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Joaquin

Die Fremdsprachenkenntnisse der Spanier

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Das mit den Fremdsprachen ist schon eine recht eigensinnige Sache bei den Spaniern. Aber schauen wir uns mal die Situation in Spanien ein wenig genauer an. Ich versuche das mal so ein wenig aus meiner Sicht zu beleuchten.

Franco versuchte die kastilische Sprache als einzige, universelle, spanische Sprache zu etablieren und nebenbei so manch andere regionale Eigenheiten auszurotten. Nach Franco versuchte man dieser zuvor äußerst strengen und zum teil brutalen Durchsetzung, etwas mehr Liberalität zukommen zu lassen. Was zum Teil wohl auch zur friedlichen Vereinigung führen sollte, verfällt in Teilen auch in ein recht unliebsames Extrem. Regionen wollen jetzt nur noch ihre Sprache als Amtssprache haben und selbst Dialekte sollen als eigene Sprache anerkannt werden. Da fragt man sich manchmal schon, ob Spanien aus dem Turmbau zu Babel nichts gelernt hat?

Auf der anderen Seite sollte man die regionale Verbundenheit der Spanier nicht unterschätzen und klein reden. Nur irgendwie fehlt den Spaniern in dieser Hinsicht so ein wenig das Händchen für das richtige Maas. Da kommt eher die Sturheit und der so genannte spanische Stolz zum Tragen ;)

Wenn man nicht gerade in Zentralspanien aufgewachsen ist, heißt es dann, dass man neben der Amtssprache dann noch eine weitere spanische Sprache oder Dialekt lernt oder in gewissen Grenzgebieten, dann auch mal drei dieser Sprachen. Was also Sprachen angeht, da ist der Spanier schon im eigenen Lande, recht gut damit ausgelastet, die eigenen zu erlernen.

Hinzu kommt, dass man mit Spanisch in der Welt zum Teil ja recht gut voran kommt. In großen Teilen von Südamerika und auch den USA, wird Spanisch gesprochen. So etwas kann einem unter Umständen schon den Blick für die Notwendigkeit entziehen, hier eine andere, fremde Sprache zu erlernen.

Englisch als eine der größten Handelssprachen wird zwar auch gelernt, aber nicht in dem Maß, wie man es hier in Deutschland gewohnt ist. Dies wird einem recht schnell deutlich, wenn man die englische Aussprache der Spanier hört. Ein Spanier kann hier durchaus perfekt Englisch schreiben und lesen, aber bei der Aussprache merkt man, dass dies so nicht in der Schule ordentlich gelehrt wird.

An dieser Stelle muss ich nun aber unterbrechen. Was die Aussprache angeht, kann ich dies nur für Spanier aus Spanien, meiner Generation festlegen. Ich weiß nicht, ob sich das Schulsystem bei den Fremdsprachen geändert hat. In Deutschland ist es ja so, dass Lehrkräfte, welche eine ausländische Sprache lehren wollen, entsprechende Auslandssemester absolvieren müssen, wenn ich dahingehend richtig informiert bin. Nur weiß ich nicht, wie das in Spanien zur Zeit ausschaut.

Ich selbst war überrascht darüber, wie viele Spanier ich bei meinem letzten Besuch in London getroffen hatte und zwar nicht nur als reine Touristen, sondern auch jene die dort arbeiteten. Überwiegend junge Leute, weshalb ich durchaus davon ausgehe, dass es sich hier nicht nur um reine "Wirtschaftsflüchtlinge" handelt, sondern um Auslandsstudenten. Im übrigen hörte ich dort Leute öfters Spanisch sprechen, als Deutsch und ich meine hierbei auch nicht lateinamerikanisches Spanisch. Angesichts meiner Erfahrung mit dem Spanisch der Spanier, war ich schon überrascht, dort so viele Spanier anzutreffen.

Nun frage ich mich halt, ob im spanischen Lehrsystem mehr Wert auf die Aussprache bei den Fremdsprachen gelegt wird, als dies noch früher der Fall war oder ob meine Erfahrungen in London einfach nur normal bzw. Zufall waren?

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Also ich kann Dir da nur aus eigener Erfahrung mit meinem Sohn berichten.

Staatliche Schule in Barcelona, Englisch (damals noch von den Eltern zu bezahlen, da kein Pflichtunterricht) und Franzoesisch.

Einer der Sprachlehrer war (oder ist immer noch) Katalane. Als damals ueberraschend meine Schwiegermutter verstarb, musste ich meinen Sohn aus dem Unterricht holen, war zufaelligerweise Englisch - hab natuerlich den Unterricht mittendrin unterbrochen, aber von der Aussprache der Lehrerin doch noch einiges mitbekommen, mich hat es geschuettelt, katalanisch ausgesprochenes Englisch, ganz toll, escolta tù.

Der Franzoesischlehrer war aus A Coruña, wie sich da die Aussprache anhoert, kann sich jeder vorstellen, der mal einem Gallego zugehoert hat, welcher auch in Galizien aufgewachsen ist.

Beide moegen 100% Englisch und Franzoesisch koennen, daran moechte ich garnicht zweifeln, aber sowas geht garnicht. An oeffentlichen Schulen unterrichten hier keine Auslaender, das gibt es nur an privaten Schulen oder den Universitaeten, da lernt es sich dann auch gleich anders.

Dazu kommt, dass bei Fragen im Englischunterricht, zumindest war das so bei meinem Sohn, selbige auf catalán erklaert werden, was soll das bringen?

Als ich damals in der Beobachtungsstufe mit Englisch anfing, mussten wir das Oxford Advanced Learners Dictionary for current English kaufen - da wird die Bedeutung der englischen Worte erklaert - auf englisch!

Mein Sohn hat seit 2006 mit meinen aus Suedengland stammenden Mann seinen angenommenen katalanischen Akzent weggeputzt und spricht ein anstaendiges und sauberes Englisch aber solange an oeffentlichen Schulen keine Muttersprachler unterrichten duerfen, wird das mit der Aussprache so schnell nichts werden.

Du yu anderrrr-stand mi?

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Ähnliches kann ich auch vom Unterricht berichten, den meine Tochter besuchte.

Französisch, sehr schlimm, Englisch, schlimmer.

Beide Lehrer waren Spanier und die Aussprache der Fremdsprache war "unbeschreiblich".

Ihre Qualifikation betreffend Sprachkenntnis zweifle ich übrigens auch nicht an. Ich bin aber der Ansicht, dass man als Lehrer einer Fremdsprache nicht nur die Grammatik beherrschen sollte. Die Schüler eignen sich nämlich die Ausprache an, die sie im Unterricht hören und meinen, dass sie korrekt ist.

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Und im späteren Leben?

Ich hatte mal einen Job bei einem spanischen Rechtsanwalt. Er meinte, wenn meine Spanischkenntnisse nicht ausreichen, können wir uns in Englisch verständigen.

Doch das ging leider gar nicht. Nicht einmal unsere englischen Klienten haben ihn verstanden.

Nach einem Jahr fragte ich ihn um eine Gehaltserhöhung, weil ich ja schließlich auch noch Englisch als Fremdsprache mitbringe.

Seine Antwort war unglaublich:

Er tippte auf sein Dolmetscher-Diplom in Englisch an der Wand und meinte, solange ich so etwas nicht vorweisen könne, würde ich auch kein richtiges Englisch sprechen!

Eso es!:schulterzuck:

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    • Von Joaquin
      In der Regel erkläre ich den Leuten, was es so typisch spanisches gibt in der kulinarischen Vielfalt Spaniens, doch dieses Wochenende, war es genau umgekehrt. Besuch aus Spanien forderte mich nun heraus, dass typisch Deutsche beim Essen und trinken, einem Spanier näher zu bringen.
      Hierbei muss man natürlich wissen, was beide Länder anzubieten haben, wo die großen und die kleinen Unterschiede liegen. Denn gewisse Sachen gebt es zwar in beiden Ländern, aber halt doch nicht so wie in dem jeweils anderem
      Gar nicht so leicht und dann in der kürze der Zeit, auch noch das passende zu finden. Das ein oder andere mag es sicherlich auch in Spanien geben, aber zum Glück kannte mein Gast dies nicht, so dass ich es als neue, deutsche Erfahrung verkaufen konnte
      Bei den Getränken ist es es leicht, da kann man sich unbesorgt auf alles was mit Bier zu tun hat schmeißen. Hier kann man natürlich mit sehr viel aufwarten. Hefeweizen ist etwas, dass kennt man in Spanien in der Regel nicht. Und bei den Mixgetränken, kann es auch nicht schaden diese so zu servieren, wobei ich denke, dass je nach Region es diese auch in Spanien gibt, also Diesel (Bier mit Cola) oder Radler/Alster (Bier mit Limonade). Sehr gut kam hier die Altbierbowle an, denn Altbier mit Fruchtsaft und den Früchten, die man mit einem langen Löffel aus dem Bier holt, dass ist schon etwas besonderes und kam geschmacklich auch richtig gut an.
      Bei solchen Dingen, wie auch bei vielen anderen wurde erst einmal ungläubig geschaut, ob man hier nicht auf den Arm genommen werden sollte, denn Früchte in Bier, dass klingt für einen Spanier erst einmal ziemlich verrückt
      Beim Essen wurden unterschiedliche Würste serviert und dann an einem Imbiss, zeigt ich die kulinarische Spezialität einer Currywurst mit Pommes Rot-Weiß. Kam auch sehr gut an und patatas fritas con rojo y blanco, war dann wieder für ein erstauntes Lachen gut
      Das typisch kleine Baguette der Deutschen gab es dann zum Frühstück, die Brötchen. Und auch so gab es die ein oder andere Scheibe Schwarzbrot um sie zu belegen. Bei der großen Auswahl an Brot und der geliebten Brotvielfalt, tauchte dann aber auch die Frage auf, ob man in Deutschland denn nicht zu Mittagessen Brot serviere. Ich weiß, dass es das je nach Ort und Speise auch gibt, musste es aber für die Regel, verneinen. Bestellt man ein Schnitzel usw. in einem Restaurant, wird hier nicht extra noch Brot serviert.
      Was ganz exklusives und sicher nicht für jeden Ausländer immer etwas, war das deutsche Sushi, Mettbrötchen mit Zwiebeln. Da muss man natürlich auch als Ausländer bereit sein, sich auf diese deutsche Spezialität mit dem rohen Fleisch, einzulassen. Auch muss man hier ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, denn so ein Spanier fragt sich dann schon, was denn das für unzivilisierte Wilde in Deutschland sind, die rohes Fleisch essen
      Klöße gab es in Anbetracht der kurzen Zeit nicht, aber Schnitzel mit Raumsauce und Spätzle, sind ja auch lecker. Auch ein einfacher Flammkuchen wurde serviert
      Da neben dem vielen Regen, es dann auch noch etwas Sonne gab, serviert ich eine nicht ganz typisch, deutsche Speise. Da aber mein Gast bisher keine Spaghettis in Eisform kannte, gab es auch noch beim Italiener Spaghetti-Eis mit Erdbeeren
      Ich denke, ich habe hier alles in der Kürze aufgeführt, wovon ich dachte, dass es typisch(er) Deutsch ist und was man in Spanien weniger kennt. War auch ein recht anstrengendes Wochenende und ernährungstechnisch, habe ich ordentliche zugelegt
    • Von Joaquin
      Es gibt ja so manches Vorurteil in Deutschland über Spanien und umgekehrt. Ebenso gibt es auch Missverständnisse, welche einfach auf regionalen Gewohnheiten und Kenntnisse vor Ort zurück zu führen sind. Dabei habe ich so manch Kuriosum feststellen dürfen, über die ich dann mal hier im Forum so erzählen möchte.
      Für mich mögen diese Fragen auf den ersten Blick dumm und einfältig klingen, zumindest manchmal. Dabei werden diese Fragen gar nicht sicht von dummen und ungebildeten Menschen gestellt. Aber wenn man genau hinhört erkennt man, dass die einen doch ein ganz anderes Bild von dem jeweiligen Land haben. Geprägt von den Medien, von gewissen, immer währenden Mustern, von falschen, selbst abgeleiteten Schlussfolgerungen usw.
      Manchmal ergeben sich daraus lustige, manchmal aber auch erschreckende Bilder. Gerade für mich, der ja doch irgendwie in beiden Kulturen und Ländern verwurzelt ist.
      Ein erstes dieser Unkenntnisse/Vorurteile, habe ich hier rein gestellt:
      Vielleicht kennt ich ja auch einige dieser Unkenntnisse/Vorurteile, über die man so ein wenig schmunzeln kann?
    • Von Joaquin
      Ich liebe Louis de Funès. Was habe ich in meiner Kindheit seine Filme gemocht, seine Mimik, den Klamauk seiner hyperverntilierenten und niemals rastlos gestikulierenden Figuren. Er ist wohl der sympathischste Choleriker, den die Leinwand je gesehen hat.
      Durch Zufall erfuhr ich, dass er spanischer Abstammung sein sollte. Wenn man sich seinen Vollständigen Namen anschaut, dann erklärt das schon einiges, denn er heißt Louis Germain David de Funès de Galarza. Das klingt doch schon eher wie einer dieser typisch langen, spanischen Doppelnamen.
      Seine Eltern waren Spanier, welche 1009 aus Sevilla nach Spanien auswanderten. Seine Mutter hieß Léonor Soto Reguera und sein Vater Carlos Luis de Funès de Galarza. Nun sollte sich auch einem der Name erschließen können Zehn Jahre später, 1914, wurde dann der kleine und später berühmte Louis de Funès in Courbevoie geboren.
      Wer hätte gedacht, dass mich mit diesem Menschen so viel mehr verbindet. Denn obwohl ich meinen Spanischen Pass behalten habe, bin auch ich das Kind von spanischen Auswanderern und nur ein wenig weiter, im Nachbarland Deutschland geboren und aufgewachsen
    • Von Kurtchen
      http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/So-wollte-ich-nicht-arbeiten-Spanische-Pflegekraefte-erschrocken-ueber-Zus-1462987062

      Guten Morgen allerseits,

      mich würde nun interessieren:

      wie ist denn die Situation in Altenheimen oder Krankenhäusern in Spanien im Vergleich zu Deutschland ?
      Haben die Spanier Recht ? natürlich weiß man das die Deutschen Krankenpfleger und Ärzte von der Schweiz oder anderen Ländern abgeworben werden.

      Wie ist die Ausbildung der Krankenpfleger im Vergleich zu uns ?

      Im Artikel steht das sie studiert haben ?
    • Von Kurtchen
      na die SAZ schreibt zitiert also doch positives über die Regierung, nur 'wollte' das bisher niemand posten.

      Kurtchen will zur Objektivität beitragen-

      Also: er hat seinen Vorsprung um 7 Prozent gegenüber den Soziallisten ausgebaut.
      Dieses gilt es zu respektieren
      http://www.saz-aktuell.com/Politik/-La-Razon-Spanier-erkennen-Rajoys-Kampf-gegen-die-Krise-an/27193.html
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