergaß.

Meinem Naturell ist es zu verdanken – ich war sehr frühreif und von einem ungewöhnlichen Freiheitsdrang besessen – dass ich an meiner Rabenmutter nicht zerbrach.

Die Menschen meiner Mama hatten auch keine Verwendung mehr für meine Geschwister und mich. Die berechtigten Zweifel an unserer Reinrassigkeit ließen ihr Interesse sehr bald erlahmen. Wir wurden auf einem Markt an vorübergehende Passanten verschenkt.

Lange Zeit hatte dieses menschliche Verhalten starke Auswirkungen auf meine Meinungsbildung den Zweibeinern gegenüber. Verständlich, oder?

Nun, im Alter von wenigen Wochen ist für einen Hund in erster Linie wichtig zu essen, zu trinken und einen warmen Schlafplatz zu haben. All das bekam ich, als ich in den Armen von zwei Touristen landete, die ihren Urlaub in Spanien verbrachten und zufällig an unseren Karton vorüber gingen. Ich war für sie nur einfach schrecklich süüüüssss und wonnig.

Leider haben es Menschen an sich, die zukünftigen Ausmaße ihres ‚Lieblings’ falsch einzuschätzen.

So waren meine beiden nach einigen Wochen entsetzt über meine Größe und vor allem meinen Heißhunger auf alles Essbare und das Leben im Allgemeinen. Ich nehme es ihnen gar nicht übel: Sie waren alt und konnten Versteck- und Nachlaufspielen nichts mehr abgewinnen.Wohl oder übel gewöhnten sie sich an die Tatsache, dass ich tagsüber meiner eigenen Wege ging. Sie konnten sicher sein, mich abends daheim in meinem Korb wieder zu finden.

Nach einigen Monaten dieses mehr oder weniger innigen Zusammenlebens fand ich eines Abends die Tür meines Hauses verschlossen. Ich verbrachte die Nacht mit knurrendem Magen auf der Terrasse. Auch am nächsten Tag kamen meine Leute nicht heim. Nach einiger Zeit musste ich feststellen: ich war allein gelassen worden.

Der zweite Schock in meinem jungen Leben!

Fortsetzung folgt

post-607-1385423958,2533_thumb.jpg

bearbeitet von Lilac
Bild eingesetzt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Es war inzwischen kalt und ungemütlich in den Nächten und so machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Unterkunft.

Ich kannte ein paar Streuner aus der Hafengegend von Altea. Hier konnte ich unterkriechen. In den Sommermonaten hätte mir dieses Leben bestimmt gefallen, aber – wie gesagt – die Nächte wurden bereits empfindlich kalt. Da nützte mir auch die Wärme des dicken Hafen-Joe nichts. Er was ein alter Herumtreiber, ein Überlebenskünstler und eindeutiger Anführer unserer Rotte. Joe hatte nur einen Nachteil: Er war total berechnend. Für alles und jedes wollte er eine Gegenleistung. Worin diese bestand? Nun zwischen Männern und Rüden dürfte in dieser Hinsicht kein großer Unterschied herrschen.

Nun liegen Standesdünkel mir natürlich fern, aber meine Kuschelbrüder wollte ich mir doch lieber allein aussuchen. Und Joe hatte so gar keinen Stil. Er war brutal, ungepflegt und trieb sich wirklich mit jeder herum. Nein, das war nicht mein Fall. Erschwerend kam hinzu, dass ich eine besondere Art von Menschen zum Ziel gesetzt hatte, die Strassen von Altea von alleinstehenden Hunden zu befreien. ‚Hundefänger’ nannte man diese liebenswürdigen Genossen.

Ich beschloss daher, dass es Zeit wurde, mir eine feste Behausung und nach Möglichkeit auch einen festen Menschen zuzulegen. Zweifel am Erfolg meiner Suche hegte ich nicht. Warum auch? Ich sah einfach umwerfend aus, hatte Charme und mit meinen Augen konnte ich die härtesten Menschenherzen brechen. Also: Auf zu neuen Ufern....

Als ich meine neuen, von Gremi bereits beschriebenen, Menschen fand, war ich mir zunächst unschlüssig, an wen von beiden ich mich zu halten hatte. Wer war der Boss? Gar nicht so einfach zu entscheiden. Ich habe gelernt: ein Fehler bei der ersten Kontaktaufnahme in dieser Hinsicht kann die ganze Angelegenheit katapultieren. Aber ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen. Ich schaute also die Menschenfrau mit meinen verträumten Augen an – und legte dabei meinen Kopf auf den Schenkel des Mannes. So hatte ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Den Erfolg meines Einsatzes kennt man ja durch Gremi. Und es war nicht einen Tag zu früh. Bald begann die Regenzeit. Doch ich hatte ein feines Dach über dem Kopf.

Den guten Gremlin hatte es total erwischt. Er war so in mich verliebt (ist er übrigens heute noch, obwohl seine Treue doch sehr zu wünschen übrig lässt), dass ich ihm auch mein Herz öffnete. Es war lieb, einen Freund zu haben, dem man echte Muttergefühle entgegenbringen konnte. Gremi ist so klein, knuddelig und kugelig – einfach süß. Doch er spielte sich fürchterlich auf. Als ich sofort das schönste Sofa mit Beschlag belegte – meine Menschen saßen sowieso nie drauf – hat Gremi sich fast ins Fell gemacht.

Ach, und diese Aufregung, als ich nachts ein ganz natürliches Bedürfnis erledigte. Ich hatte – wahrscheinlich aufgrund der kalten Nächte im Hafen – eine etwas schwache Blase. Außerdem halte ich es für völlig normal, dass man bei seinem Geschäft lieber mit den Pfötchen auf einem weichen Teppich als auf dem kalten Steinboden steht. Doch Gremlin war entsetzt. Außer dem Trick mit dem Teppichaufrollen zerrten mich meine Menschen nun wochenlang jede Nacht bei Kälte und Nässe auf eine Wiese. Es ging hin und her und her und hin. Sie gaben keine Ruhe, bis ich mich endlich hinhockte. Und trotzdem hielt ich nur selten bis zum Morgen durch.

Gremlin unterscheidet sich vom Charakter her total von mir. Er ruht in seiner Familie. Er ist eifersüchtig darauf bedacht, dass unsere Menschen ganz uns gehören. Welch ein Glück für mich, dass der Kleine so in mich verschossen ist. Ansonsten hätte es ernsthafte Probleme gegeben, in diese Beziehung einzudringen.

Es ist typisch für Gremlin, dass ihn dann die Umstellung unseres Lebens so von den Pfötchen haute.

Fortsetzung folgt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Wir kamen also an dem besagten Tag auf der Finca an.post-607-1385423958,5644_thumb.jpg Ich hatte schon vom Auto aus äußerst verdächtige Geräusche gehört. Und – Tatsache!

Auf dieser Finca lebte bereits ein Hundepaar. Und was für eines...! Die Alte habe ich mir zunächst gar nicht angeschaut, denn mein Blick wurde von einer unglaublichen Erscheinung gefesselt.

Nun bin ich ja eher der coole Typ, doch was ich dort sah, konnte man nur als einen Traumrüden bezeichnen. Ein Deutscher Schäferhund.

Reinklassig... äh, ich meine reinrassig. Makellose Erscheinung, ca. 5 Jahre alt, sehr hell mit einer dunklen Decke und dunkler Schnauze. Ich war hingerissen. Er sah sehr sauber und elastisch aus. Ein richtiger Kerl. Nichts gegen Gremlin, aber man will doch als Frau schließlich zum Manne aufblicken können (sei es auch nur körperlich). Gremlin konnte ich höchstens als Kopfpolster benutzen oder als Kuschelrolle. Aber dieser Typ.... wouw!

Unsere Augen versanken ineinander. Doch sofort wurden wir unterbrochen durch Frauchens Fürsorge (grrrrr...). Sie nahm uns an die Leinen und führte uns ins Innere des Hauses.

Keine schlechte Hütte! Endlich ein Wohnzimmer mit den richtigen Maßen für eine Hatz.

Es gab eine herrliche Treppe und im Obergeschoss viele, viele Zimmer. Wenn man oben stand, konnte man den Kopf durch ein Holzgitter stecken und ins Wohnzimmer hinab schauen. Ja, die Bude gefiel mir.

Meine Menschen begannen hektisch hin- und herzulaufen. Die Autos wurden ausgepackt und alles ins Haus geschleppt. Aha, dachte ich mir, nicht nur ein kurzer Besuch. Hier werden wir bleiben.

Verzweifelt versuchte ich, nochmals Blickkontakt mit dem Schäfer zu bekommen. War aber nicht möglich. Außerdem wurde es Zeit, sich mit der Artgenossin zu befassen, deren tiefe Stimme ich von draußen hörte. Bisher hatte ich von ihr nur den Eindruck eines Grizzlybären bekommen. Sie schien mir unfreundlich und mit Vorsicht zu genießen.

Die erste Nacht im neuen Heim war traumhaft. Hier gab es Sofas in Hülle und Fülle. Ich habe in den ersten Stunden wohl so fünfmal meinen Schlafplatz gewechselt.

Gremi zog es natürlich vor, im oberen Stockwerk bei Herrchen ins Bett zu schlüpfen.

Das ist nicht meine Sache. Menschen ja – nächtlicher Körperkontakt nein. Ich brauche immer viel Platz und wollte mich auch erst mal so richtig ein schnüffeln in die neue Behausung. Ich war gespannt, wie unser neues Leben jetzt werden würde und träumte von dem Schäferhund-Rüden draußen an der Kette.

Fortsetzung folgt

bearbeitet von Lilac
Bild eingefügt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

H O N D O 7a.jpg

Ja, ich bin der Hondo. Deutscher Schäferhund, reinrassig, fünf Jahre alt, schön (hat’s mir was genützt?), introvertiert und sehr sensibel.

Ich lebe auf einer Finca. Doch was heißt hier schon ‚leben’? Mein Leben war bisher keines. Es war ein Trauerspiel. Ich bin zwar in Spanien geboren, lebte aber mit meiner Mutter, meinem Vater und den Geschwistern bei einem deutschen Züchter. ‚Rassehunde’ nennt man uns. Wertvoll sollen wir sein. Schön sind wir allemal. – Aber warum können die Menschen es dabei nicht belassen?

Die besten Wochen meines Lebens waren die an Mutters Seite. Ich war nicht der stärkste unter meinen Geschwistern, aber Mami hatte immer ein schönes Plätzchen mit einer dick gefüllten Zitze für mich bereit. Diese Wärme und Zuneigung, diese Geborgenheit werde ich nie vergessen. Sie war die beste Mutter, die man sich wünschen kann. Vater sah ich auch ab und zu, aber er hatte kaum Zugang zum ‚Kinderzimmer’. Seine Aufgabe war erfüllt und bis zum nächsten Malhatte er Pause. Auch kein schlechtes Dasein.

Heute bin ich der Meinung, der größte Charakterfehler an mir ist (bzw. war) meine Liebe zu den Menschen. Als Welpe machte ich keine Unterschiede bei ihnen. Alle waren lieb zu mir, nahmen mich auf den Arm, kraulten die Öhrchen und fanden mich wonnig. Wie sollte ich ihnen diese Zuneigung nicht hoch anrechnen? Da ich das Pech hatte, als einer der Schönsten aus unserem Wurf zu gelten, hatte man Großes mit mir vor.

Wie gern hätte ich auch alles getan, um den Anforderungen an mich gerecht zu werden.

Es begann im Alter von ca. 3 Monaten auch recht harmlos mit dem Gehen an der Leine. Dann folgten die ersten Befehle wie ‚sitz’, ‚platz’, ‚bleib’ und ‚steh’. Ich war nicht dumm und beherrschte dieses Repertoire der Menschensprache rasch. Als ich dann ca. ein halbes Jahr alt war, begann mein persönlicher Albtraum.

Man wollte mich ‚auf den Mann’ abrichten. Ich verstand einfach nicht, warum ich gezwungen werden sollte, einen Menschen auf Befehl eines anderen anzugreifen. Ich hatte sie doch alle gern! Warum sollte ich jemandem schaden? Diese Qual dauerte Wochen, ja Monate. Bis meine so genannten ‚Ausbilder’ endlich verstanden, dass ich ein ‚Versager’ war, erhielt ich unendliche Stockschläge, Beschimpfungen, Futter- und Wasserentzug.

Meine Welt zerbrach. Wie gern wäre ich wieder bei Mutter gewesen, wie vermisste ich meine Geschwister. Doch auch sie blickten nur noch hochmütig zu mir herunter. Ich war und blieb in aller Augen ‚unbrauchbar’.

Noch heute quält mich die Erinnerung. Man strafte mich nach Abschluss aller Versuche, aus mir etwas ‚Vernünftiges’ zu machen, mit Ablehnung und Nichtachtung – für einen Hund wohl das Allerschlimmste.

Ich hörte Worte wie ‚zu Zuchtzwecken ungeeignet’ und ‚wenn er nicht bald verkauft werden kann, wird er eingeschläfert!

Hatte Gott mich vergessen?

Fortsetzung folgt

bearbeitet von Lilac

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Vielleicht bin ich ein hoffnungsloser Romantiker oder auch Dummkopf, aber ich fasste es nicht. Warum wollten sie von mir, dass ich die Hand eines Menschen beiße? Warum sollte ich ihn angreifen, wo ich doch vorher nur Gutes von ihm erfahren hatte?

Selbstverständlich hätte ich für meine Menschen alles getan und sie auch verteidigt, wenn ihnen etwas Böses widerfahren wäre. Aber ohne Grund konnte ich mich nicht gegen einen Menschen stellen.

Nun lag ich Tag und Nacht in einem engen Verschlag (die gemütlichen Zwinger wurden für die Krönung der Züchtlinge gebraucht). Das Futtergeld für mich wurde zu hoch und mir blieb kaum noch Hoffnung auf eine Zukunft.

´Versager, Versager, Versager!’ Ich hörte es jeden Tag. Ich versuchte, die Hand zu lecken, die mir doch noch vor wenigen Monaten so wohl gesonnen war, erhielt aber nur einen schmerzhaften Schlag auf die Nase. Dabei wäre ich für ihn doch durchs Feuer gegangen. Ich wollte nur seine Liebe und Achtung – aber die hatte ich verloren.

Mein Züchter hatte schon alle Hoffnung aufgegeben, für mich noch einen Abnehmer zu finden. Aber eines Tages geschah das Wunder und jemand wollte genau mich. Ich hörte, wie der Züchter über mich berichtete. Plötzlich war ich das Ass seiner Hunde. Ein Alpha-Männchen. Gelehrig, feinfühlig, gehorsam und sehr, sehr mutig. Ich sei der beste Wachhund, den man sich vorstellen kann.

Ich sah dem neuen Menschen ins Gesicht und fragte mich, ob er all diesen Lügen Glauben schenken würde. Er tat es!

So fand ich ein neues Zuhause. Mein zweites.

Mein neuer Mensch ging mit mir angeben. Ja, ich hatte ja den (von mir fast schon vergessenen) Vorteil der Schönheit. Zunächst kaufte er mir ein neues Halsband. Ein ekliges Ding aus Metall mit Dornen, die mir bei jedem Zug an der Leine tief in den Hals drangen.

Er wollte Staat mit mir machen. Er zeigte mich vor, mit stolzer Brust. Waren wir aber allein, so gab es Knuffe und Schläge. Ich war ihm im Wege und er ließ mich viel allein. Oft saß ich stundenlang in seinem Auto, in glühender Hitze und ohne einen Tropfen Wasser. Zu Hause lag ich dann an einer viel zu kurzen Kette. Ich hatte nicht einmal die Möglichkeit, mich für meine ‚Geschäfte’ ein wenig außerhalb meines Schlafplatzes zu bewegen.

Nach kurzer Zeit war ich voller Kot, meine Haare waren zottig und ungepflegt. Ich nahm ab und bekam Durchfall vom schlechten Futter.

So konnte dieser Mensch mit mir auch nicht einmal mehr angeben.

Ich dachte oft an die Drohung des Züchters zurück mich einschläfern lassen zu wollen. Wäre das nicht das bessere Los für mich gewesen?

Man kann sich kaum vorstellen, wie ich dann zu meinem neuen Herrchen kam. Mein Mensch verlor mich beim Kartenspielen! So einfach geht das für manche. Mir war das damals ziemlich gleichgültig. Ich befand mich schon lange in einem Zustand der Apathie und beachtete kaum noch, was um mich herum geschah.

Jedenfalls wurde ich eines Tages wieder in ein Auto geladen. Ein Menschenpaar nahm mich auf eine Finca mit. Ob ich mich freute? Ich kann es heute nicht mehr sagen. Ich erwartete auch nicht mehr viel von meinem Leben.

Doch es wurde etwas besser. Ich wurde zunächst gebadet, getrocknet und mein verfilztes Fell wurde mit einer Bürste wieder zum Glänzen gebracht. Ich bekam zu Essen und frisches Wasser und sogar eine eigene Hütte mit einer langen Kette, die es mir ermöglichte, meinen Schlaf- und Aufenthaltsplatz von dem gewissen ‚Örtchen’ räumlich weit zu trennen. Zwar lag ich in der Hütte auf dem kalten Stein, aber immerhin war es eine große Verbesserung. Auf der Finca gab es auch zwei Kinder. Ich wurde jeden Tag spazieren geführt und man zeigte mir endlich einmal wieder Zuneigung. Leider hielt das Interesse der Kinder nicht sehr lange an. Trotzdem fing es mir im Großen und Ganzen nicht schlecht. Sogar an Autofahren durfte ich teilnehmen, wenngleich anfangs immer die Angst neben mir saß, wieder in andere Menschenhände zu wechseln.

Fortsetzung folgt

bearbeitet von Lilac

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Eines Tages fuhren sie mit mir zum Markt nach Teulada. Ich mochte Markttage nicht sehr gern. Alles war voller Menschen. Mir ging es dabei noch verhältnismäßig gut, weil ich groß bin, aber die vielen kleinen Pinscher, die hechelnd an der Leine hinter Herrchen oder Frauchen her gezerrt wurden, taten mir leid. Ich glaube, wenn sich ein Mensch die Mühe machen würde, so ein Marktgewimmel einmal aus der Perspektive eines kleinen Hundes zu betrachten (zum Beispiel, in dem der Mensch sich auf den Boden legt), hätte er mehr Verständnis für die Ängste seines ‚Lieblings’.

Nun ja, mir ging’s da etwas besser. Trotzdem mochte ich Menschen-Ansammlungen nicht. Viele Hunde ohne eigene Menschen trieben sich auf dem Markt herum, um Reste von Lebensmitteln zu ergattern. Die meisten von ihnen waren mager und ungepflegt. Doch ich schaute niemals auf sie herab. Nur mit knapper Not war ich ihrem Schicksal entgangen. Herrchen und Frauchen blieben an einem Wurststand stehen. Gelangweilt schaute ich mich um. Zwischen einigen Menschenbeinen hindurch sah ich etwas Großes, Schwarzes liegen. Sicher ein zusammengesackter Bettler.

Ich wollte mich schon abwenden, als Bewegung in diese schwarze Masse kam. Vier lange Beine wurden sichtbar und ein ganz hinreißender Damenkopf mit bernsteinfarbenen Augen. Ich musste mich setzen. Irgendetwas in mir reagierte so, wie ich es nie zuvor erlebte. Mein Herz klopfte, ich vergaß Herrchen und Frauchen und starrte nur noch auf die Hündin auf der anderen Seite der Straße.

Auch sie hatte mich inzwischen wahrgenommen. Mit schläfrigem Blick schaute sie mich an. Ich stand auf und ging zu ihr hinüber – das Zerren an meinem Halsband nahm ich fast nicht wahr. Erst später merkte ich, dass ich Frauchen einfach mitgeschleppt hatte. Das einzig Wichtige war, mir diese schwarze Dame näher anzuschauen.

Jetzt stand sie vor mir. Sie war etwas größer als ich und in meinen Augen einfach wunderschön. Ob ich Eindruck bei ihr machte, kann ich nicht sagen. Sie war so kühl und schien kaum interessiert.

Bevor wir noch nähere Bekanntschaft schließen konnten, zog Frauchen mich mit in Richtung Auto. Doch als ich mich nach der Hündin umschaute, sah ich sie in einiger Entfernung – total gelangweilt, wie es schien – folgen. Ich hätte sie schon gern näher kennen gelernt, doch wir fuhren mit unserem Auto auf die Finca. Zwar war es nur etwas über einen Kilometer, doch eine unüberwindliche Entfernung für mich, der ich zu Hause sofort wieder an die Kette gelegt wurde.

Fortsetzung folgt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Ich dachte an sie und stellte mir vor, wie schön es sein müsste, eine Partnerin zu haben. Jemanden, der immer bei einem blieb, mit dem man alles teilen konnte. Ja, ich war gern bereit, auch meine Menschen mit ihr zu teilen. Doch das sind Träume, die nie in Erfüllung gehen, sagte ich mir.

Es wurde Nacht. Meine Leute verschlossen das Haus und gingen ins Bett. Ich lag vor meiner Hütte, denn es war eine milde Nacht. Ich war eingeschlafen, als ich von einer Bewegung in meiner Nähe aufschreckte. Wie gesagt: ich bin nicht gerade mutig. Also zog ich mich in meine Hütte zurück. Sicher ist sicher.Irgendetwas kam über den Hof direkt auf mich zu. Ich wagte keinen Blick hinaus, denn unser Grundstück ist nicht umzäunt und jeder hätte es betreten können. Dann schob sich etwas vor den Eingang meines Hauses und ich bekam einen fürchterlichen Schrecken.

Doch was war das? Ein Schnüffeln... und dann streckte sich ein schwarzer Hundekopf in mein Heim. Ich erkannte sie sofort: Es war die Schöne vom Markt. Sie war gefolgt! Sie hatte mich gefunden!

Ich sprang auf, um sie zu begrüßen. Mein Herz schlug wie wild. Sie war jünger als ich, machte jedoch einen abgeklärten Eindruck.Meine stürmischen Annäherungsversuche wurden nicht erwidert. Ganz im Gegenteil: Sie betrat die Hütte, legte sich auf meinen Platz und schlief einfach ein. Doch das war mir egal. Ich war einfach glücklich, sie wiederzusehen. Über den nächsten Tag machte ich mir keine Gedanken. Ich legte mich vor mein Haus, um sicherzugehen, dass die Schöne nicht einfach wieder aus meinem Leben schritt und schlief selig ein.

Fortsetzung folgt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

F I N D U S post-607-1385423958,4425_thumb.jpg

Ja, ja, ich weiß... es gibt eine Tiefkühlkost mit dem gleichen Namen. Der Witz ist nicht neu und angefangen beim Tierarzt haben sich alle schon reichlich ausgeschüttet vor Lachen. Damit ist das Thema wohl durch!

Wenn ich mir die Erzählungen meiner drei Vorgänger so anschaue, kommt jetzt wohl die Frage nach meiner Kindheit. Die ist mir wurscht und ICH erzähle hier ja schließlich!

Ob ich glücklich war, bevor ich den Hondo kennen lernte? Weiß nicht. Kann sein, kann auch nicht sein. Was ist schon Glück? Im Gegensatz zu Hondo stehe ich nicht so sehr auf Menschen. Sie können mir durchweg gestohlen bleiben. Ich lebe auf meine Art und mache was ich will. Meine Körperkräfte geben mir das Recht dazu. Ob die Menschen mich mögen? Weiß ich nicht. Ist mir auch egal. Auf jeden Fall haben sie mir immer Respekt entgegengebracht. Ihr Glück!

Also: Ich bin kein Schoßhündchen, habe meinen eigenen Kopf und sehr feste Vorstellungen von meinem Leben. Glück! Pa... brauche ich nicht – genauso wenig wie Menschen. Die wollen einen sowieso nur immer beherrschen und rum kommandieren. Da spiele ich nur mit, wenn ich Lust habe.

Mit Hondo war das etwas anderes. Den habe ich von Anfang an gemocht. Zwar war ich nicht bis über beide Ohren verliebt oder habe gar den Kopf verloren – nein! Aber Hondo sah schon verdammt gut aus und – jetzt kommt das Wichtigste für mich – er schien mir der richtige Vater der Kinder, die ich mir so sehr wünschte.

Oh ja, das ist mein wunder Punkt: Ich liebe Babys Ich wollte einen ganzen Wurf dieser kleinen, wimmernden, unschuldigen und unselbständigen Möpse.

Als ich Hondo kennen lernte, war ich drei Jahre alt. Im besten Alter füreine Mutterschaft. Für mich war sofort klar, dass Hondo der ideale Vater sein würde. Er hatte Rasse, eine tolle Figur, war kein Draufgänger, sondern eher romantisch doch an seiner Männlichkeit bestand kein Zweifel. Seine Menschen störten mich nicht. Hätten sie doch mal versuchen sollen, mich wieder von der Finca zu vertreiben. Ich hatte noch nie eigene Menschen und wollte auch keine. Man hört in dieser Hinsicht selten etwas Gutes aus Hundekreisen.

Hondo schien es aber gar nicht schlecht erwischt zu haben. Eigene Hütte, recht gutes Futter und frisches Wasser. Er lag zwar an einer Kette – aber sie war wenigstens lang.

Seinen Menschen gegenüber – es waren gleich vier -– verhielt ich mich zunächst abwartend-freundlich. Erst einmal die Lage sondieren.

Doch eines war schon bald klar: Hondo dort fort zulocken, schien unmöglich. Er war froh, dass er sein Unter- und Auskommen hatte und tat alles, was seine Menschen von ihm erwarteten. Ganz schön abhängig, der Junge!

Fortsetzung folgt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Bald hatte ich das Gefühl, in eine richtige Falle getappt zu sein. Die Menschen ‚schenkten’ mir ein Halsband und befestigten dieses mittels einer Kette an einer Mauer. Wenigstens konnte ich Hondo gut erreichen und mein Schlafplatz befand sich unter einer schützenden Terrasse. Nervig war auch das Tamtam, was mit mir aufgeführt wurde. Die beiden Menschenkinder bekamen die Aufgabe, Hondo und mich zu ‚pflegen’. Jeden Tag wurde an uns herum gebürstet. Lästig. Wir wurden auch an Leinen ausgeführt, doch man ließ mich niemals zusammen mit Hondo frei herumlaufen.

Ich bin zwar von Natur aus träge, hätte diese Situation aber bestimmt nicht geduldet, sähe ich nicht ein bestimmtes Ziel vor Augen. Ich wollte Mutter werden. Und diesem Ziel war ich bereits ein ganzes Stück näher gekommen.

Ich erwähnte ja bereits, dass Hondo mich bzw. ich ihn trotz der Ketten gut erreichen konnte.

Es ist nicht mein Stil, intime Einzelheiten auszuplaudern. Ende Dezember war ich mir sicher: ich war guter Hoffnung. Ich würde Mutter werden. Mein größter Wunsch sollte sich erfüllen.

Ganz in mich versunken stellte ich die ersten Veränderungen an meinem Körper fest. Ich verträumte die Tage, aß was ich nur essen konnte und ruhte viel. Meine Gefühle und Gedanken beschäftigten sich nur noch mit der Mutterschaft. Was um mich herum passierte, interessiert mich kaum. So ist es nicht verwunderlich, dass ich die aufkommende Hektik auf der Finca nicht mitbekam. Zwar sah ich dort jetzt ab und zu fremde Menschen auftauchen, aber meine Anteilnahme an diesem Geschehen war begrenzt.Kurz vor meiner Niederkunft fand ein Wechsel der Menschen auf der Finca statt. Doch meine größere Sorge war, dass ich immer noch kein Plätzchen hatte, um meine Kinder zur Welt zu bringen. Nicht einmal eine Decke hatte ich und es war sehr kalt und feucht, jetzt, Anfang Februar.

Am Rande bekam ich mit, dass mit den beiden neuen Menschen auch zwei Artgenossen auf der Finca Einzug hielten. Doch auch das störte mich im Augenblick nicht weiter.

Zum ersten Mal in meinem Leben erfuhr ich dann, dass es auch gute Menschen gab. Man baute mir eine Höhle, auf dem Boden lagen warme Decken.

Nicht so angenehm war es, von ihnen in meinem Zustand in ein Auto verfrachtet zu werden. Ich lernte das erste Mal einen Tierarzt kennen. Dafür konnte ich mich nicht erwärmen: ich wurde abgetatscht, gedrückt und gestochen. Es ist schon ein Glück für die Leute gewesen, dass ich nicht mehr sehr angriffslustig war in meinem Zustand. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dieses Getue hätte etwas mit meiner Trächtigkeit zu tun. So ließ ich sie also gewähren.

Wieder auf der Finca wurde ich von meinen neuen Menschen verwöhnt (ja, ja, ich weiß, ich sagte ‚meine’ Menschen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich meine grundsätzliche Meinung änderte. Aber die Fürsorge und Liebe dieser beiden Exemplare bewegten mich schon).

Und ich genoss! Ich bekam die feinsten Leckereien, dazu gab es manchmal Milch zu trinken und etwas ganz Neues, für mich Unbekanntes, was sie Käse nannten. Sie erklärten mir, ich bräuchte jetzt viel Calcium, um gesunde, starke Welpen zu bekommen. Ich wunderte mich, was Menschen so alles wissen. Ich fühlte mich sehr wohl und stark genug, die nah bevorstehende Geburt zu überstehen.

post-607-1385423958,5936_thumb.jpg

Fortsetzung folgt

bearbeitet von Lilac

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Am 14. Februar war es dann soweit, die Menschen nannten den Tag „Valentinstag“.

Etwas regte sich in mir und ich legte mich auf mein warmes, geschütztes Lager. Um 13.30 h erblickte mein erstes Kind das Licht der Welt. Sofort standen meine Menschen an meinem Lager. Sie waren aufgeregter als ich, hielten sich aber in einiger Entfernung auf. Wieder war ich überrascht, wie gut sie meine Gefühle einschätzen konnten.

In den nächsten zwei Stunden brachte ich fünf Kinder zur Welt. Sie waren alle wohlgestaltet und natürlich die schönsten Welpen auf der ganzen Welt. Ich glaubte schon, ich hätte es überstanden, doch nach einer langen Pause ging es weiter. Bis zum Abend hatte ich 10 (in Worten: zehn) süße, wonnige Nachkommen. Ich war glücklich, aber total erschöpft. Zehn kleine Knäule lagen um mich herum. Alle fein gesäubert und nach und nach an die Zitzen geführt. Wie froh war ich über mein warmes Lager, denn ich hätte allein diese Kinderschar nicht warm halten können. Sie saugten, schmatzten, schliefen und kuschelten.

Nie hat es vorher schönere, dickere und gesündere Babys auf dieser Welt gegeben.

Die Mutterschaft befreit nicht von einigen, natürlichen Bedürfnissen. Meine Menschen – die ich auf Distanz von meinen Kindern hielt – taten etwas, was ich nie erwartet hätte: sie lösten meine Kette. So konnte ich ab sofort ungehindert meinen ‚Geschäften’ nachgehen und zurück kriechen zu meinen Kleinen, ohne dass eines von ihnen durch die schwere Eisenkette verletzt wurde.

Die ersten Tage meiner Mutterschaft waren ein Taumel aus Glücksgefühlen und Angst, ob es ihnen auch allen gut ergehen würde. Hondo versuchte immer wieder, einen Blick auf unsere Kinder zu werfen. Aber da hatte er bei mir keine Chance. Männer sind so tollpatschig. Wer weiß, was alles hätte passieren können. Vorsicht war geboten und ich wachte eifersüchtig über meine Kleinen – Menschen und Artgenossen gegenüber.

Noch konnten die Kinder weder hören noch sehen. Sie waren so hilflos und lieb – ach, wenn sie doch immer so bleiben würden. Ich hatte sechs Buben und vier Mädchen das Leben geschenkt. Fast alle waren pechschwarz und glänzend.

Und dann begannen sie nach und nach die Augen zu öffnen. Blassblau strahlen sie mich an. Die Ohren – zu Beginn noch winzige Knospen – begannen ihre Form zu wechseln und in den ersten Tagen veränderte sich auch die Farbe des Fells. Zwei bekamen weiße Blässen und die anderen Flecken in braun, die verrieten, wer der Vater war.post-607-1385423958,6277_thumb.jpg

Ich genoss die Zeit und betrachtete hingerissen die Fortschritte meiner Nachkommen. Dank des guten Futters meiner Menschen hatte ich genug Milch, um alle zehn Welpen ausreichend zu ernähren.

Ach, so hätte es ewig bleiben können, dachte ich mir damals. Doch schon nach wenigen Wochen wuchsen die Milchzähne meiner Kinder und sie bekamen scharfe Krallen. In wenigen Tagen waren meine Zitzen rot und begannen sich zu entzünden. Trotz der Schmerzen versuchte ich, meine Kleinen weiterhin zu ernähren.

Wieder einmal staunte ich, welch aufmerksame Beobachter meine Menschen waren. Sie hatten inzwischen einen Großteil meines Vertrauens verdient und erhalten. Natürlich verfolgte ich sehr genau, wenn sie eines meiner Kinder in die Hand nahmen. Doch sie waren sehr vorsichtig und zärtlich.

Fortsetzung folgt

bearbeitet von Lilac
Bild eingefügt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

An der Konversation teilnehmen

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.
Note: Your post will require moderator approval before it will be visible.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung jetzt entfernen

  Only 75 emoji are allowed.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Clear editor

×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.

Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  

  • Gleiche Inhalte

    • Von madridtapas
      Alcalá gibt es schon seit fast 2000 Jahren und wurde unter den Römern Complutum genannt. Den heutigen Namen verdankt die Stadt den Mauren, die Anfang des 8. Jhdt. ganz Spanien eroberten.
      Bedeutendstes Kind der Stadt ist Miguel de Cervantes (1547-1616), der Autor des Don Quijote. Sein Geburtshaus können Sie in der Fussgängerzone Calle Mayor umsonst besuchen.
      Der Besuch der alten Universität (gegründet 1499 durch Kardinal Cisneros) ist ein Muss. Die berühmte Madrider Universität Complutense ist historisch gesehen "lediglich" ein Ableger der Universität Alcalá (Complutum!).
      Aber auch die Kathedrale de los Santos Niños (12. Jhdt.) und die Plaza de las Bernardas mit gleichnamiger Kirche und dem benachbarten Erzbischöflichen Palast sind einen Besuch wert. Zwischen beiden Orten befindet sich die Casa de la Entrevista: Hier baten die Katholischen Könige Isabel und Fernando Herrn Kolumbus zur Audienz, bevor dieser zu seiner Reise nach Indien startete, die dann ungewollt in die Karibik führte...
      Seit 1998 gehört die Altstadt von Alcalá de Henares zum Weltkulturerbe der UNESCO.
      Alcalá ist mit der S-Bahn (cercanías) vom Hauptbahnhof Atocha aus in einer guten halben Stunde zu erreichen
    • Von Joaquin
      Dieser Artikel zur Geschichte Spaniens wird in der SpanienWiki weitergeführt:
      SpanienWiki: Spanien - Geschichte
    • Von Joaquin
      Camp Nou ist ein reines Fußballstadion und das Vereinsstadion vom FC Barcelona. Es bietet Plätze für 99.354 Zuschauer und im Jahr 1982 predigte sogar der Papst Johannes Paul II dort vor 120.000 Gläubigen. Aber als richtiges Stadion gibt es dies erst seit 1957 und trotzdem reicht die Geschichte und Tradition dahinter noch viel weiter und so versteht man dann auch die Fußballleidenschaft der Katalanen und die Treue zu ihrem Fußballverein.

      Ich denke das folgende Foto aus dem Jahre 1920 bis 1925 sagt mehr als Worte



      Bis dieses Stück Fleckchen Erde dann aber ausgebaut wurde, spielte man im Camp de Les Corts zwischen 1922 und 1957, was zu dieser Zeit in etwa so ausschaute



      Wobei ich mir nicht ganz sicher, ob man hier nicht evtl. die Stadien in den Bildern vertauscht hat oder es sich um ein und das selbe handelt? Aber auch so finde ich den Blick in die Vergangenheit ganz interessant.

      Insbesondere beim ersten Bild erkennt man dann auch gut, warum sie Camp genannt werden. Denn Camp ist katalanisch und heißt auf Spanisch Campo. Dies bedeutet nichts anderes als Feld und auf einem Feld hat man halt früher Fußball gespielt
    • Von Lilac
      Wer die dramatische wirtschaftliche Situation in Spanien verstehen will, muss in seine Vergangenheit blicken


      http://derstandard.at/1381368649938/Spanien---Die-Geschichte-eines-Landes-ohne-Jobs
    • Von Joaquin
      Im Netz habe ich eine wirklich sehenswerte und umfangreiche Dokumentation zur Geschichte Spaniens gefunden.

      TVE (2004) - Die 10teilige Doku-Reihe entstand in Zusammenarbeit mit hochrangigen spanischen Historikern.

      Nach dem Untergang Roms im 5. Jhdt. drangen viele verschiedene Völker nach Spanien vor, darunter die Germanen oder Westgoten, welche große Teile Spaniens eroberten. Im Mittelalter wurde viel um die Vorherrschaft in Spanien gekämpft. So versuchten auch nochmals die Oströmer Spanien zu erobern, was jedoch nur in kleinen Teilen Andalusiens funktionierte. Im Jahre 711 begann die Eroberung Spaniens durch den Kalifen Al-Walid I. Dadurch siedelten sich viele Araber in Spanien an und der Islam wurde die Religion Spaniens. Das Reich der Mauren, das von Cordoba aus kontrolliert wurde, nannte sich al-Andalus. Auch viele Christen konvertierten in den folgenden Jahrhunderten zum Islam. Die Zeit vom 8. bis 15. Jhdt. wahr jedoch stets auch von der Reconquista (deutsch: Rückeroberung) geprägt. Die verschiedenen noch ansässigen, christlichen Stämme bekämpften während dieser Zeit nicht nur den gemeinsamen Feind, die Araber, sondern auch sich gegenseitig.

      Nachdem sich im 15. Jahrhundert die Königreiche Kastilien und Aragon vereinigten eroberten diese die muslimischen Gebiete und wurden zu einer bedeutenden Seemacht. Sie zwangen Moslems und Juden zur Konvertierung zum Christentum und stieg unter der Herrschaft der Habsburger mit Hilfe der Entdeckung Amerikas zur Weltmacht auf. Durch den Kolonialismus und durch die Ausbeutung der Inka-, Azteken-, und Maya-Reiche erlangte Spanien viel Gold und viele neue Gebiete in Überbersee. Jedoch nahm die Macht Spaniens nach dem Untergang der Spanischen Armada 1588 ab und England wurde neue Weltmacht zur See.

      Geschichte Spaniens - 1.Die Mauren

      http://www.youtube.com/watch?v=G7g8l-F5sjQ

      Geschichte Spaniens - 2. Reconquista

      http://www.youtube.com/watch?v=klKU0zpWiPE

      Geschichte Spaniens - 3. Spanien wird zur Seemacht

      http://www.youtube.com/watch?v=VI5ph7Mb0Ow

      Geschichte Spaniens - 4. Die Epoche der Tragödien 1350 - 1479

      http://www.youtube.com/watch?v=bpvpQsMojlY

      Geschichte Spaniens - 5. Die Monarchie der Katholischen Könige

      http://www.youtube.com/watch?v=bv6bElOa08E

      Geschichte Spaniens - 6. Amerika, Die Neue Welt

      http://www.youtube.com/watch?v=A4BFssKJjr4

      Geschichte Spaniens - 7. Karl V.- ein Monarch, ein Reich, ein Schwert

      http://www.youtube.com/watch?v=1OaJm4zhK18

      Geschichte Spaniens - 8. Philipp II.

      http://www.youtube.com/watch?v=8fhUuAzevRs

      Geschichte Spaniens - 9. Philipp IV.

      http://www.youtube.com/watch?v=FXQGuk1tWpM

      Geschichte Spaniens - 10. Die Bourbonen kommen

      http://www.youtube.com/watch?v=lWFjqw6wahc
  • Aktuelles in Themen