• Joaquin

    Wo kommt der Stier her?

    In Spanien gibt es einige hundert Stierzüchtereien, dazu noch einige in Portugal und Südfrankreich, sowie in allen lateinamerikanischen Ländern in denen es Stierkämpfe gibt (Perú, Ecuador, Venezuela, Kolumbien, Mexiko).

    Eine Zucht hat einige Dutzend Zuchtstiere, man rechnet auf einen Stier 30 - 50 Kühe. Ein Stier darf bis zum Kampf keinem Menschen mit einer capa oder muleta (die Tücher) begegnen, da er ausserordentlich schnell lernt und nicht vergisst. In der plaza wüsste er sofort, dass er nicht auf das Tuch, sondern auf den Menschen geht. Hin und wieder gibt es Stiere die schnell lernen, dies endet für den torero meist im Krankenhaus.

    Die Tiere stehen als Herde und nach Alter zusammen auf riesigen Weiden. Jede einzelne Herde - auch die der Kühe - wird von einem ausgewachsenen Stier "bewacht". Sie sind sehr aufmerksam, meiden in der Regel allerdings den Menschen. Selbst das Klicken einer Kamera lässt sie bereits in einer Entfernung von ca. 80m alarmiert aufblicken. Als Einzelgänger sind sie absolut gefährlich und auch fähig schon mal ein Auto anzugreifen. Die Kühe sind dabei oft noch gefährlicher wie die Stiere, da sie ihre Kälber verteidigen und ausserdem wendiger sind wie Stiere. Öfters kommt es zu Revierkämpfe und Kabbelein zwischen den Stieren, dies kann zu Verletzungen bis hin zum Tod eines Stieres führen. Da ein Stier, wenn er für die corrida de toros vorgesehen ist doch einen beträchtlichen Wert darstellt schützen seit geraumer Zeit einige Züchter die Hörner mit einer Glasfiberummantelung, die sich leicht wieder abziehen lässt. Ein nicht ganz unumstrittener Vorgang.

    Jede Zucht hat ein eingetragenes Brandzeichen. Jeder Stier bekommt einen Namen, abgeleitet vom Namen der Mutter (Malagueño ist der Sohn von Malagueña usw.), sowie eine Zahl, die im Zuchtbuch eingetragen wird. Die Stiere aus den verschiedenen Zuchten haben jeweils verschiedene Charaktere, sowohl im Aussehen wie auch im Charakter der Tiere, eine Zucht hat z.B. Stiere mit grösseren Hörnern, andere mit kleineren Köpfen, wieder andere mit kürzeren Körpern oder sie sind wendiger etc. Es gibt matadores die eine bestimmte Zucht einer anderen vorziehen oder sich gar weigern mit Stieren einer bestimmten Zucht zu kämpfen - dies können sich aber natürlich nur die Stars leisten.

    Gute Stiere sind namentlich bekannt, ebenso natürlich Stiere, die einen torero auf dem Gewissen haben. Den Tod des berühmten matadors Manuel Rodríguez "Manolete" wird man immer mit dem Stier Islero aus der Zucht Miura in Verbindung bringen, ebenso wie beim Tod von Francisco Rivera "Paquirri" immer Avispado genannt wird. Jeder Matador wird sich Zeit seinen Lebens auch an den Namen des Stiere seiner alternativa erinnern oder an den Stier mit dem er einen aussergewöhnlichen Triumph feierte.

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    Im Alter von ca. zwei Jahren wird der junge Stier auf seinen Mut erprobt im acoso y derribo: er wird von zwei Reitern mit langen Lanzen (garrocha) von der Herde getrennt, über die Weide gejagt und dabei mit der garrocha zu Fall gebracht. Greift er anschliessend das Pferd des anwesenden, ebenfalls mit einer garrocha bewaffneten picador - meist der mayoral der Zucht - an, hat er die Mutprobe bestanden, ansonsten wird er als Fleisch verkauft. Die garrocha hat eine kleine Spitze, die das Tier etwas piekt, jedoch keine Verletzungen herbeiführt. Mit garrochas werden auch die Herden geleitet.

    Bei bestandener Mutprobe darf er weitere Jahre auf die Weide, bis er im Alter von vier Jahren zu "Jungstierkämpfen" (novilladas) oder im Alter von fünf Jahren zu Stierkämpfen verkauft wird. Ausserordentlich gute und schöne Stiere sowie Stiere die beim Kampf begnadigt wurden gehen in die Zucht.

    Bei der tienta (od. auch tendadero) werden die jungen Kühe erprobt, sie allerdings mit Tüchern in einer kleinen Arena, die zu jeder Zucht gehört, mit dem Nebeneffekt, dass hier Anfänger und auch matadores bei dieser Gelegenheit üben können. Auch sie werden zu dem mit der garrocha bewaffneten picador geführt.

    Man sagt, der Stier erbt die Kraft und den Mut vom Vater und die Wildheit von der Mutter.

    Vier bis fünf Jahre ist der Stier auf der Weide. Hat er das nötige Alter erreicht wird er an eine plaza de toros verkauft, in der Regel sechs Stiere plus ein Ersatzstier resp. zwei Ersatzstiere für eine 1.Klasse-plaza, im Falle ein Stier wärend der corrida ausgewechselt werden muss. Die kann passieren wenn der Stier z. B. sich im Stall der plaza verletzt oder zu Beginn total inaktiv ist. Der Preis eines Stieres einer namhaften Zucht in einer 1.Kl.plaza kann 10'000 Euro übersteigen.

    Schon Wochen vor der corrida wird die Gruppe von den Herden getrennt und kommt auf eine eigene Weide, um sich aneinander zu gewöhnen.

     

    Wie kommt der Stier in die plaza?

    Als es noch keine Lastwagen gab wurden die Stiere von Reitern in die entsprechenden Städte getrieben. Musste man eine Ortschaft durchqueren ritt ein Reiter mit einer Glocke voraus und warnte die Bevölkerung, die dann in den Häusern verschwand. Als Tradition haben sich daraus die morgendlichen Stierrennen wärend des San Fermín-Festes von Pamplona erhalten. Es handelt sich dabei um die Stiere der corrida am Nachmittag, die von einem corral in die plaza getrieben werden. Heute werden die Stiere mit Lastwagen in die jeweiligen plazas gebracht, wobei jeder Stier einzeln in einer Box steht. Öfters sieht man auf der Strasse solche Lastwagen mit Kisten, beschriftet mit ganado bravo oder toros de lidia.

    Am späteren Vormittag vor dem Kampf werden sie den Veterinären, der Öffentlichkeit - vertreten durch den Präsidenten der plaza und der Guardia Civil - sowie den Vertretern der matadores vorgestellt. Die matadores selbst nehmen nie teil. Die Stiere werden gewogen und dann werden die Paarungen nach Grösse und Gewicht zusammengestellt, so dass nicht ein matador zwei grosse und der Kollege zwei kleine toros bekommt. Dazu werden die Zuchtnummern der Stiere auf kleine Zettelchen geschrieben, die jeweiligen Zettel eines Paares zusammengeknüllt zu einer kleinen Papierkugel und die drei Kügelchen (3 mal 2 Stiere) in den Cordobeser-Hut des mayorals (*) gesteckt, darauf kommt gegengleich ein zweiter Hut, das ganze wird geschüttelt und die Vertreter der matadores ziehen dann das jeweilige Stierpaar. Alsdann werden die Stiere getrennt und bis zum Nachmittag einzeln in Boxen getrieben.

    (*) Mayoral ist der Vorarbeiter der Zucht und somit verantwortlich für die Stiere. Er begleitet die Stiere zum Kampf und ist dafür verantwortlich, dass die toros in gutem Zustand an die plaza ausgeliefert werden. Als Vertreter der Zucht trägt er am Tag des Kampfes die andalusische Tracht, grau gestreifte Hosen mit hellem Umschlag, Stiefel, kurze Jacke und "Cordobeser"-Hut mit breiter gerader Krempe. Diese Tracht tragen alle mayorales, auch die Nordspanier.

    (Mit freundlicher Genehmigung von taurosidona)

     

    Bisher erschienen in dieser Artikelserie:

     

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    bearbeitet von Joaquin



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      Stierlauf: Kühe statt Stiere, für die Frauen - Exhibición becerros a la mar
       
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