Empfohlene Beiträge

1. Adventssonntag

Dieses Jahr fällt der 1. Adventssonntag auf den 30. November. Die Tage sind kürzer, die Stuben hoffentlich geheizt und viele Wohnzimmer sind vorweihnachtlich geschmückt.

Der Advent ist für viele Menschen eine besinnliche Zeit. Andere wissen gar nicht, wo ihnen der Kopf steht, vor lauter Stress.

Ich möchte euch dieses Jahr ein paar Weihnachtsgeschichten aus alten Zeiten vorstellen und hoffe, dass sie euch gefallen.

Ich wünsche euch allen eine schöne und hoffentlich stressfreie Vorweihnnachtszeit.

Weihnachten von Adalbert Stifter (1805 – 1868)

Unsere Kirche feiert verschiedene Feste, welche zum Herzen dringen. Man kann sich kaum etwas Lieblicheres denken als Pfingsten und kaum etwas Ernsteres und Heiligeres als Ostern. Das Traurige und Schwermütige der Karwoche und darauf das feierliche des Sonntags begleiten uns durch das Leben.

Eines der größten Feste feiert die Kirche fast mitten im Winter, wo die längsten Nächte und die kürzesten Tage sind, wo die Sonne am schiefsten gegen unsere Gefilde steht, und Schnee und Fluren deckt: das Fest der Weihnacht. Wie in vielen Ländern der Tag vor dem Geburtsfeste des Herrn Christabend heißt, so heißt er bei uns der heilige Abend, der darauf folgende Tag der heilige Tag und die dazwischen liegende Nacht, die Weihnacht. Die Katholische Kirche begeht den Christtag als den Tag der Geburt des Heilands mit ihrer allergrößten kirchlichen Feier; in den meisten Gegenden wird schon die Mitternachtsstunde als die Geburtsstunde des Herrn mit prangender Nachtfeier geheiligt, zu der die Glocken durch die stille, finstere, winterliche Mitternachtsluft laden, zu der die Bewohner mit Lichtern oder auf dunkeln, wohlbekannten Pfaden aus schneeigen Bergen an bereiften Wäldern vorbei und durch knarrende Obstgärten zu der Kirche eilen, aus der die feierlichen Töne kommen, und die aus der Mitte des in beeiste Bäume gehüllten Dorfe mit den langen, beleuchteten Fenstern emporragt.

Mit dem Kirchenfeste ist auch ein häusliches verbunden. Es hat sich fast in allen christlichen Ländern verbreitet, dass man den Kindern die Ankunft des Christkindleins - auch eines Kindes, des wunderbarsten, das je auf der Welt war - als ein heiteres, glänzendes, feierliches Geschehen zeigt, das durch das ganze Leben fortwirkt und manchmal noch spät im Alter bei trüben, schwermütigen oder rührenden Erinnerungen gleichsam als Rückblick in die einstige Zeit mit den bunten, schimmernden Fittichen durch den öden, traurigen und ausgeleerten Nachthimmel fliegt. Man pflegt den Kindern die Geschenke zu geben, die das heilige Christkindlein gebracht hat, um ihnen Freude zu machen. Das tut man gewöhnlich am heiligen Abend, wenn die tiefe Dämmerung eingetreten ist. Man zündet Lichter und meistens sehr viele an, die oft mit den kleinen Kerzlein auf den schönen grünen Ästen eines Tannen- oder Fichtenbäumchens schweben, das mitten in der Stube steht. Die Kinder dürfen nicht eher kommen, als bis das Zeichen gegeben wird, dass der heilige Christ zugegen gewesen ist und die Geschenke, die er mitgebracht, hinterlassen hat. Dann geht die Tür auf, die Kleinen dürfen hinein, und bei dem herrlichen, schimmernden Lichterglanze sehen sie dinge an dem Baume hangen oder auf dem Tische herumgebreitet, die alle Vorstellungen ihrer Einbildungskraft weit übertreffen, die sie sich nicht anzurühren getrauen, und die sie endlich, wenn sie dieselben bekommen haben, den ganzen Abend in ihren Ärmchen herumtragen und mit sich in das Bett nehmen. Wenn sie dann zuweilen in ihren Träumen hinein die Glocken töne der Mitternacht hören, durch welche die Großen in die Kirche zur Andacht gerufen werden, dann mag es ihnen sein, als zögen jetzt die Englein durch den Himmel, oder als kehre der heilige Christ nach Hause, welcher nunmehr bei allen Kindern gewesen ist und jedem von ihnen ein herrliches Geschenk gebracht hat.
 

Wenn dann der folgende Tag, der Christtag kommt, so ist er ihnen so feierlich, wenn sie früh morgens, mit ihren schönsten Kleidern angetan, in der warmen Stube stehen; wenn der Vater und die Mutter sich zum Kirchgang schmücken, wenn zu Mittag ein feierliches Mahl ist, ein besseres als an jedem Tage des ganzen Jahres, und wenn Nachmittags oder gegen den Abend hin Freunde und Bekannte kommen, auf den Stühlen oder Bänken herumsitzen, miteinander reden und behaglich durch die Fenster in die Wintergegend hineinschauen können, wo entweder die langsamen Flocken niederfallen oder ein trübender Nebel um die Berge steht oder die blutrote, kalte Sonne hinabsinkt. An verschiedenen Stellen der Stube, entweder auf einem Stühlchen oder auf der Bank oder auf dem Fensterbrettchen liegen die zauberischen, nun aber schon bekannteren oder vertrauteren Geschenke von gestern Abend herum.
Hierauf vergeht der lange Winter, es kommt der Frühling und der unendlich dauernde Sommer - und wenn die Mutter wieder vom heiligen Christ erzählt, dass nun bald sein Festtag sein wird, und dass er auch diesmal herabkommen werde, ist es den Kindern, als sei seit seinem letzten Erscheinen eine ewige Zeit vergangen, und als liege die damalige Freude in einer weiten, nebelgrauen Ferne.

 

Weil dieses Fest so lange nach hält, weil sein Abglanz so hoch in das Alter hinaufreicht, so stehen wir so gerne dabei, wenn Kinder dasselbe begehen und sich darüber freuen.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

1. Dezember

Weihnachten im Walde (1869) von Guido Hammer (1821 – 1891)

Eine Jugenderinnerung

Langer trockener Dezemberfrost, den der dabei eisig stürmende Nord um so empfindlicher werden ließ, war vorhergegangen, bis endlich mildes Wetter folgte, welches sich bald zu ausdauerndem Schneefall anließ, so dass mit dem Hereinbrechen des Weihnachtstages der weite Wald in wunderbarer Pracht seines neuen Schmuckes prangte, besonders da sich vorher, etwas gegen Mitternacht, der Himmel völlig geklärt und so die unverhüllt aufgehende Sonne die Heide mit wundersamem Farbenschmelz übergoss. Purpurn angehaucht leuchteten da zuerst die schneebedeckten Fichten- und Tannenwipfel in rosigem Lichte, während weiter herab die frisch gefallene Last auf dem niedergedrückten Gezweig der sonst ungebeugt gen Himmel starrenden Baumwelt noch im Halbschatten lag; tiefer aber, unter dem beschneiten Nadeldache, herrschte noch grauendes Dämmern, dass trotz der überall ausgebreiteten lichten Decke das spähende Auge doch nur auf wenige Schritte in das verschwimmende Düster des Waldes eindringen konnte. Aber bald huschte das vergoldende Licht an den hohen Waldwänden und einzelnen Bäumen hernieder, bis es den Boden erreichte und nun in flirrenden Punkten und langen Streifen eindrang in die Tiefen der geschlossenen Holzbestände, darinnen gleichsam vom Boden aus wieder an Stämmen hinanklimmend, dabei sich halb verlierend, um gleich darauf wieder von Neuem hell aufzuglänzen - fortwährend wechselnd, in nimmer rastender zauberischer Beweglichkeit. Wo aber der Lichtstrom ungehindert über weite Flächen hinflutete und deren gleichförmig darüber ausgebreiteten Teppich in seiner makellosen Reinheit grell beleuchtete, da ward das Auge um so mehr geblendet, als es hier mit angestrengter Sehkraft etwaiges Gefährt zu erspähen trachtete und solches wohl auch hier und da von den nach Aufhören des Schneefalls noch umhergezogene Wildgattungen gewahrte. Sonst aber, so weit die Blicke reichten, kein Tritt eines menschlichen Fußes, als der, welchen ich, der einsame Waldläufer, lautlos in das sonst noch so unberührte Edelweiß gefurcht. Aber vorwärts trieb es mich mit unwiderstehlicher Gewalt auf der pfadlosen Wanderung, hingerissen von immer neu auftauchenden Reizen, welche die mit phantastischen Formen umkleideten Bäume, Sträucher, Ranken und Gräser, wie der bestrickende Zauber von Farbenfrische in Wald und Luft mit jedem weiteren Schritte dem Auge boten.
Wie nun schon diese Herrlichkeit das Herz mit tiefster Wonne erfüllte, so steigerte sich der Hochgenuss für mich noch bedeutend durch das Erscheinen der lebendigen Tierwelt, welche bald die stille Einsamkeit belebte.

(Fortsetzung morgen)
 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

2. Dezember

Zuerst waren es der Krähen zahlreiche Züge, welche aus ihren Horst - und Schlafstätten kommend den weiten Wald überflogen, um Feld und Dorf und Stadt heimzusuchen, dort unter dem tiefen Schnee ihr kärgliches Mahl zu finden. Schweren Fluges und tristen Gekrächzes durchstrichen die geflügelten schwarzen Gesellen die eisige Luft in lang gedehnter Reihenfolge - wie Leidtragende hinter einem Leichenzug - und regten durch den Kontrast ihrer Erscheinung zur sonnig verklärten schneeprächtigen Natur das Menschengemüt unwillkürlich zu ernster Stimmung an. Um so mehr aber ward darnach das Herz erquickt, als die fröhlich zwitschernden und lustig pinkenden Stimmchen der Goldhähnchen und Meisen durch den sonst so tief schweigenden Wald an das Ohr schlugen; begierig suchte mein Auge nach den rastlosen niedlichen Urhebern, welche in den schneebehangenen Zweigen schwirrend hin und her huschten und bald hier, bald da, oben und unten in das Geäst sich einhingen, um Insekteneierchen und Larven zu suchen. Flogen die Leichtbeschwingten wieder davon, dann schnellten die kleinen Zweige den Schnee federgleich empor, andere Schneelagen wehten mit herab und im Nu war die Luft mit Tausenden sonnendurchschienener Kristalle erfüllt und ein entzückendes Glitzern und Flimmern durchglänzte das Dunkel des Waldes. So setzte ich meine Wanderung fort, bisweilen Wege überschreitend, die etwa zu einem Heidedorfe führten, oder den plumpen Fußspuren der Waldarbeiter begegnend, die in den Holzschlägen noch vollauf Arbeit fanden und deren eintönige Axtschläge den Forst durchhallten. Bald kam ich auch an einer solchen Blöße vorbei, wo die wackeren Leute schon fleißig ihrer schweren Arbeit oblagen, während hinter der haushohen Wurzelwand einer vom Sturme niedergeworfenen Riesenfichte ihr hell flackerndes Feuerchen brannte, dem die knisternden Funken lustig entstiegen, indes der blaue Rauch die umliegenden mächtigen Waldwände in hoher duftiger Säule überstieg. Von hier aus führte mich mein Weg hinab in ein erlenbestandenes Tal, wo das wilde, über die Kiesel seines Bettes noch ungefesselt rauschende Wasser in schäumender Flut die schneeigen und an ihren Säumen beeisten Ufer netzte. Später betrat ich wieder die Heerstraße; aus den einsam zur Seite gelegenen Heidedörfern klang der anheimelnde Dreiklang der Dreschflegel; aber weit ab von ihnen, tief im Forste einer meilenweit eingehegten Wildbahn, lag mein Ziel: eine jeglicher menschlichen Wohnung fern stehende Försterei.
Hier endlich angekommen ward ich auf's Herzlichste willkommen geheißen, und die Kinder, mit denen das Haus vollauf gesegnet war, umsprangen mich fröhlichen Mutes; war ja doch heute das liebe Weihnachtsfest und die Kleinen, Knaben wie Mädchen, die mir herzlich zugetan waren, ahnten wohl, dass ihr Gast an einem solchen Tage nicht leer gekommen sein würde. So verbrachte ich denn den Nachmittag im traulichen, echt waidmännisch geschmückten Stübchen der Försterwohnung, hier und da helfende Hand mit anlegend, wo der Förster für seine Buben noch für den Abend zu schnitzen oder zu leimen hatte. So war der Abend bald herbeigekommen und nun ließen sich die gütigen Försterleute nicht länger bitten, und es ward die harzduftige, frisch glänzende Tanne, bereits geschmückt mit buntem Flitter und vergoldeten und silberbetupften rotwangigen Äpfeln und klappernden Nüssen, hereingebracht. Darunter aber wurden auf schneeweißem Tischtuch die Geschenke für die im Nebenstübchen jubelnden Wildfänge ausgebreitet, dann noch hurtig die Lichter des Baumes entzündet, worauf der Signalruf auf des Vaters Flügelhorn ertönte, der die jauchzenden, sich drängenden Geschwister im Nu zur Tür hereintosen ließ. Da gab's denn ein Freuen und Seligsein der staunenden Kleinen. Hier ward der niedliche, so naturgetreue Wildschuppen mit seinen daneben aufgestellten Tieren bewundert, dort die kleinen Flinten und Jagdtaschen gemustert; von den Mädchen aber mit gleicher Wonne die Puppen, Wägelchen, Kochgeschirre u.s.w in's Auge gefasst. Aber auch Höschen und Schürzchen, Strümpfe und Schuhe fanden vollsten Beifall, der sich natürlich auch ganz besonders auf die rosinenreichen Stollen und das andere Naschwerk erstreckte.
(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

 3. Dezember

Draußen aber ward der Mond aufgegangen und beleuchtete die Winterlandschaft mit erst noch bleichem Schein, der von dem lichtglänzenden Stübchen aus fast gespenstig erschien, bis er in hellstrahlender Pracht den grabesstillen Wald überstrahlte. Da rief plötzlich das älteste Mädchen freudig: "Die Hirsche, die Hirsche kommen!" Und schnell das Schürzchen voll Äpfel nehmend, öffnete es das Fenster, sie ihren Lieblingen zum Leckerbissen auf die äußere Brüstung desselben und die darunter stehende Gartenbank zu legen. Mich aber hatte der Ruf nicht wenig erregt, neugierig spähte ich hinaus und wirklich erblickte auch ich nun die Verkündeten: zwei geweihte stattliche Edelhirsche nebst einem dergleichen Spießer, die von Weitem vertraulich an die Försterei herangezogen kamen, beim Fensteröffnen aber doch verschüchtert ein paar Schritte zurückwichen. Doch nicht lange dauerte es, so kamen sie wieder näher, aber dabei immer erst wieder einmal Halt machend und sichernd, was jedoch, wie mir der Förster versicherte, von ihnen heute nur ausnahmsweise in so zögernder Art geschah, wahrscheinlich weil sie den ungewohnten Lichtglanz des Weihnachtsbaumes scheuten. Endlich, nach ziemlich langem Besinnen, kamen die Forschenden vorsichtig genug, langte der eine von den Hirschen, der, welcher nur sechs Enden auf dem Schädel trug, sofort zu, die schmackhaften Christäpfel sich trefflich munden lassend. Der Spießer hingegen wie der stolze Zwölfender (denn ein solcher war der dritte Mitgekommene) zögerte misstrauisch noch lange, ehe sie sich entschlossen, die verlockenden Früchte zu berühren. Ich aber schlich mich nun auf des Förster Rat zum Hinterpförtchen hinaus, den seltenen Anblick mit allen seinen Reizen unmittelbar im Freien zu genießen, was mir auch, da ich natürlich gegen den Wind mich stellte, die Hirsche aber überhaupt den Verkehr am Hause gewöhnt waren, im vollsten Maße gelang.

So stand ich dann draußen in monderhellter Waldesnacht, vor mir das malerische fichtenumschlossen Jägerhaus mit den alten Linden, hinter deren einem Stamme hervor der Spießer neugierig nach dem lichtschimmernden kleinen Fensterchen der trauten Waidmannswohnung, welche so herzige Kinderlust in sich barg, äugte. Die beiden starken Hirsche aber, die sich seit Langem schon gewöhnt hatten, allabendlich von der nahen Wildfütterung herüber an die Wohnstätte ihres freundlichen Hüters zu kommen, wo ihnen durch dessen Kinder jedes Mal noch ein Mund voll Körner, Kastanien, Möhren oder Obst geboten wurde, ließen sich auch heute statt der gewöhnlichen Holzäpfel die süßere Christkost der kleinen Geber wohl schmecken, dabei aber mit nicht weniger Verwunderung, als ihr jungendlicher Kumpan, die außergewöhnliche Helle im heimischen Raume betrachtend.
Mir aber ward durch diese Szene eine seltene und unübertroffene Weihnachtsfreude bereitet, und nicht satt schauen konnte ich mich an dem so eigentümlich fesselnden, herrlichen Bilde. Schier zauberhaft waren die hochgeweihten Häupter der Hirsche von dem goldenen Glanz der Weihnachtslichter angestrahlt, dass die prunkenden Enden ihrer Kopfzier bei jeder Bewegung hell aufblitzten, während die dem Lichtstrom sonst abgewandten Gestalten bläulich glänzende Mondhelle umspielte. Dazu die Stille der geisterhafte durchhellten Waldesnacht, die nur zuweilen durch das laute Aufjubeln der Kinder drinnen im schmucken Stübchen unterbrochen wurde, während der mondbestrahlte Quell den ausgehöhlten Baumstamm im Gehöfte des Försters unter leisem Plätschern geschäftig füllte.
Lange, lange gab ich mich den bestrickenden eindrücken hin; dann aber rasch, fast wehmütig von der glücklichen Familie Abschied nehmend, trat ich den weiten einsamen Heimweg an, der mich erst in weit vorgeschrittener Nacht meiner stillen Behausung zuführte.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

4. Dezember

Weihnachten bei Theodor Storm von Gertrud Storm 1865 - 1936

Unser Vater war ein echter, rechter Weihnachtsmann, er wusste jedes Fest erst recht zu einem Feste zu gestalten. Den ganzen Zauber der Weihnacht zu übertragen. Und so feiern auch wir, seine Kinder, unsere Weihnachtsfeste ganz im sinne unseres Vaters. Der Weihnachtsbaum wird genau so geschmückt, wie er einst ihm geschmückt wurde, die Kuchen nach den althergebrachten Familienrezepten gebacken, wie sie schon sein Kinderherz entzückten. Wenn das alte liebe Weihnachtsfest wieder naht und ich mich in eine rechte Weihnachtsstimmung versetzen will, setze ich mich in der Dämmerung in einen tiefen Lehnstuhl. Von draußen wirft die Laterne traulich ein mattes Licht durch die Fenster. Ich schließe die Augen, und bald bin ich daheim in unserm großen, alten Hause in Husum in der Wasserreihe. Meine Geschwister und ich, wir sind wieder Kinder.
Es wird wieder einmal Weihnachten, und wir Kinder leben in goldenen Träumen, bis das im Leben so seltene Wunder eintritt, dass diese Träume in dem brennenden Weihnachtsbaum verkörpert vor uns stehen. Draußen auf den stillen Wegen des Gartens, den Sträuchern und alten Bäumen, liegt glitzernder Schnee. Im ganzen Hause duftet es nach Tannen und braunen Weihnachtskuchen. Feststimmung guckt schon aus allen Ecken, wie eine Ahnung von Weihnachtsabend.
Es weihnachtet sehr - die Heimlichkeiten wachsen mit jedem Tage. Vater schließt sich immer häufiger in seiner Studierstube ein, und wir Kinder, die wir um die Zeit der heiligen Weihnacht gerne an den Türen lauschen, hören ihn die Tür des Nussbaumschrankes öffnen und leise wieder schließen. Dieser Nussbaumschrank birgt in seinem Innern alle Geheimnisse und Wunder fürs Weihnachtsfest. In einem unbewachten Augenblick treten wir doch ins Zimmer. Vater schließt schnell den Schrank, dann nimmt er uns in seine Arme, macht ein geheimnisvolles Gesicht, sieht uns innig an und sagt mit leiser Stimme nur das eine Wort "Weihnachten".
In der Essstube ist großes Kuchenbacken. Unsere Mutter und die Mädchen stehen mit aufgekrempelten Ärmeln. Sie rollen weißen und braunen Kuchenteig aus, der in großen Steintöpfen um den Ofen herum steht. Große schwarze Platten stehen bereit, die verschieden geformten Kuchen aufzunehmen, die dann von den Mädchen zum Bäcker getragen werden.
Auch wir Kinder haben unseren Teil bekommen. Wir stehen an unserem kleinen Kindertisch, ein weißes Nachthemd über unsere Kleider, ein gezipfeltes Taschentuch auf dem Kopfe. Jedes von uns hat ein Klümpchen weißen und braunen Kuchenteig vor sich, der bald unter unseren geschäftigen kleinen Händen in die wunderbarsten Dinge gewandelt wird. Die Tür öffnet sich, und unser Vater tritt mit dem freundlichsten Leuchten seiner blauen Poetenaugen ins Zimmer.
"Ihr seid ja alle gewaltig in der Fahrt", neckt er und bewundert unsere herrlichen Schöpfungen, von denen man meistens nicht zu erkennen vermag, was sie vorstellen sollen. Es beginnt nun ein heimliches Geflüster zwischen Vater und uns, und es gelingt uns, Vater einige kleine Weihnachtsüberraschungen verraten zu lassen, die unsere Freude am Weihnachtsabend keineswegs verringert.
(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

5. Dezember

"Morgen wollen wir vergolden und Netze schneiden", spricht der Vater verheißungsvoll.
Wenn wir in ein bestimmtes Alter gekommen waren, durften wir vergolden helfen und Netze schneiden. Die langen schmalen Streifen Rauschgold wurden freilich nur von unserm Vater geschnitten, mit seiner großen alten Papierschere, die ich so deutlich vor mir sehe. -
Morgen ist heute geworden, und Vater nimmt uns mit in seine Studierstube. Die dunkle Holztäfelung der Decke, die tiefrote behagliche Färbung der Wände, an denen ringsum die Bücherregale laufen, und über dem Tische die helle leuchtende Lampe schauen uns behaglich und gar verheißungsvoll an. Auf dem Tisch ausgebreitet liegen Nüsse, Tannenzapfen, Eier und Schaumgold. Wir setzen uns alle um den Tisch und beginnen nach Vaters Anordnung Watte in Eiweiß zu tauchen, mit der wir vorsichtig die Nüsse und Tannenzapfen betupfen. Dann wird ein Stück Schaumgold auf die befeuchtete Stelle gelegt und vorsichtig mit Watte angetupft. Nun werden zwölf Netze vom feinsten weißen Konzeptpapier geschnitten. Uns Kinder klopft das Herz dabei: "wenn wir nun die Spitzen abschneiden!" In die Netze kommen große, viereckige Bonbons, die wir alter Tradition gemäß in farbige Papiere wickeln, die durchaus die Farben: grün, gold und hausrot haben müssen.
Auf diese Netze in denen schon feine Kinderträume hingen, legte unser Vater besonderen Wert. Wer von uns zum erstenmal in seinem kleinen Leben ein solches wunderbares Netz tadellos ausgeführt hatte, kam sich vor, als sei er nun erst ein fertiger kleiner Mensch geworden.
Die weißen Netze sind geschnitten und tadellos zu unseres Vaters innigster Befriedigung ausgefallen. Goldene Nüsse, Eier und Tannenzapfen heben sich leuchtend von der dunklen Tischplatte ab. Wir Kinder stehen ermüdet und wollen zu Bett gehen. Vater tritt ans Fenster, öffnet weit beide Flügel. - Der Mond scheint, und wir Kinder sehen deutlich zwischen Vaters ausgebreiteten Armen in den beschneiten Garten. Da spricht Vater mit leiser, wie von Musik getragener Stimme:

"Mondbeglänzte Zaubernacht,
die den Sinn gefangenhält,
wunderbare Märchenwelt,
steig' auf in der alten Pracht."

(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

6. Dezember

Wir gehen still und nehmen den Zauber dieser Stimmung mit in unsere Träume, aus denen wir mit dem seligen Bewusstsein erwachen: "Heute ist er, der Heilige Abend." Nun beginnt ein buntes Treiben im Hause. Vater trägt alle seine Schätze selbst ins Weihnachtszimmer, in dem die zwölf Fuß hohe Tanne schon ihres Schmucks wartet. Wir Kinder schmücken in unserer Kinderstube ein kleines, bescheidenes Bäumchen für arme Kinder. Wir haben ihn von unserem eigenen Gelde erstanden. Vater und Mama schließen sich unten ins große Weihnachtszimmer ein, gleich wenn man in den Flur tritt links, und der Märchenbaum fängt an sich zu entfalten. Die Brüder Hans und Ernst kommen heim und Karl, unser stiller Musikant. Heute muss Vater alle seine Kinder um sich versammeln haben, um ein rechtes Weihnachtsgefühl zu empfinden. Die Fenster der Weihnachtsstube sind dicht verhangen, die vielen Türen, die ins Reich der Weihnachtswunder führen, verschlossen.
Wir schleichen an die Fenster und knien vor den Türen. Meine jüngste Schwester Dodo hat ein besonderes Talent, mit unserer Mutter, verborgen in den Falten ihres Kleides, in die Weihnachtsstube zu schlüpfen.
Vom frühen Morgen an kommen Scharen von Kindern, die von Haus zu Haus ziehen und im Flur ihre hellen Kinderstimmen ertönen lassen: "Vom Himmel hoch da komm' ich her." Ein großer Korb mit Wasserkringel steht schon bereit, mit denen die kleinen Sänger belohnt werden. Mittags wird nach althergebrachter Sitte Kaffee getrunken und Butterbrote gegessen. Der Kaffeekanne entströmt an diesem Tage ein wundersamer Duft, so duftet er nur einmal im Jahr, und die Butterbrote schmecken uns wie der schönste Kuchen.
Am Nachmittag wandern wir Kinder, jedes ein Körbchen am Arm, ins Kloster St. Jürgen. wir wollen zwei alten Großtanten dort bescheren, "Tante Anna und Tante Christine". Tante Anna wird von uns bevorzugt. In ihrem kleinen, behaglichen Altjungfernstübchen liegen wir schließlich auf der Erde vorm offenen Ofen und schauen in die rote Glut der verglimmenden Kohlen. Die liebe, alte Tante sitzt im alten Lehnstuhl neben uns, ihr feines altes Gesicht von einer weißen Spitzenhaube umrahmt. sie erzählt uns altmodische Kindergeschichten, an die sich immer eine Moral knüpft. Wir hören interessiert zu, knacken dabei Nüsse und werfen die Schalen in die rote Glut - das knistert so schön. - So vergeht die Zeit - vom Kirchturm drüben schlägt es halb fünf. Tante Anna hüllt uns sorgsam in unsere warmen Mäntel und Kapuzen, und fort geht es.
Auf den Straßen liegt tiefe Dämmerung, der Schnee knirscht unter unseren Füßen. Schwärme von Kindern begegnen uns, hier und dort dringt aus einer geöffneten Haustür Gesang zu uns heraus. Wir fassen uns an den Händen und laufen und kommen atemlos heim. Im Flur bleiben wir stehen und singen, als gehörten wir zu den Sängern. Die Köchin kommt aus der Küche gelaufen mit den üblichen Wasserkringeln. Sie jagt uns lachend und scheltend in die Kinderstube. Wir werden nun festlich geschmückt und gehen dann in die Studierstube unseres Vaters, wo wir schon unsere Großmutter mit ihrer getreuen Lebensgefährtin, von uns "Tante Tine" genannt, und zwei alte Freunde des Hauses in behaglichem Geplauder vorfinden.
Seit dem Tode unseres Großvaters schaut Großmutter unserer Bescherung zu. Großvater war zwar niemals bei der Bescherung zugegen, aber wir wussten doch, er saß währenddessen behaglich in seinem Kontor und freute sich über die kleinen Sendungen an Geld und Viktualien - meistens - meistens ein großes Stück Rauchfleisch - die er von dort aus an Kinder und Schwiegerkinder gespendet hatte. Nun auch er in das Land der Vergangenheit gegangen ist, lässt die bunte Kinderfreude diesen Abend der Erinnerung sanft für unsere Großmutter vorübergehen.

(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

7. Dezember

Endlich ertönt der Klang der silbernen Glocke. Wir stürzen die Treppe herunter, die Flügeltüren fliegen auf, wir treten ein, jung und alt. Ein starker Duft von Tannen, brennenden Lichtern und braunen Weihnachtskuchen schlägt uns entgegen - und da steht er, der brennende Baum, im vollen Lichterglanz. Ich will ihn mit meines Vaters eigenen Worten schildern:
"Mit seinen Flittergoldfähnchen, seinen weißen Netzen und goldenen Eiern, die wie Kinderträume in den dunklen Zweigen hängen." - Oder wie er in einem Brief an Freund Keller geschildert wird: "Der goldene Märchenzweig, dito die Traubenbüschel des Erlensamens und große Fichtenzapfen, an denen lebensgroße Kreuzschnäbel von Papiermache sich anklammern. Rotkehlchen sitzen und fliegen in dem Tannengrün, und eines sitzt und singt bei seinem Nest mit Eiern. Feine weiße Netze, deren Inhalt sorgsam in Gold- und andere in Lichtfarben gewählte Papiere gewickelt ist."
Der Märchenzweig ist eine Erfindung meines Bruders Ernst. Ein großer Lärchenzweig wird ganz vergoldet und so in der Mitte des Baumes befestigt, dass er seine schlanken feinen Zweige nach allen Seiten ausbreitet. Ein Freund unseres Hauses, Regierungsrat Petersen, der derzeit in Schleswig lebte, taufte den so vergoldeten Zweig "Märchenzweig". Freund Petersen und Vater tauschten alle Jahre kleine Weihnachtsüberraschungen aus. In einem Jahr brachte er Vater kurz vor Weihnachten das erste Paket "Lametta". Vater schreibt darüber:
"Unser Tannenbaum hat in diesem Jahr besonderes Aufsehen erregt. Freund Petersen brachte am Sonntag vor Weihnachten eine Tüte märchenhafter Silberfäden. Mit diesen feinen Silberfädchen wurde der Baum umsponnen, dass er aussah wie fliegender Sommer." -
Unser Karl setzt sich ans Klavier und stimmt leise an: "Stille Nacht, heilige Nacht." Wir alle stimmen ein. Das Weihnachtslied ist verklungen, wir umstehen den Baum und lassen die Wunder der Weihnacht still auf uns wirken. Vater nickt uns bewegt zu, legt den Arm um unsere Mutter und führt wie immer sie zuerst zu ihren Gaben, die geheimnisvoll umhüllt sind. Mitten auf dem Tisch steht zu Mamas grenzenloser Verwunderung Vaters Pelzmütze. Mama erfasst sie zögernd, ihr Blick hängt fragend an dem unseres Vaters - und hervor rollt eine große Papierkugel. Ein Papier nach dem andern wird abgewickelt, bis sich schließlich in einem kleinen Kästchen verborgen ein feiner, goldener Ring dem erstaunten Blick zeigt. Eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt, ein solcher Ring war ein langgehegter Wunsch meiner Mutter. Vater erwartete leuchtenden Auges die Wirkung seiner Überraschung. Mein Schwester Ebbe sagte einmal bei solcher Gelegenheit: "Vater hat ein Weihnachtslicht in den Augen." Nun führt Vater jedes seiner Kinder zu seinen Gaben, uns kleine zuerst. Puppen - wohin wir sehen, kleine und große - und Bücher, die durften niemals auf unserm Weihnachtstisch fehlen. Wir haben uns müde gespielt - wir nehmen unsere Weihnachtsbücher und setzen uns im trauten Schein des Lichterbaumes und lesen. Gar verführerisch ist es, heimlich ein Stückchen Zuckerwerk abzuzupfen und es ebenso heimlich zu verzehren. Vater tritt leise zu uns unter den Tannenbaum, streicht uns sanft mit seiner schönen, schlanken Hand übers Haar uns fragt: "Hab' ich's getroffen?" Nachdem sich das erste Entzücken gelegt hat, bringt die Köchin das messingene Kohlenkomfort, auf dem gar bald der blitzblank geputzte Teekessel ein melodisches Lied anstimmt, und der Duft feinsten Tees vermischt sich mit dem der Tanne und der braunen Weihnachtskuchen. Die beiden Mädchen in den gleichen maiengrünen Festgewändern, mit Häubchen und blendend weißen Schürzen angetan, präsentieren den Tee, wir Kinder den knusprigen Weihnachtskuchen. So sitzen wir recht traut beisammen. Da erklingt von draußen, vom Vorplatz, der Gesang einer tiefen melodischen Altstimme zu uns herein:

"O du fröhliche,
o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit."

 

(Fortsetzung morgen)
 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

8. Dezember

Ein helles Leuchten verklärt das liebe Angesicht unseres Vaters, er steht leise auf, öffnet die Tür und zieht ein gar liebliches kleines Bettelmädchen herein.
Das Kind, mit von der Kälte geröteten Wangen, strahlenden Kinderaugen, das Gesichtchen von blonden Locken umrahmt, bleibt stumm und wie verzaubert im Türrahmen stehen.
Wir alle umstehen sie, sie muss noch einmal ihre glockenreine Stimme hören lassen. Dann erfasst Vater eines ihrer schmutzigen kleinen Händchen und fragt sie liebreich: "Was willst du nun haben, etwas zu essen oder Kuchen?"
"Danke, ich habe schon gegessen", spricht das Kind zu unserer grenzenlosen Freude. Da heißt mein Vater sie ihr Schürzchen auftun, Mama nimmt vom Tisch einen vollen Teller Weihnachtskuchen und schüttet ihn in die ausgebreitete Schürze.
Voll leuchtenden Dankes schaut das Kind zu Mama auf, wirft noch einen scheuen Blick auf all den Lichterglanz und die strahlenden Gesichter, und fort ist sie, die kleine Lichtgestalt, denn so erscheint sie uns trotz ihrer Lumpen.
Die Lichter sind erloschen, die glitzernde Pracht des Baumes leuchtet nur noch im matten Dämmerlicht der Lampen. Unsere Mutter ruft zum Festessen. - Wir Kinder trennen uns schweren Herzens vom Tannenbaum, unseren Puppen und Büchern. Sauerbraten und ein großer Apfelkuchen - Tante Moritz genannt - bilden das Festessen, Punsch, nach Vaters kurzweg "Landvogt" genannt, ist das Festgetränk.
Wir alle sitzen an unseren Plätzen, der Punsch ist in die Gläser geschenkt, Vater erhebt sein Glas, er nickt uns allen voll innigster Befriedigung zu und sendet dann in einem kleinen Trinkspruch "einen vollen Gruß seiner Liebe" allen denen, die seinem reichen, liebevollen Herzen nah', an diesem Abend aber ferne von ihm sind. Der Apfelkuchen wird aufgetragen, nach dem unsere begehrlichen Kinderaugen schon lange ausschauen.
Einer der alten lieben Weihnachtsgäste wirft an jedem Weihnachtsabend zu unserer heimlichen Freude die Frage auf: "Ist das nicht Tante Moritz?" Und jedes Mal folgt die prompte Antwort: "Ja, das ist Tante Moritz."
Von Tante Moritz ist nach einer Weile keine Spur mehr, und nun geht es noch einmal zurück ins Weihnachtszimmer. Jeder von uns folgt seinen besonderen Neigungen. Meine Brüder ergreifen mit einem wahren Festtagsausdruck ihrer blauen Augen die neuen Bücher und ziehen sich mit ihnen in irgendeinen Schmunzelwinkel zurück. wir Kinder nehmen unsere Puppen auf den Schoß und lauschen, denn Karl, unser Musikus, singt uns ein neueinstudiertes Lied von Robert Franz:

Einen schlimmen Weg ging gestern ich,
einen Weg, den ich nicht wieder geh,
zwei süße Augen trafen mich,
zwei süße Augen, lieb und blau."

(Fortsetzung morgen)


 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

9. Dezember

Karl hat einen wunderbaren Bariton und singt einfach, mit tief zu Herzen gehendem Vortrag. Zum Schluss spielen Karl und meine Schwester Lisbeth "Nussknacker und Mausekönig" von Carl Reinecke. Vater liest den Text dazu. So ist es immer bei uns.
Lautlos lauschen wir alle, eine träumerisch - selige Stimmung umfängt uns. Der letzte Ton, das letzte Wort ist verklungen. Unsere Mutter mahnt leise zum Schlafengehen. Draußen vor dem Fenster stäubt der Schnee, aber während wir Kinder bald in einen tiefen Schlaf fallen, machen die Eltern und großen Geschwister noch einen Besuch im brüderlichen Hause in der Süderstraße.
Jahre kommen und gehen. Es ist unserm lieben Vater nicht mehr vergönnt, alle seine Kinder um den heimatlichen Weihnachtsbaum zu versammeln. Stattdessen werden Kisten gepackt und Pakete gemacht und Weihnachtsbriefe geschrieben. An Hans nach Wörth in Bayern, wo er als Arzt lebt, an Ernst nach Toftlund und Lisbeth nach Heiligenhafen. Sie haben sich inzwischen selbst ein Heim gegründet und schmücken dort ihren Kindern den Baum.
Und Vater klagt in einem Brief an seine Tochter Lisbeth: "So haben wir denn das Weihnachtsfest gehabt, und ich fühle es recht schmerzlich, dass wir gar so getrennt sind. Es ist sehr schön, der Mittelpunkt einer großen Familie zu sein, aber recht schwer, wenn so ein alter Mensch sich in so viele Teile spalten soll. Für mich fehlen zu viele von Euch, als dass das Weihnachtsfestgefühl so recht hätte aufkommen können."
Noch einmal, ein letztes Mal, wird es für unsern lieben Vater "Weihnachten". Zum ersten Male fehlt eines seiner Kinder ganz, auch seine liebevollsten Gedanken vermögen es nicht mehr zu erreichen. Unser ältester Bruder Hans ist von uns gegangen. Der Baum steht noch einmal in vollem Lichterglanz, die Flügeltüren öffnen sich weit. - Vater legt den Arm um Mama, wir, die wir keine Kinder mehr sind, umstehen das Klavier, und Karl stimmt leise an. "Stille Nacht, heilige Nacht." Wie wir an die Stelle kommen "Schlaf in himmlischer Ruh" - da breitet Vater weit die Arme aus, Tränen stürzen aus seinen lieben Augen, und leise hören wir ihn die Worte sprechen: "Unten in Bayern, da ist ein einsames Grab, darüber weht der Wind, und der Schnee fällt in dichten Flocken drauf."
Wir singen nicht weiter, wir gehen zu ihm und nehmen sanft seine lieben Hände, und eine schmerzliche Ahnung, dass wir wohl so zum letzten Male mit unserem lieben kleinen Vater unter dem brennenden Lichterbaum stehen, durchzittert unsere Herzen. So endet das letzte Weihnachtsfest mit unserem Vater.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

10. Dezember

Weihnachten im deutschen Hause beim Gelehrten und beim Bürgersmann von Gustav Freytag 1816 - 1895

Der rollende Erdball wälzte sich dem letzten Himmelszeichen zu, welches die Seelen unseres Volkes mit magischer Gewalt auf das schönste Fest des Jahres richtet. Weihnachten war nahe und die Frauenwelt der Parkstraße fuhr in geheimnisvoller Tätigkeit einher. Der Verkehr mit guten Bekannten wurde unterbrochen, angefangene Bücher lagen im Winkel, Theater - und Konzertsaal wiesen leere Plätze, die Akkorde des Flügels und die neuen Bravourarien klangen selten in die rasselnden Wagen der Straße, innere Kämpfe wurden beschwichtigt, und böser Nachbarn ward wenig gedacht. Was eine Hausfrau oder Tochter zu leisten vermochte, das wurde auch in diesem Jahr auffällig. Vom Morgen bis zum Abend flogen kleine Finger zwischen Perlen, Wolle, Seide, Pinsel und Palette umher, der Tag wurde zu achtundvierzig Stunden ausgeweitet, selbst in den Minuten eines unruhigen Morgenschlummers arbeiteten dienstfertige Heimchen und andere unsichtbare Geister im Solde der Frauen. Je näher das Fest rückte, desto zahlreicher wurden die Geheimnisse, in jedem Schrank steckten Dinge, die Niemand sehen sollte, von allen Seiten wurden Pakete in das Haus getragen, deren Berührung verpönt war. Aber während die Hausgenossen geheimnisvoll an einander vorüberschlüpften, ist die Hausfrau stille Herrscherin in dem unsichtbaren Reich der Geschenke, Vertraute und kluge Ratgeberin aller. Sie kennt in dieser Zeit keine Ermüdung, sie denkt und sorgt für Jedermann, die Welt ist ihr ein großer Schrank geworden mit zahllosen Fächern, aus denen sie unablässig herausholt, in die sie Verhülltes nach weisem Plane einstaut. Wenn am Weihnachtsabend der Flitterstern blitzt, der Wachsstock träufelt und die goldene Kugel am Christbaum schimmert, da feiert die Phantasie der Kinder ihre große Stunde, aber die Poesie der Hausfrauen und Töchter füllt schon Monate vorher die Zimmer mit fröhlichem Glanz.
Wenn man das Urteil des Herrn Hummel als gemeingültig betrachten darf, ist leider auch den Männern, welche die Ehre eines Hauses zu vertreten haben, die Begeisterung dieser Wochen nicht vollständig entwickelt. "Glauben Sie mir, Gabriel", sagte Herr Hummel an einem Dezemberabend, während er einem Jungen nachblickte, der mit Brummteufeln umging, "in dieser Zeit verliert der Mann seine Bedeutung, er ist nichts als ein Geldspint, in dem sich der Schlüsselbart vom Morgen bis zum Abend dreht. Die beste Frau wird unverschämt und phantastisch, alles Familienvertrauen schwindet, Eines geht scheu an dem Andern vorüber, die Hausordnung wird mit Füßen getreten, die Nachtruhe gewissenlos ruiniert; wenn gegessen werden soll, läuft die Frau auf den Markt, wenn die Lampe ausgelöscht werden soll, fängt die Tochter eine neue Stickerei an. Und ist die lange Not ausgestanden, dann soll man sich gar noch freuen über neue Schlafschuhe, welche einen Zoll zu klein sind, und bei denen man später die grobe Schusterrechnung zu bezahlen hat und über eine Zigarrentasche von Perlen, die platt und hart sind, wie eine gedörrte Flunder. Endlich zu allerletzt, nachdem man goldenen Funken gespuckt hat wie eine Rakete, fordern die Frauen noch, dass man auch ihnen selbst durch eine Schenkung sein Gemüt erweist. Nun, die meinigen habe ich mir gezogen."
"Ich habe auch Sie selbst gesehen," wandte Gabriel ein, "mit Paket und Schachtel unter dem Arm."
"Dies ist wahr" versetzte Herr Hummel, "eine Schachtel ist unvermeidlich. Aber, Gabriel, das Denken habe ich mir abgeschafft. Denn das war das Niederträchtige bei der Geschichte. Ich gehe jedes Jahr zu der derselben Putzmacherin und sage: "eine Haube für Madame Hummel". Und die Person sagt: "Zu dienen, Herr Hummel", und die Architektur steht reisefertig vor mir. Ich gehe ferner jedes Jahr zu demselben Kaufmann und sage: "ein Kleid für meine Tochter Laura, so und so teuer, ein Taler Spielraum nach oben und unten", und das Kleid liegt preiswürdig vor mir. Im Vertrauen, ich habe den Verdacht, dass die Frauen hinter meine Schliche gekommen sind, und sich die Sachen vorher selbst aussuchen, denn es ist immer alles sehr nach ihrem Geschmack, während in früheren Jahren Widersetzlichkeiten stattfand. Jetzt haben sie die Mühe, den Plunder auszuwählen, und am Abend müssen sie noch heucheln wie die Katzen, auseinanderfalten und ausprobieren, sich erstaunt stellen, und mein ausgezeichnetes Geschick loben. Das ist meine einzige Genugtuung bei dem ganzen Kindervergnügen. Aber sie ist dürftig, Gabriel."
So knarrte misstönend die Prosa des Hausherren, doch die Parkstraße achtete wenig darauf, und sie wird solchen Sinn immer mit gebührender Missachtung betrachten, so lange süßer ist für Andere sorgen als für sich selbst und Freude zu machen seliger als Freudiges zu empfangen.

(Fortsetzung morgen)
 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

11. Dezember

Auch für Ilse wurde in diesem Jahr das Fest eine große Angelegenheit, sie trug wie eine Biene zusammen, und nicht nur für die Lieben in der Heimat. Denn auch in der Stadt hatten sich viele große und kleine Kinder an ihr Herz genestelt, von den fünf unmündigen Raschke's bis zu den kleinen Barfüßlern mit dem Suppentopf. Auch bei ihr wurden die Sofawinkel unheimlich für den Gatten, für Laura und den Doktor, wenn diese einmal unerwartet eintraten.
Als der Kammerherr einige Zeit vor dem Feste einen Besuch seines Prinzen bei dem neuen Rektor schicklich erachtete, fanden die Herren Ilse und Laura in eifriger Arbeit und den Salon der Frau Rektorin in eine große Marktbude verwandelt. Auf langen Tischen standen Weihnachtsbäumchen, und gefüllte Säcke lehnten ihren schweren Leib an die Tischbeine, die Frauen aber arbeiteten mit Elle und Schere, zerteilten große Wollzöpfe und wickelten Linnenstücke auseinander, wie Kaufleute. Als Ilse den Herren entgegentrat und ihre Umgebung entschuldigte, bat der Kammerherr dringend, sich nicht stören zu lassen. "Wir dürfen nur hier bleiben, wenn wir das Recht erhalten, uns nützlich zu machen." Auch der Prinz sagte: "Ich bitte um die Erlaubnis zu helfen, wenn sie etwas für mich zu tun haben." "Das ist freundlich," versetzte Ilse, "denn bis zum Abend ist noch Vieles zu verteilen. Erlauben Ew. Hoheit, dass ich Sie anstelle. Nehmen Sie den Sack mit Nüssen, Sie, Herr Kammerherr, haben Sie die Güte die Äpfel unter ihre Obhut zunehmen, du, Felix, erhältst den Pfefferkuchen. Und ich bitte die Herren, kleine Häufchen zu machen, zu jedem zwanzig Nüsse, sechs Äpfel, ein Packet Kuchen."
Die Herren gingen mit Feuer an die Arbeit. Der Prinz zählte gewissenhaft die Nüsse und ärgerte sich, dass sie immer wieder unter einander fuhren, machte aber die Erfindung, durch zusammengefaltete Papierstreifen die Portionen beisammen zu halten, die Herren lachten und erzählten, wie sie sich einst in fremden Lande die deutsche Festfreude verschafft haben. Der Duft der Fichtennadeln und Äpfel erfüllte die Stube und zog wie eine Festahnung in die Seelen der Anwesenden.
"Dürfen wir die gnädige Frau fragen, wem unsere angestrengte Tätigkeit zu gut kommt?" sagte der Kammerherr, "ich halte hier einen ungewöhnlich großen Apfel, durch den ich gern einen Ihrer Lieblinge bevorzugen möchte. Jedenfalls tun wir, was armen Kindern Freude machen soll."
"Zuletzt wohl," versetzte Ilse, "aber das geht uns nichts an, wir geben alles schon heut ihren Müttern. Denn die größte Freude einer Mutter ist doch ihren Kindern selbst zu bescheren, das Christbäumchen zu putzen, und zu arbeiten, was die Kleinen gerade bedürfen. Diese Freude soll man ihr nicht nehmen, und deshalb wird ihnen der Stoff unverarbeitet geschenkt. Auch die Weihnachtsbäumchen kaufen sie am liebsten allein, jede nach ihrem Geschmack; die hier stehen, sind nur für solche Kinder, denen die Mutter fehlt. Und diese Bäumchen werden auch von uns ausgeputzt. Heut zum Feierabend wird alles aus dem Haus getragen, damit die Leutchen zu guter Zeit das ihre erhalten und sich danach einrichten."
Der Prinz sah auf den Kammerherrn. "würden Sie uns erlauben, " begann er zögernd, "auch etwas für die Bescherung zu kaufen?"
"Sehr gern," erwiderte Ilse freudig. "Wenn Hoheit befehlen, kann unser Diener das sogleich besorgen. Er weiß Bescheid und ist zuverlässig."
"Ich möchte selbst mit ihm gehen," sagte der Prinz. Der Kammerherr hörte verwundert auf diesen Einfall seines jungen Herrn, da der Einfall aber löblich und nicht gegen die Instruktion war, so lächelte er respektvoll. Gabriel wurde gerufen. Der Prinz ergriff freudig seinen Hut. "Was sollen wir kaufen?" frug* er aufbrechend.

* alte Konjugationsform
(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

12. Dezember

"Kleine Wachsstöcke fehlen uns," versetzte Ilse "dann von Spielzeug Puppen, für die Knaben Bleisoldaten und für die Mädchen ein Kochgeschirr, aber alles hübsch handfest und sparsam." Gabriel verließ mit einem großen Korbe hinter dem Prinzen das Haus.
"sie haben gehört, was die gnädige Frau befohlen hat", sagte der Prinz auf der Straße zu Gabriel. "Zuerst die Wachsstöcke, sie suchen aus, und ich bezahle, wir sollen sparsam einkaufen, geben Sie Achtung, dass wir nicht betrogen werden." "Das haben wir nicht zu fürchten, Ew. Hoheit," versetzte Gabriel tröstend. "Und wenn wir ja einmal einige Pfennige zu viel bezahlen, das kommt wieder andern Kinder zu gut." Nach einer Stunde kehrte der Prinz zurück, Gabriel mit hochbeladenem Korb, auch der Prinz trug unter beiden Armen Puppen und große Tüten mit Naschwerk. Als der junge Herr so belastet eintrat, mit geröteten Wangen, selbst glücklich wie ein Kind, sah er so gut und liebenswert aus, dass sich alle über ihn freuten. Emsig packte er seine Schätze vor der Frau Professorin aus und schüttete zuletzt die Zuckertüten auf den Tisch. Sein Befangenheit war verschwunden, er spielte in kindlichem Behagen mit den hübschen Dingen, wies den Andern die kunstvolle Arbeit an Marzipanpflaumen, bat Laura einen Tempelherrn aus Zucker für sich zu behalten und wirtschaftete zierlich und behende um den Tisch, bis die Andern ihm bewundernd zusahen und in seine Kinderscherze einstimmten. Als die Frauen den Ausputz der Fichtenbäumchen begannen, erklärte der Prinz, auch er werde dabei helfen. Er setzte sich vor die Untertasse mit Eiweiß, ließ sich die Handgriffe zeigen und wälzte die bestrichenen Früchte in Gold und Silberblättchen. Ilse setzte als Preis für den Herrn, der am meisten und besten arbeiten würde, eine große Dame von Pfefferkuchen mit Reifrock und Glasaugen, und es entstand ein löblicher Wetteifer unter den Herren, die besten Stücke zu liefern. Der Professor und Kammerherr wussten alte Kunstfertigkeiten zu verwenden, der Prinz aber arbeitete als Neuling etwas liederlich, es blieben einzelne leere Stellen, und an andern bauschte das Schaumgold. Er war mit sich unzufrieden, aber Ilse ermunterte ihn: "Nur müssen Ew. Hoheit sparsamer mit dem Golde sein, sonst reicht es nicht." Zuletzt erhielt der Kammerherr die Dame im Reifrock, und der Prinz als außerordentliche Belohnung für seine Strebsamkeit ein Wickelkind, das aber auch durch zwei Glaskorallen in die Welt starrte.
Draußen auf dem Weihnachtsmarkt standen die kleinen Kinder um die Tannenbäumchen und Weihnachtsbuden und schauten ahnungsvoll und begehrlich auf die Schätze, und in Ilses Zimmer saßen die großen Kinder am Tische, spielend und glücklich; auch hier kam kein kluges Wort zu Tage, und der Prinz machte sich zuletzt mit Eiweiß die Umrisse eines Gesichtes auf die Handfläche und vergoldete sie mit den Metallblättchen. Als der Erbprinz aufbrach, frug der Professor: "Darf ich fragen, wo Ew. Hoheit den Weihnachtsabend verbringen?"
"Wir bleiben hier," versetzt der Prinz.
"Da seltene Musikaufführungen in Aussicht stehen", fügte der Kammerdiener hinzu, "hat des Fürsten Hoheit auf die Freude verzichtet, den Prinzen zum Fest in seiner Nähe zu haben, wir werden also stille Weihnacht im Quartier halten."
"Wir wagen nicht einzuladen," fuhr der Professor fort, "falls aber Ew. Hoheit an diesem Abend nicht in anderer Gesellschaft verweilen, würde uns große Freude sein, wenn die Herren bei uns vorlieb nähmen."
Ilsa sah dankbar auf den Gatten, und der Prinz überließ diesmal nicht dem Kammerherrn die Antwort, sondern nahm mit Wärme die Einladung an.

(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

13. Dezember

Als der Prinz zur geziemenden Stunde bei Werners eintrat, war die Bescherung vorüber, der Christbaum ausgelöscht. Ilse hatte das so gewollt, "es ist nicht nötig, dass die fremden Herrschaften sehen, wie wir uns über die Geschenke freuen". Der Prinz empfing den Dank Ilses über den Schmuck ihres Tisches mit Zurückhaltung und saß schweigend und zerstreut vor dem Teekessel. Ilse dachte: "Ihm tut es weh, dass er keinen frohen Weihnachtsabend hat, das ärmste Kind ist lustig vor seinem Fichtenbäumchen, und er sitzt wie ausgeschlossen von den Freuden der Christenheit." Sie winkte Laura und sagte dem Prinzen: "Wollen Ew. Hoheit nicht unsern Christbaum ansehen? Die Lichter mussten gelöscht werden, sonst brannten sie auf einmal herunter. Ist's aber Ew. Hoheit recht, so zünden wir die ganze Herrlichkeit noch einmal an, und es wäre sehr gütig, wenn Hoheit und dabei helfen wollten."
Das war dem Prinzen doch willkommen, und er ging mit den Frauen in das Weihnachtszimmer. Dort erbot er sich den Stock zu nehmen, an dessen Spitze ein Wachstockende befestigt war, um die höchsten Lichter des mächtigen Baumes zu erreichen. Während er geschäftig an dem Baum arbeitete, wurde ihm das Herz etwas leichter, und er sah mit Anteil auf die Geschenke, welche unter dem Baum lagen. "Jetzt aber haben Ew. Hoheit die Güte hinauszugehen  sagte Ilse, "und wenn ich klingele, so gilt es Ihnen und Herrn von Weidegg, das kann Ew. Hoheit nicht erspart werden." Der Prinz eilte hinaus, die Schelle tönte. Als die Herren eintraten, fanden sie zwei kleine Tische gedeckt, darauf angezündete Bäumchen, und unter jedem eine große Schüssel mit Backwerk, das man nur in der Landschaft zu backen verstand, welcher sie angehörten. "Das soll eine Erinnerung an unsere Heimat sein," sagte Ilse, "und auf dem Bäumchen sind die Äpfel und Nüsse, welche die Herren selbst vergoldet haben; die mit den roten Flecken sind Ew. Hoheit Arbeit. Und dies ist eine respektvolle Sendung aus der Wirtschaft meines lieben Vaters. Ich bitte die Herren, die geräucherte Gänsebrust mit gutem Appetit zu verzehren; wir sind ein wenig stolz auf diese Leistung. Hier aber, mein gnädigster Prinz, ist zur Erinnerung an mich ein kleines Model von unserm Butterfass, denn dabei habe ich als ein Kind vom Lande meine hohe Schule durchgemacht, wie ich neulich Ew. Hoheit erzählte." Und auf dem Platze des Prinzen stand dies nützliche Werkzeug aus Marzipan gefertigt. "Unten auf dem Boden habe ich Ew. Hoheit mein Sprüchel von damals aufgeschrieben. Und so nehmen die Herrschaften mit dem guten Willen vorlieb."
Sie sagte das mit so inniger Fröhlichkeit und bot dem Kammerherrn dabei so gutherzig die Hand, dass diesem seine Anstandsbedenken ruiniert wurden und er ihr recht wacker die Rechte schüttelte. Der Prinz aber stand vor seinem Fässchen und dachte: "Jetzt ist der Augenblick oder er kommt nie." Er las unten die anspruchslosen: "Hat man sich mit Einem recht Müh gegeben, so bleibt es Segen für das ganze Leben." Da bat er ohne alle Rücksicht auf die dräuenden Folgen seines Wagnisses: "Darf ich Ihnen einen Tausch vorschlagen? Ich habe auch eine kleine Buttermaschine gekauft, sie ist mit einem Rade und einer Scheibe zum Drehen, und man kann sich darin jeden Morgen seinen Bedarf selbst machen. Es wäre mir eine große Freude, wenn auch Sie diese annehmen wollten." Ilse verneigte sich dankend, der Prinz bat, den Diener sogleich in sein Quartier zu senden. Während der Kammerherr noch erstaunt den Zusammenhang überdachte, wurde der Mechanismus in das Zimmer getragen, der Prinz setzte ihn mit eigenen Händen auf eine Ecke des Tisches, erklärte der Gesellschaft die innere Einrichtung, und war sehr erfreut, als Ilse sagte, dass sie Zutrauen zu der Erfindung habe. Wieder wurde er das fröhliche Kind von neulich, trank lustig sein Glas Wein und brachte mit gefälligem Anstand die Gesundheit des Hausherren und der Hausfrau aus, so dass der Kammerherr seinen Telemach gar nicht wieder erkannte. Und beim Abschiede packte er sich selbst den Marzipan ein und trug ihn in der Tasche nach Hause.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

14. Dezember

Bärbels Weihnachten von Ottilie Wildermuth 1817 - 1877

Es ist der heilige Weihnachtsabend. Da herrscht in der Stadt eine emsige, stille Geschäftigkeit in den Häusern und auf den Straßen: die Vorbotin der fröhlichen Bescherung. Man sieht Dienstboten eifrig dahertrippeln, die noch etwas Vergessenes oder spät Gefertigtes auf den Weihnachtstisch holen müssen, bunte Wachslichter oder Zuckerwaren an den Christbaum; Schusterjungen tragen ein Paar glänzende nagelneue Stiefel; der Sattler bringt das neu beschlagene Wiegenpferd, die Putzjungfer ein rosenrotes Hütchen, - alles noch zur Verherrlichung des Festes.
Oben, in der großen Stube, wo das Licht so verheißungsvoll durch die Gardinen schimmert, da waltet die Mutter als die Stellvertreterin des lieben Christkindes; sie ordnet und rüstet und bereitet, und die Kinder sitzen mit mühsam bezähmter Ungeduld in der Kinderstube, um auf den glückseligen Augenblick zu warten, wo der Ruf ertönt und ihnen der Lichtglanz entgegenströmt.
Auf dem Dorfe wird, in Schwaben wenigstens, der Christabend nicht so umständlich gefeiert; er gleicht dort mehr jener wunderbaren Nacht, wo in tiefer Stille im armen Stalle der Glanz der heiligen Weihnacht aufging, wo nur schlichte Hirten sich sammelten um die Krippe und hoch oben vom Himmel her der selige Festchor erklang.
Sobald es dunkel wird, werden Kunkeln und Spinnräder, alles Arbeitsgerät beiseite gestellt; "seid still, Kinder, `s ist der heilige Abend," ermahnt man die Kleinen in jedem ordentlichen Haus; der Vater liest wohl in der Bibel oder man plaudert zusammen von alten Zeiten und geht guter Zeit zur Ruh.
Die einfache Bescherung macht den Müttern auf dem Dorfe wenig Sorge und Müh. Ein Weihnachtsbaum wird meist nur den kleinsten Kindern angezündet; man beschert da in der Stille der Nacht, so dass die Kinder frühmorgens ihre kleinen Gaben am Bett finden und glauben, das Christkindlein habe sie gebracht, während sie schliefen; ein paar Äpfel und Nüsse, wenn's hoch kommt ein Lebkuchenherz; nur wer so glücklich ist, einen wohlhabenden Paten oder eine reiche Patin zu haben, darf am Morgen des Weihnachtsfestes einen Besuch bei ihnen machen mit der Frage: "Guten Morgen, Dote und Göderich, was hat's Christkind gebracht?" Gibt es dann ein Tellerchen mit Backwerk, ein Halstüchlein oder eine neue Weste, so ist das schon ein unerhörter Reichtum.
Es war ein klarer, kalter Winterabend, und die Sterne spiegelten sich im Neckarfluss, an dessen Ufer der Fährmann, im Dorfe der Fergenhannes genannt, auf und ab ging, um sich die Kälte zu vertreiben, bis die Stunde schlug, wo er seine Fähre verlassen durfte. Neben ihm trippelte Bärbele, sein sechsjähriges Töchterlein, ihre erstarrten Hände in die Schürze gewickelt; sie wollte durchaus nicht gelten lassen, dass sie fror, weil sie so gern beim Vater an der Fähre blieb, um mit überzufahren, wenn Leute kamen.

(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

15. Dezember

Vom Dorfe hörte man noch die Pumpe der Brunnen und das Brüllen des Viehs; von dem nahen Hügel fuhren mit lautem Geschrei die Knaben blitzschnell auf ihren Bergschlitten herab.
Jetzt aber erscholl die Bergglocke vom Turm. "Bet, Bärbele!" sagte der Vater, indem er seine wollene Mütze abnahm und die Hände faltete; auch Bärbele legte die Händchen zusammen und sprach andächtig den Vers, den sie die Mutter zur Betglocke gelehrt hatte:
"Lieber Mensch, was mag bedeuten
Dieses späte Glockenläuten?
Das bedeutet abermal
Deines Lebens Ziel und Zahl;
Wie der Tag hat abgenommen,
So wird auch der Tod bald kommen.
Lieber Mensch, so schicke dich,
Dass du sterbest seliglich."
Die Knaben drüben waren beim ersten Schall der Betglocke rasch mit ihren Schlitten abgezogen; der Ferge trug seine Ruderstangen in das kleine steinerne Häuschen, das von einem riesigen Wachholder beschattet am Ufer stand, und warf noch einen langen, aufmerksamen Blick über den mondbeschienenen Fluss bis auf den Flusspfad, der vom jenseitigen Ufer ans Wasser führte. Drüben war alles ruhig, nur an den Fenstern des Schlösschens, das nicht fern vom Ufer stand, sah man, seit langer Zeit zum ersten Male wieder, Licht. Der Ferge kettete die Schiffe fest an den Pflock und schickte sich mit Bärbele zum Heimgehen an.
"Aber, was ich weiß, Vater!" sagte die Kleine. - "So, was weißt?" - "Ich darf heut Nacht aufbleiben, bis man's Kindl wiegt!" (Das Kindlein wiegen nennt man die Sitte die sich in vielen schwäbischen Dörfern erhalten hat, wo die Schulknaben um Mitternacht vor dem Christfest einen Weihnachtschoral vom Kirchturm singen.) - "Du?" sagte der Vater, "o, du wirst schläfrig." - "Gewiss nicht," versicherte die Kleine, indem sie fröhlich an seiner Hand hüpfte, "die Mutter hat mir's versprochen; aber der Base ihr Christoph, der hat's gut, der darf selber mitsingen! Ich möchte' auch ein Bube sein, dann könnt' ich auch einmal Ferge werden." - "Da wärst was Rechts," sagte der Vater, der wie die meisten Väter seinem Kinde einen glücklicheren Beruf wünschte, als ihm der seinige erschien.
"Ei, das ist nett, so im Schiff liegen, wenn die warme Sonne scheint und immer wieder andere Leute herüber und hinüber führen, oder gar das große Wagenschiff, mit ganzen Wagen oder Chaisen!"
(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

16. Dezember

Unter dem Geplauder der Kleinen waren sie an dem Wohnhaus des Fergen angekommen, das ganz vorn, noch etwas abseits vom Dorfe lag. Durch die enge, geschwärzte Flur, die zugleich Küche war, trat man in die niedere Stube. Annemarie, des Fergen Weib, und Christine, die Witwe, die in dem Dachkämmerlein des Hauses zur Miete wohnte und der Kürze halber Base genannt wurde, saßen am Ofen beim Scheine des Quellämpchens beisammen, die Spinnräder waren beiseite gestellt, sie plauderten angelegentlich von all den überstandenen Sorgen und Trübsalen ihres Lebens, während Christoph, der Sohn der Base, ein etwas unmüßiger Junge, sich in der Ecke der Stube damit unterhielt, der Katze den Pelz zu streicheln, bis es Funken gab.
"Guten Abend beisammen," sagte der Ferge, indem er eintrat und seinen dicken groben Rock mit einem alten gestrickten Wams vertauschte; denn Schlafrock und Pantoffel sind auf dem Dorf noch nicht Mode, zumal in der Hütte eines armen Fergen.
"Du kommst wieder zuletzt," sagte Annemarie, "der andere Ferge ist schon lange daheim." - "Warum sollten wir alle erfrieren?" sagte gutmütig Hannes, "es kommen heut ja wenig Leute; hab' ihn heimgehen lassen, ein andermal ist's an mir." - "Ja, an dich kommt's nie," murmelte das Weib, "du bist nur zu gut."
"Nichts Neues passiert, Hausherr?" fragte die gesprächige Base. - "Passiert alleweil nichts," sagte gleichmütig der Ferge, "doch ja, Verwalters von drüben sind ein paar Mal hin und her gefahren mit allerlei Sachen; morgen kommt richtig die neue Herrschaft." - "Ein absonderlich Geflüster, dass sie herziehen so mitten im Winter," meinte Annemarie, "und auch nicht recht schicklich, an einem so hohen Fest so ein Getu' anzustellen."
"Drum hat der junge Herr alles neu herrichten lassen," berichtete Bärbele, "Verwalters Liese hat mir's erzählt." - "Ja, die weiß alles, der kleine Fürwitz," lachte wohlgefällig der Ferge, "die pappelt wie ein Altes." - "So schöne Tapeten seien da," erzählte Bärbele weiter, "und goldige Kronleuchter und Teppiche, o, ich möcht's nur sehen! und das alles kriegt die junge Frau zum Christtag. Mich lässt Verwalter Liese vielleicht einmal hineinsehen, wenn sie wieder verreist sind!" Und die Kleine hüpfte wieder bei dem bloßen Gedanken an die Herrlichkeit, die sie möglicherweise noch sehen dürfe.
Annemarie brachte die Kartoffeln und Suppe; von einem Festmahl am heiligen Abend wusste man nichts, erst am Christfest wurden süße Birnschnitze gespeist, die Base wurde zu Tisch geladen, was sie nur nach vielen Umständen annahm und sich zu jeder Kartoffel noch besonders nötigen ließ. Christoph war nicht so umständlich, der langte tapfer zu und ließ sich's gehörig schmecken. Bärbele war viel früher fertig und zupfte ihn ungeduldig am Wams: "Singt ihr noch nicht?" fragte sie leis. "Ist noch z' bald," sagte Christoph kurz. "Komm, wir wollen `nausgehen und ein bisschen horchen, ob die anderen Buben noch nicht kommen!" bat Bärbele, und Christoph ließ sich endlich dazu bewegen, obgleich er lieber am warmen Ofen sitzen geblieben wäre; es freute ihn, dass ihn das kleine Mädchen so mit Respekt betrachtete, seit sie wusste, dass er vom Turm singen dürfe.
(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

17. Dezember

Als die Kinder fort waren, holte Annemarie aus der Schublade ihrer einzigen Kommode die schönen roten Äpfel die das große bunt verzierte Lebkuchenherz und die Nüsse, die zu Bärbeles Bescherung bestimmt waren, und ordnete sie auf dem weißen, blau bemalten Porzellanteller, dem schönsten Stück ihres einfachen Gerätes. "Ist fast zu hoffärtig für uns," meinte Hannes, "so ein Staatslebkuchen wäre ja für den Spezial (Dekan) recht." - "Ach was," entschuldigte Annemarie, "das arme Kind hat ja nicht einmal eine Dote, wie die Kinder anderer Leute, da müssen die Eltern ein übriges tun." - "Ja, so ein Tröpflein, das die Nottaufe erhalten, dauert mich nachher immer," sagte die Base, "wenn es dann sein Lebtag ohne Döte und Dote herumlaufen muss." (Döte und Dote, die Taufpaten, sind nämlich auf dem Dorf in Schwaben gar eine wichtige Person für ihre Patchen; arme Leute wählen gewöhnlich wohlhabende Paten, und auch dem Ärmsten wird fast nie diese Bitte abgeschlagen. Außer der reichlicheren Weihnachtsgabe erhält das Patchen an der Konfirmation einen Teil des Anzugs manchmal gar ein silberbeschlagenes Gebetbuch vom Herrn Döte oder der Frau Dote und wird da zu Gast geladen; auch in späteren Jahren nimmt sich manchmal eine gute Dote noch mütterlich eines verwaisten Kindes an.)
"Nun, was das betrifft," entgegnete Annemarie mit einigem Stolz, "so hätte unser Bärbele eigentlich eine fürnehme Dote, nur dass sie nicht da ist." - "Ja, das ist eben gerade die Hauptsache, Hausfrau," meinte die Base, "aber wie ist's denn da zugegangen mit Bärbeles Taufe? Ich hab' nur die Leute davon sagen hören, ich war ja dazumal noch nicht hier."
"Der Hannes weiß's besser als ich," sagte Annemarie, "ich war dazumal so schwach, dass ich kaum aufsehen konnte." Hannes war nicht sehr aufgelegt zum Plaudern, am Ende aber ließ er sich doch von der neugierigen Base bewegen, mit seiner Geschichte herauszurücken.
"Heute sind's gerade sechs Jahr," hub er an, "es war fast eine Nacht wie diese im Vollmond, schier so hell wie am Tag, ich musste draußen am Neckar sein, da der andere Ferge krank lag, und ich tat's bitter ungern, denn das Bärbele war eben geboren worden und mein Weib lag gar schwach und krank daheim; ich wollt' aber doch aushalten bis zum Betglockenläuten und schaute als so hinüber auf die andere Seite, wo das Schlösslein steht, indem die alte gnädige Frau noch gelebt hat, und hab' weiter an nichts gedacht als an mein Weib daheim. Da hör' ich auf einmal einen hellen Schrei vom andern Ufer drüben und seh' ein Weibsbild dem Wasser zuspringen und ein paar Mannspersonen mit Schreien und Johlen ihr nach. Da Schrei' ich aus aller Macht hinüber: "Ich komm', und stoß' ab, so schnell ich kann; die Kerle drüben springen davon, und ich komm' noch eben recht, dass ich das arme erschrockene Jungferle, das ganz bis zum Wasser her gesprungen war, ins Schiff tragen und herüberführen kann. Es war ein junges Fräulein und so erschrocken, dass sie lang schier gar nicht schnaufen, geschweige denn reden konnte." - "Eine schöne Jungfer?" fragte Christine. - "Darauf hab' ich nicht geguckt," sagte Hannes trocken; Annemarie aber versicherte: "Bildschön, Base, bildschön sie hatte so schöne rote Bäcklein und ein feines himmelblaues Kleid und goldiges helles Haar mit lauter Locken und einen Pelz! Die Königin kann es nicht fürnehmer haben." - "So, ich hab' geglaubt, du habest vor Schwäche nichts gesehen?" sagte Hannes mit komischer Verwunderung. "Ach was! erzähl's nur weiter," rief Annemarie. "Also wie wir herüberkamen," fuhr Hannes fort, "erzählt sie mir nach und nach, dass sie auf Besuch sei im Schloss drüben, und weil der Mond so schön gescheint habe, so habe sie und noch so ein Fräulein drüben ein bisschen lustwandeln wollen. Die vornehmen Leute haben oft gespäßige Gelüste, statt dass sie froh sein sollten in ihrer warmen Stube. Also, wie die zwei da `rumspazieren, kommen ein paar rauschige Burschen daher, die sie erschrecken und ängstigen mit ihrem wüsten Geschrei. Die verzagten Jungferlein springen auseinander und wissen nicht wohin: die eine dem Schloss zu, die andere gegen den Neckar, wo ich sie dann geholt habe. Wie wir hübsch am Ufer waren und die Burschen drüben fort, wollte sie, ich sollte sie gleich wieder hinüberführen und bis ans Schloss begleiten, sie wollte mir ein gutes Trinkgeld geben. Aber es läutete Betglocke, und eine Nachbarin kam heraus und rief mir, ich solle gleich heimkommen, mein Kindlein sei so schwach und werde sterben. Da wußt' ich nicht, was mit dem Jungferle anfangen, es war niemand um den Weg, der sie hätte hinüberführen können, und jeden lass' ich auch nicht an mein Schiff. So sagt' ich ihr, sie soll derweil mit mir in mein Haus kommen; sobald ich daheim weg könne, woll' ich sie wieder heimbringen, und sie ging gutwillig mit, weil sie wohl musste. Wie ich heimkomm', ist das Tröpfle, das Bärbele, so schwach wie ein Lichtlein am Auslöschen, und mein Weib weinte, dass es ohne die heilige Taufe sterben sollte. Ich lass' das Jungferle am Ofen sitzen und spring' zum Herrn Pfarrer, der auch gleich mit mir kam, wie er ging und stand. Er konnte nicht mehr die heiligen Gefäße mitnehmen, ich brachte das Wasser in unserm Krug. Das Jungferle hatte das Kindlein auf dem Arm und weinte. "Wollen Sie Taufzeugin sein?" fragte der Herr Pfarrer, der sich wohl auch verwunderte, wie eine so fürnehme Jungfer in unser armseliges Häuslein komme. "In Gottes Namen ja,' sagte sie und stellt sich mit dem Kindlein vor ihn. "Wie soll das Kindlein heißen?" fragt er wieder. "Barbara," rief mein Weib, ihre Mutter selig hat so geheißen. - "Amalie," sagte das Fräulein leise, und der Pfarrer tauft es Barbara Amalie; dann hat er so schön andächtig dazu gebetet und das Kindlein, ob es zum Leben oder zum Tode bestimmt sei, dem Herrn so getreulich empfohlen, dass unsere Herzen ganz getröstet wurden.
(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

18. Dezember

"Kaum war der Herr Pfarrer fort, so rufen mir die Nachbarsleute: am Ufer drüben laufe man mit Fackeln und Laternen herum und schreie herüber, es scheine, dass sie jemand suchen. "Ach, da sucht man mich!" rief das Fräulein, legte das Kindlein, das sie seither auf dem Arm gewiegt hatte, in sein Bettlein und sprang dem Neckar zu, so geschwind, dass ich kaum nachkam. Als ich sie hinübergeführt, waren drüben Bediente vom Schloss und Mägde und Frauenzimmer, und es war ein Gefrage und geküss, dass man meinte, sie sei eben von den Toten auferstanden; ich aber fuhr in der Stille wieder herüber, mich trieb's zu meinem Kindlein, ich fürchtete, ich treffe es tot. Aber es war noch am Leben, und der liebe Gott hat es uns erhalten bis auf den heutigen Tag."
"Und die vornehme Dote hat ihm gar nichts gegeben?" fragte Christine.
"Ein goldenes Kreuzlein mit blauen Steinen, das sie an einem schwarzen Samtbändlein um den Hals trug, hat sie ihm aufs Kissen gelegt," sagte Annemarie, "und die alte gnädige Frau von drüben hat meinem Mann einen Taler Trinkgeld geschickt und mir eine Flasche alten Wein; die Fräulein Dote aber hat nichts mehr von sich hören lassen."
"Das war aber doch nicht schön," meinte Christine, "wenn's auch nur eine Nottaufe war, die Dote ist sie doch immerhin." "Es ist ihr nicht so übel zunehmen," sagte entschuldigend Annemarie, "wahrscheinlich ist sie bald heimgereist und vielleicht weit fort; die alte Frau ist gleich nachher gestorben, der junge Herr in die Fremde gereist, da ist sie wohl nicht wieder in die Gegend gekommen; für uns war es doch ein guter Abend: das große Trinkgeld! und auch das Kind hat ja ein schönes Andenken. Und wie das schwächliche Kindlein so gediehen ist, habe ich oft denken müssen, das Fräulein habe ihm doch Glück gebracht, weil sie so gar schön und holdselig war und so andächtig gebetet hat unter der Taufe."
Annemarie hatte unter dem Reden ihre kleine Bescherung versteckt, denn Bärbele und Christoph waren ziemlich erfroren wieder hereingekommen und horchten aufmerksam ihrer Rede zu. Bärbele hörte gar zu gern von der unbekannten Dote erzählen, und es war ein Fest für sie, wenn sie das goldenen Kreuzchen sehen oder gar einmal umhängen durfte. Sie hatte keine Feenmärchen gehört oder gelesen, aber wunderbar wie eine Fee erschien das holdselige Fräulein im himmelblauen Kleid in ihren Träumen, und sie meinte oft, die Dote müsse doch einmal wieder kommen.
Hannes war sehr müde und schläfrig und legte sich bald zu Bette, die Frauen aber hatten den Kindern versprochen, aufzubleiben, bis man das Kindlein wiege; so suchten sie sich und die Kinder wach zu erhalten mit allerlei Geschichten und Gesprächen; Bärbele hatte viel schöne Weihnachtsreimlein von der Mutter gelernt und war stolz, dass sie fast noch mehr wusste als der große Christoph; am Ende aber schlummerte sie doch ein auf dem Schemel zu Füßen der Mutter, die wie die Christine auf dem Stuhl eingeschlafen war, Christoph hatte sich hinaus geschlichen, um sich mit den andern Knaben in der Schule zu versammeln, bis es Zeit sein würde, auf den Kirchturm zu steigen.
Bärbele wachte auf, als es still, ganz still in der Stube war; die Mutter und Christine schliefen noch, das Lämplein war erloschen, nur das klare Mondlicht erhellte das Stüblein. Sie schlich leise hinaus und blickte hinauf zum Turm, wo man einige Lichtlein funkeln sah. In dem Augenblick schlug die Glocke zwölf und von oben erklang von all den hellen Kinderstimmen das Wiegenlied des göttlichen Kindes: "Ehre sei Gott in der Höhe, der Herr ist geboren!"
Das klang dem Kinde so wunderbar, wahrhaftig wie eine Stimme vom Himmel, sie dachte nicht mehr an die vornehme Pate, nicht an alle Herrlichkeit der Welt, die nicht für sie bestimmt war; es war ihr, als habe sie einen Strahl von dem Glanz des Himmels gesehen und tief, tief drückte sich das heilige Gefühl der Weihnacht in ihre junge Seele.

(Fortsetzung morgen)
 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

19. Dezember

Der Morgen des heiligen Christfestes war angebrochen, ein klarer, frischer Wintermorgen, wie Tausende von Brillanten schimmerte der Schnee im Sonnenschein. Im Dorf herrschte die feierliche Stille, die auf dem Lande so schön den Sonntag vor den Arbeitstagen auszeichnete. In den Häusern rüstete man sich zum Kirchgang; nur Kinder sah man auf den Straßen, die blaugefrorenen Gesichtchen glänzend von der Freude des Morgens, da und dort biss eins in den köstlichen Lebkuchen; aus Häusern, wo man reichlicher bescherte, kamen kleine Mädchen mit rosenroten Schürzchen und einer neuen Puppe auf dem Arm, dicke Buben, die in eine hölzerne Trompete bliesen und die andern sammelten sich um die Glücklichen und staunten die neuen Schätze an.
Bärbele hatte keine Puppe und kein neues Schürzchen; mit dem verzierten Lebkuchen hatte die Mutter all ihre Mittel erschöpft; aber ihr Winterkleidchen, aus einem alten Rock der Mutter verfertigt, war sauber und warm, ihr blondes Haar war schön glänzend und glatt gekämmt und in Zöpfen geflochten, die zu ihrem großen Stolz hinten gerade wie Wegzeiger hinaus standen; sie war so vergnügt wie die andern und stellte sich mit dem schönen Lebkuchen, den sie gar nicht wagte anzubeißen, stolz unter die kleine Schar.
Aber als die Kinder zusammen standen und sich erzählten, bis wenn sie zu dem Döte oder der Dote bestellt seien, als nach der Kirche da und dort eines mit strahlendem Gesicht reich beladen mit den Geschenken einherzog, die kleinen Geschwister neugierig und jubelnd hinterdrein: da ward der Bärbele doch das kleine Herzchen schwer, und sie schlich sich betrübt zur Mutter, um zum hundertsten Male zu fragen, warum denn sie keine Dote habe. Um sie zu trösten, band ihr die Mutter das schöne goldene Kreuzchen um und versicherte ihr, das sei eigentlich mehr wert als alles, was die anderen Kinder von ihren Paten bekommen; nun war die Kleine wieder vollkommen glücklich hob ihr Köpflein, so hoch sie vermochte, nur damit jedermann den neuen Schmuck an ihrem Hälschen sehen und bewundern konnte.
Nachmittags war im Dorf große Bewegung und die Straße stand voll Leute; der gnädige Herr vom Schlösslein drüben sollte mit seiner neuen Frau und vielen Gästen auf Schlitten durchs Dorf kommen. Sie hatten geglaubt, der Neckar werde fest genug gefroren sein, um die Fahrt auf Schlitten hinüber wagen zu können; dem war aber nicht so und die Fergen hielten das große Wagenschiff bereit um sie hinüberzubefördern. Ein großer Schlitten war im Dorf eine seltene Erscheinung, da gewöhnlich hier der Neckar den Schlittenfahrten ein Ziel setzte, drum war alt und jung in Bewegung, da man auch neugierig war, den jungen Herrn Baron wieder zu sehen.
Die Voreltern des Barons hatten freilich eine größere Bedeutung für die Dorfbewohner gehabt, ihnen hatte das Dorf mit einigen anderen der Gegend zu eigen gehört; jetzt hatte der junge Baron nur noch einige Rechte, den Besitz des Schlösschens und der schönen Güter, die dazu gehörten; aber er war doch immer noch eine wichtige Person für die Bauern, die ihn hatten unter sich aufwachsen sehen; die alte gnädige Frau war sehr gut gegen die Armen gewesen, und man freute sich, das lang verschlossene Herrenhaus endlich wieder geöffnet zu sehen.
"Sie kommen, sie kommen!" schrieen atemlos ein paar Knaben, die vors Dorf hinaus der Schlittenfahrt entgegengegangen waren und nun mit den Pferden um die Wette herein sprangen.
Unter lustigem Schellengeklingel, mit mutigen Rossen bespannt, fuhren drei elegante Schlitten, mit Tiger - und Bärenfellen bedeckt, durch Dorf; man erkannte den jungen Herrn an der freundlichen Höflichkeit, mit der er ringsum grüßte; auch die Dame neben ihm in dem weißen Pelz, dem blauen Samthut mit wehenden Federn verneigte sich freundlich; ihr Gesicht aber konnte man nicht recht sehen, da sie es mit einem feinen blauen Schleier vor dem Wind geschützt hatte.
Am Neckarufer gab es zum großen Vergnügen der Zuschauer einen langen Aufenthalt; ein Teil der Herren und Damen wollten aussteigen und sich im Kahn übersetzen lassen, indes man die Schlitten langsam auf dem Wagenschiff überfuhr.
Während die anderen mühselig und langsam aus ihren Umhüllungen krochen, schlüpfte die junge Baronesse gewandt aus dem warmen Fußsack und hüpfte aus dem Wagen; die Bewunderung der Kinder, die mit aufgesperrten Mäulern zusahen, wurde durch die zierlichen Atlasstiefelchen, mit weißem Pelz besetzt, aufs höchste gesteigert.
(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

20. Dezember

Der Fergenhannes hatte seinen besten Sonntagsstaat angelegt, den dreispitzigen Hut statt der Pudelmütze aufgesetzt und stand bereit seine vornehmen Kunden überzufahren. Der Wind wehte den Schleier zurück von dem schönen blühenden Gesicht der Dame und dem sonst so schweigsamen Fergen entschlüpfte ein Ausruf der Überraschung.
Die Dame beachtete es nicht, sie blieb einen Augenblick stehen, eh' sie das Schiff betrat, und blickte nachdenklich über den Fluss hinüber. "Da drüben bin ich einmal in großer Angst gestanden," sagte sie lächelnd zu ihrem Gemahl, "ich habe dir's schon einmal erzählt, es war am Weihnachtsabend. Ich war immer ängstlich und leicht zu erschrecken."
"Drum brauchst du guten Schutz," sagte zärtlich der Baron und half ihr sorgsam in das Schiff.
Dem Christoph hatte der Ferge erlaubt, dass er rudern helfen durfte; Bärbele hatte sich ihr Vorrecht als des Fährmanns Töchterlein nicht nehmen lassen: sie saß in ihrem Feststaat am Schnabel des Schiffs und schaute halb in Angst, halb in Freude mit ihren großen runden Augen nach der schönen Dame, die ihr wie ein leibhafter Engel vom Himmel vorkam. Jetzt blickte auch die Dame auf das Kind und rief verwundert: "Das ist ja mein blaues Kreuzchen, das ich so gern als Kind und als Mädchen getragen! Kind, woher hast du das?"
"Von meiner Dote," sagte Bärbele sehr bestimmt, in geheimer Angst, man wolle ihr ihr Kleinod nehmen.
"Was ist eine Dote?" fragte die Dame, der diese Benennung fremd war, die aber eine plötzliche Erinnerung überflog. "Eine Dote ist eine, wo einem ein schönes Christkindl (Weihnachtsgeschenk) gibt!" rief Christoph herzhaft herüber, erschrak aber wieder über seine eigene Keckheit.
Bärbele hatte die Mutter von frühsten Jahren an so oft und viel gefragt: "Was ist eine Dote?" dass sie die Antwort auswendig wusste und jetzt wie ein Sprüchlein andächtig hersagte: "Meine Dote hat in der heiligen Taufe für mich versprochen, dass ich dem lieben Gott wolle treu sein, sie hat auch versprochen, dass sie sich an Seel' und Leib um mich annehmen wolle."
"Hat sie das?" fragte die Dame, der nun wieder die volle Erinnerung an jenen Weihnachtsabend erwachte, während der Ferge, der sie gleich erkannt, vom Ufer stieß, halb verlegen, halb verwundert über sein keckes kleines Mädchen.
"Und wie heißt denn deine Dote, mein Kind?" fragte nun die Baronesse wieder, indem sie sich liebevoll zu der Kleinen niederbeugte.
"Amalie," erwiderte Bärbele bestimmt, "und sie ist ein vornehmes Fräulein und ich heiße Barbara Amalie."
"Und Ihr habt mich geführt!" rief die Dame, sich rasch zu dem Ferge wendend, "und das ist das schwache Kindlein, das ich in der niederen Stube über die Taufe hielt in jener Nacht, die mir nachher immer wie ein Traum vorkam?"
"Wann war denn das?" fragte der junge Baron, der nicht recht begriff, wovon die Rede sei. "O, du warst damals schon auf der Reise und ich war noch bei deiner Mutter," sagte die junge Frau, und während der Ferge unter dem Rudern dem gnädigen Herrn die einfache Geschichte jener Nacht erzählte, hatte sie das Kind zu sich auf die Bank gesetzt und streichelte seine frischen kalten Wangen und sagte ihm, dass sie die Dote Amalie sei, was dem Bärbele nun das Wunderbarste von allem erschien.
Sie waren am Ufer angekommen, und Hannes wollte eilig abstoßen, um die anderen herüberzuholen; Bärbele wäre gern wie ein Fischlein geschwind hinübergeschwommen, um der Mutter die merkwürdige Geschichte zu verkünden. Die Baronesse sagte nur noch im Aussteigen: "Bärbele, liebes Kind, willst du diesen Nachmittag mit deiner Mutter zu uns herüberkommen? Bitte, komm gewiss, ganz gewiss!" und sie ging mit ihrem Gemahl zu Fuß voraus, da die Schlitten noch nicht übergeschifft waren.
Bärbele aber, sobald der Vater am anderen Ufer angefahren war, wollte nichts mehr sehen von Damen und Herren; soe sprang, so schnell ihre Füßchen gehen wollten zur Mutter und schrie ganz atemlos: "Mutter, Mutter! die Dote, die Dote Amalie, - und sie ist so arg schön, - und sie ist die neue gnädig Frau, und wir sollen zu ihr kommen!" Annemarie hatte nun zu tun, bis sie das Kind beruhigte und nach und nach die Sache erfuhr; da war's ihr denn freilich auch fast so merkwürdig wie ihrem Bärbele.

Ja es war so. die neue gnädige Frau war die unbekannte Dote, die damals als ganz junges Fräulein in die arme Fergenhütte gekommen war. Die Zeit und ein rascher Wechsel von Erlebnissen hatten sie ganz das kleine Patchen vergessen lassen, das sie auch schon für sterbend gehalten, als sie es damals auf den Armen hielt; nun aber wollte sie das Versäumnis gutmachen.
(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

21. Dezember

Es war beinahe Abend, als endlich Frau Annemarie sich ein Herz gefasst hatte und im allerschönsten Putz mit ihrem Bärbele am Schloss drüben ankam; der Vater hatte sie nur bis ans Ufer begleitet. Mit Herzklopfen stiegen sie die neuen Treppen hinauf und betraten das schöne Vorzimmer in dem sie die Kammerjungfer warten hieß. Sie durften nicht lange warten; bald kam die junge Frau Baronin selbst, die nun ohne die vielen warmen Hüllen dem Bärbele erst recht wie ein Engel vorkam. Sie bot der schüchternen Annemarie herzlich die Hand, freute sich, dass sie wieder so gesund und rüstig sei, und erzählte ihr die Ursache, warum sie so lange nicht mehr in die Gegend gekommen sei, so dass die gute Frau ganz zutraulich wurde.
"Aber ich muss anzünden!" rief plötzlich die Dame und eilte rasch davon; - nach einer Weile klang ein silbernes Glöckchen, und Bärbele und ihre Mutter wurden von der Kammerfrau in den großen Saal geführt.
Ach was für eine Herrlichkeit ging da dem armen Kinde auf! Zur anderen Türe waren all die Herren und Damen eingetreten, aber Bärbele scheute sich nicht vor ihnen; sie meinte fast, sie sei geradewegs in den Himmel hineingekommen, da kam es auf ein paar Engel mehr oder weniger nicht mehr an. Der große Saal war ganz neu und prächtig gemalt und von der Mitte der Decke hing ein kristallener Kronleuchter mit vielen hellen Kerzen, auf den Tischen unten brannten wieder viele Lichter in silbernen Leuchtern, und grünen Tannebäume, die in der Eile noch vom Walde gebracht worden waren. Dazwischen stand prächtiges Zuckerwerk und reiche und zierliche Geschenke, und die Lichter und die Geschenke und all' das schöne neue Gerät im Saal flimmerten und funkelten zusammen, dass es Bärbele war wie im Traum und auch Frau Annemarie nichts konnte, als ihre Hände zusammenschlagen.
"Sieh, Kind, das ist deine Bescherung," sagte die Dame vom Schloss und führte Bärbele an einen Tisch, der mit gar herrlichen Dingen besetzt war; "komm, nimm, das ist alles dein," sagte sie ermutigend, "deine Pate ist dir ja von lange her das Weihnachtsgeschenk schuldig geblieben." Bärbele nahte zögernd mit gefalteten Händchen. Von der Mutter war sie gelehrt worden, eh' sie daheim ihre kleine Bescherung in Empfang nahm, vorher ein Weihnachtsverslein zu beten, darum legte sie auch jetzt die Hände zusammen und betete, was ihr eben im Anblick dieser Pracht einfiel:

"Der Sohn des Vaters Gott von Art,
Ein Gast in der Welt hie ward;
Er führt uns aus dem Jammertal
Und macht uns zu Erben in seinem Saal."

(Fortsetzung morgen)

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

22. Dezember

Die Herren und Damen, die auf das Bauernmägdlein wie auf ein ergötzliches Schauspiel gesehen hatten, fühlten ihr Herz seltsam bewegt von des Kindes frommen Worten, und die Dote fürchtete fast, ob sie mit ihren reichen Geschenken nicht des Kindes einfachen Sinn verderben könnte.
Sie hatte freilich nicht darauf gerechnet, dass sie heute noch einem Patchen bescheren werde, aber sie hatte ein gutes, freundliches Gemüt und wusste, dass sie überall Kinder treffe, denen sie Freude machen könne; darum hatte sie allerlei niedliche Kleinigkeiten mitgenommen, die jetzt lauter Wunder waren für Bärbele, dazu guten warmen Kleiderstoff, und als Königin über allem saß eine prächtige Puppe, Amalies eigene Puppe noch, die sie von den Kinderjahren her aufbewahrt hatte und die nun dem neuentdeckten Patchen geopfert wurde.
Bärbele brauchte eine gute Weile, bis ihre Schüchternheit und Überraschung sie zu Worte kommen ließ, bis sie wagte, so prächtige Dinge als ihr Eigentum anzusehen; allmählich aber wachte ihre ganze Lebhaftigkeit auf, sie vergaß alles um sich her und brach zum großen Ergötzen ihrer Dote in lauten Jubel aus über jedes kleine Stückchen. "Lueg, Mutter lueg!" rief sie immer wieder, "aber wie schön! aber das ist noch schöner! das ist am allerschönsten!" freilich verstand sie den Gebrauch all der schönen Dinge nicht so recht, hielt das zierliche Häubchen für einen Halskragen, die gehäkelten Schuhe und das feine weiße Taschentüchlein für ein Halstuch; aber die Puppe, die prächtige Puppe! die konnte sie gar nicht genug mit ihren verklärten Augen anstaunen.
"Und das hat dir alles die gnädige Frau Gote gegeben," ermahnte sie die Mutter. - "Ja," sagte ihr Bärbele halblaut ins Ohr, "aber ich weiß noch was, der liebe Gott ist eigentlich schuld dran, ich habe schon oft heimlich gebetet, er soll machen, dass auch meine schöne Dote wieder komme." Gerührt hört es die Dote und gelobte sich im stillen, auch durch zu viele Güte nicht den frommen, einfältigen Sinn des Kindes zu verwirren.
Als ein Wunder des Dorfes war Bärbele mit ihren Schätzen vom Schloss zurückgekommen, hatte aber all ihren kleinen Kameraden ausgeteilt und besonders ihren großen Kameraden Christoph nicht vergessen.
So wunderbar und herrlich ist es nun freilich nicht immer zugegangen; die vornehme Pate lernte Maß halten in ihrer Güte. Aber sie hat sich getreulich des Kindes angenommen, und ohne ihr die bescheidenen Heimat und den Stand zu entleiden, in den sie Gott gesetzt hat, hat sie ihr vieles noch mitgeteilt, was ihren Geist aufhellte und ihr das Leben bereicherte, und was sie geschickt machte, vielen mit ihren Kräften zu dienen.
Bärbele wurde die freundliche geduldige Gespielin der kleinen Barone und Baronessen, die treue befreundete Dienerin ihrer gütigen Pate, auf die sie sich verlassen konnte in allen Dingen.

 

Viele Jahre sind nun seit jenem Weihnachtsabend vergangen; der Fergenhannes und seine gute Annemarie ruhen im Grabe, die Baronin Amalie auch, und ihre Kinder sind in fernen Landen. Das Schloss aber wird schön und sorgfältig im Stande gehalten von der stattlichen Frau Verwalterin, die einmal das kleine Bärbele war. Bärbele ist Witwe und haust mit ihrem Töchterlein Amalie in einem unteren Zimmer des Schlosses, die schönen Zimmer hütet sie und hält sie in Ehren auf die Zeit, wo die Herrschaft wieder einmal einziehen wird. Die Frau Verwalterin ist weit umher geehrt und gesucht wegen ihrer Herzensgüte und wegen des klugen und verständigen Rats den arm und reich bei ihr findet. Am Abend spaziert sie oft hinunter zur Fähre und plaudert da ein halb Stündchen mit dem Fergen; er heißt nicht mehr Fergenhannes, aber Fergenstoffel und ist Bärbeles alter Kamerad Christoph. Wenn Weihnachten kommt, so erzählt sie wohl ihrer Tochter manchmal von jenem wunderbaren Christfest, wo die fremde Dote gekommen und ihr so viel Herrliches beschert, aber sie schüttelt mit wehmütigem Lächeln den Kopf dazu und sagt: "Das ist nun alles längst vorüber"; wenn aber in der heiligen Weihnacht um die Mitternachtsstunde der Gesang vom Turme tönt: "Ehre sei Gott in der Höhe, der Herr ist geboren!" So schaut sie mit freudig leuchtendem Blick gen Himmel und sagt: "Das geht nicht vorüber, und die schönste Weihnacht ist uns noch aufgehoben."

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

23. Dezember

Weihnachten im Maschinenhaus  von Heinrich Lersch 1889 - 1936

Weihnachten, Neujahr, Dreikönige. Feste, Feste, Feste ohne Ende. Das war für die Kesselschmiede keine schöne Zeit, damals vor zwanzig Jahren, als ich noch Lehrling war. Zu den Feiertagen wurden die Fabriken stillgesetzt: am Heiligabend wurden die großen Dampfkessel, die sonst das ganze Jahr voll siedendem Wasser und gespanntem Dampf waren, abgeblasen. Damals hatte man noch keine Reservekessel, es mussten auch die Maschinen hergeben, was sie konnten. Aber von Weihnachten bis Dreikönige wurden sie gründlich geputzt und repariert. Da mussten die Metallarbeiter, die Maurer, überhaupt die Handwerker 'ran, vom Heiligabend bis Dreikönige. - Zuerst wurden die Kessel untersucht; wir krochen, die Lampe hocherhoben in einer Hand, die andre Hand mit einem nassen Lappen umwickelt, durch das erste Flammenrohr, dann hinein in die Feuerzüge, leuchteten alle Nähte und Nieten ab, die Knie hochgezogen, hockend rutschten wir in den kaum drei Viertelmeter "großen" Flammenrohren und Feuerzügen herum. Das war die erste Tour, die dauerte eine halbe Stunde, immerzu durch fußhohen, glühheißen Ruß und Flugasche, in 50 bis 60 Grad Wärme. Ruß fiel herunter von den Rundungen der Kesselplatten in den Nacken, in die Augen. Ruß atmete die Lunge, die Nase saß voll Ruß. Wenn man dann hinaus kroch in den Kesselraum, was war es ein Hochgenuss, konnte man sich mit einem Lappen Schweiß und Ruß aus dem Gesicht und Nacken fegen, dann einen Schluck Wasser trinken und vor das Tor gehen: Glockengeläute dröhnte von der Stadt her, Weihnachtsglocken, am Abend vor dem Feste, dem Heiligabend! Sie sangen über die Dächer der Stadt ihr Freudenlied. Einmal hielt ich's nicht aus: ich verließ Kesselraum und Gesellen und stieg die eiserne Leiter hinauf, kletterte aufs flache Dach des Heizraumes, stand hoch über den Gebäuden der Fabrik, und umsungen vom Geläute sah ich hinein in die Stadt, in die fernen Häuser, in deren Fenstern der Heilige Abend aus dem Kerzengeflimmer eines Christbaums funkelte. Sah Gestalten sich bewegen, Väter, Mütter, Söhne, Töchter, Kinder! Heiligabend! Heiligabend!
Im ersten Lehrjahre meines jungen Lebens, setzte ich den Stolz des Lehrjungen gegen die Wehmut ein und fühlte nicht den Jammer, der sich vorbereitete. Aber schon im zweiten Jahr, da putzte ich mit meinem dick mit Ruß beschmierten Jackenärmel die rinnenden Tränen, da hatte ich schon Freunde, die zusammengekommen waren am Heiligabend.
Was soll ich es verschweigen - im dritten Jahr hab' ich mir das Schweißtuch ins Maul gestopft, um nicht aufbrüllen zu müssen: Heiligabend und die Freundin, die Jugendfreundin, die Kinderliebe, Nachbarskind - es brachte uns das Essen in die Fabrik, auch sie wollte Heiligabend nicht mitfeiern, wenn ich unterm Kessel liegen sollte. Scheu und fremd, das liebe Gesicht in ein Kopftuch gehüllt, saß sie neben mir auf der Heizraumbank und wartete, bis ich mein Essen heruntergewürgt. -
Nicht einmal eine Hand konnte ich ihr geben, die Gesellen hätten mich veräppelt die ganze Nacht. Und dann um Mitternacht, der Geselle hockte auf der Bank, ich muckelte schläfrig, und meine phantastische Seele lebte im Mysterium der heiligen Nacht: ich sah das Feld von Bethlehem, die Hirten, die Weissagung klang, ich sah im Heizraum, schwärzer als der Mohrenkönig, das ewige Licht, dachte mir aus: Wenn jetzt die Heilige Familie käme, hier in diesem Kesselhaus fände sie noch Licht, hier läuteten die Glocken unserer Hämmer: "Komm! Komm! Komm! Komm!" Und ich hätte das Heizraumtor aufgemacht, hätte - nein, ich hätte die weichesten Putzwollballen in den sauberen Maschinenraum geschleift, ein Lager bereitet, auf der Feldschmiede Kaffee gekocht, unsere Nachtbutterbrote auf einen sauberen Lappen gelegt, und ich sah den Glanz des ewigen Lichtes strahlen durch das Maschinenhaus. Ich sah den Gesellen, den halbbesoffenen, gebändigt und von heißer Glut ernüchtert, sah den Heizer kommen, voll Staunen, die schwarzen Kesselputzer, wie wir rußbestaubt, ein Dutzend schmieriger Gestalten, fernab der Stadt, einsam. Ach, wer sagt es, dass die anderen nicht auch den Heiland erwarten, sie waren doch auch alle des erbärmlichen Lebens satt und warteten auf den Erlöser. Einfältiger waren sie als die Hirten, denn sie glaubten noch den Reden der Herren, die ihnen goldene Berge versprachen, wenn sie selbst einmal - reich und mächtig - geworden. Sie glaubten dem Menschenwort, weil Gotteswort zu überirdisch klang.
Was war das ein Gang zur Mette! Um drei Uhr Gesicht und Hände abgeseift, immer noch schwarze Ringe um die Augen, frisches Hemd, Kragen des Überziehers aufgeschlagen, den Ruß spürend in jeder Hautpore, aus dem glühheißen Kessel in die morgenkalte Kirche. Wie geschniegelt und gebügelt, wie eitel geckenhaft kamen uns dann die Herren vor, Modepuppen, selbstgefällig ihre glatten Scheitel tragend, wie schön die Frauen und Mädchen in ihren warmen Mänteln! Wir trugen den Ruß, den Schmutz nicht nur in unserer Haut, nein, bis in das, was man Seele nannte; wir fühlten in den Blicken der Neugierigen, die uns müde Gestalten musterten: ihr stört ja die Andacht und die Stimmung mit euren abgespannten Gesichtern! Das strahlende Licht vom glühenden Stern über dem Altar schmerzte in den rußzerbissenen Augen.
Und die Orgel, die Orgeltöne! Sie rissen mir die Brust entzwei: Freut euch, Menschen, die ihr wart verloren! Wie gern wäre ich niedergekniet, aber, ich musste stehen bleiben, die Müdigkeit kam; hätte ich in einer Bank gesessen, längst wäre ich eingeschlafen. So hielt ich mich aufrecht, bis die erste stille Messe vorüber war und das Hochamt in der Mette begann. Dann schob ich mich mit unsäglich bedrückter Seele hinaus aus der Gemeinschaft der Christgläubigen, hinein in die kalte Nacht, zurück in die Fabrik. Die junge, fromme Seele suchte nach einem Trost, nach einer Stimme, die ihm verzieh, dass er nicht drei heilige Messen mit Andacht hören konnte. Und fand den Trost erst, als ich wieder im Kesselhaus angelangt war und - nun den hellen Schein im Maschinenhaus sah: sollte doch das heilige Paar?
Nein! Aber die Heizer, Maschinisten und Kesselputzer saßen um die Feldschmiede, deren Flammen hoch loderten, und erzählten Geschichten von anderen Weihnachtsnächten. Der eine, ein alter Seemaschinist, von Weihnachten unter Schwarzen und Wilden unter tropischer Sternenpracht, der andere von der Wanderschaft, Weihnacht in Pennen und Herbergen, in Gefängnis und Arbeitshaus. Und alle dankten es ihrem Schicksal, dass sie nun in der Heimat waren und Geld, ein wenig mehr als an sonstigen Tagen, verdienen konnten.
Bis der kleine Rasch von billigem Schnaps und krampfigem Vergessen erlosch und die Arbeit, das brüllende Müssen, uns wieder in den Kessel trieb. Der Hammer donnerte an den Nietköpfen, die Stemmer klinkten an den Nähten, der Schweiß rann durch die rußigen Gesichter. Georg Kriegesmann, der Nieter aus Bremen, sagte: "Lat se man feiern, Junge, lat se man! Der Weg des Arbeiters ist der vom Stall zum Kreuz, - du bist jung und voll Hoffnung. Wenn Jesus die Seele erlöst hat, wie sie so schön sagen, so erlösen wir Arbeiter den Leib aus den Klauen des Satans! Vom Stall zum Kreuz geht der Weg, mein Junge, dat is wohl immer so gewesen. Aber, wir Arbeiter schenken der ganzen Welt den Frieden!"

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

24. Dezember

Der heilige Abend von Friedrich Naumannn 1860 - 1919

Es ist Weihnachtsabend, die letzten kleinen Lichter brennen noch am Tannenbaum, die Kinder spielen, allmählich ruhiger geworden, mit den neuen Sachen, die Bescherung ist vorbei; ist nun auch aller Weihnachtsgedanke fertig und vorbei? Geht es nun wieder in gleichem Schritt und Tritt durch alle Tage, bis wieder einmal die Lichter angesteckt werden? Ist alle innere Erhebung nur wie der kurze Glanz des Bäumchens auf dem Tisch? Fallen wir nun, nach dem Feste, sofort wieder in unser gemächliches Gewohnheitschristentum, von dem man überhaupt kaum recht weiß, ob es noch Christentum ist? Oder bleibt uns etwas? Und wenn etwas bleibt, so fragt es sich, was dieses Bleibende ist.
Es bleibt ein tiefer Eindruck davon, dass wir Christen eine Brudergemeinschaft sein sollten. Christi arme Krippe lässt uns nicht ganz zur ruhe kommen. Wir hörten in der Kirche singen: "Er ist auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich." Diese Liebe ist das heilige Weihnachtsgeschenk, das wir bis ins Innerste hinein fühlen. Jesus, der brüderlichste von allen, die leibhaftige Liebe, ist uns geboren. Er ist vor vielen Jahrhunderten geboren und stirbt nun niemals. Die Liebe ist lebendig und klopft bei uns an, ob wir sie einlassen wollen. Das Weihnachtsfest hat uns wieder gefragt: wollt ihr zum Reiche Gottes gehören, zum Bunde der Hilfe und Liebe?
Ob wir wollen? Ja, Herr, wir möchten wohl, aber es ist uns zu schwer! Wir versuchen es, deine Liebe in unser Leben hineinzusetzen und machen dabei die beständige Erfahrung unserer großen Hilflosigkeit. Wo und wie soll man anfangen, um wirklich Liebe zu üben? Man versucht es mit einzelnen Menschen und merkt, wie viel dazu gehört, auch nur einigen anderen wirklich zu dienen. Hinter den einzelnen, die wir lieben möchten, stehen aber Tausende, grau und massenhaft, arme Menschen, mit armen Seelen. Liebst du die auch? Oder gehen diese dich nichts an? Ist die Masse nicht da für dich? wie kann man aber die Masse lieben? Soll man sie lieben in Zorn oder in Geduld? Soll man für sie kämpfen oder mit ihr leiden? Oder ist beides zugleich möglich? Was ist überhaupt allgemeine christliche Menschenliebe? Ist es etwas Wirkliches oder haben sich das fromme Leute nur so gedacht? Ach, lieber Heiland, der du aus Liebe in die Welt kamst und aus Liebe starbst, nimm du uns in der Stille der Weihnachtstage ruhig zur Seite und gib uns einen praktischen Unterricht in dem, worin du Meister bist! Herr, lehre uns Liebe haben!
Wenn wir die rechte Liebe hätten, dann würden wir dem Frieden auf Erden näher sein. Wo lebendige Liebe ist, da ist persönlicher innerer Friede, denn da fehlt die Zerrissenheit, die durch Hass und Neid in die Seelen hineinkommt. Wer wirklich liebt, der glaubt an Gott, denn er sieht sein Leben nicht als verloren an. Er hat einen Zweck, eine Aufgabe, er ist nicht ein Spiel des Zufalls und des blinden Ungefährs. Wer Christi Liebe versteht, der hat in sich das Verständnis gewonnen für den Zusammenklang: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden! Er ist herausgenommen aus der Welt der bloßen irdischen Nichtigkeiten. solche Personen aber sind die Vorboten besserer Zustände im menschlichen Gemeinschaftsleben. Aus ihrer Gottes - und Nächstenliebe heraus entwickelt sich ein Geist wahren Christentums, der wie eine seelische Elektrizität von einem auf den andern übergeht, von Eltern auf Kinder weiterströmt, und weiter wirkend viel hartes Menschenmetall schmilzt und viel frohe Botschaft vermittelt. Wir lernen zur heiligen Weihnacht daran glauben, dass auch die Liebe des kleinsten und ärmsten Menschenkindes nicht vergeblich ist zum Herbeiführen des Friedens auf Erden. Dieser Friede, nach dem eine tiefe Sehnsucht in jeder Brust schlummert, ist nicht ohne Kampf zu erreichen, er kommt auch nicht mit einem Male, aber niemand ist, hoch oder niedrig, der ihm nicht dienen könnte, wenn er nur will.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

An der Konversation teilnehmen

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.
Note: Your post will require moderator approval before it will be visible.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung jetzt entfernen

  Only 75 emoji are allowed.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Clear editor

×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.