Genau die Frage habe ich neulich mal einer spanischen Freundin gestellt, die offenbar sehr von ihren „Royals“ angetan ist (nur nicht von Letizia, der Bösen!). Sie meinte Folgendes: Juan Carlos hat v.a. repräsentative Aufgaben, Preisverleihungen, Ernennung von Diplomaten und so. Nützlich macht er sich, indem er mit schöner Regelmäßigkeit Aufträge für die spanische Wirtschaft an Land zieht, z.B. den AVE nach Mekka (ein Auftrag, der ihm als "Dankeschön" die Reise nach Botsuana mit den bekannten Folgen eingebracht hat). Er kann sich als Vermittler betätigen, so dass er theoretisch z.B. Rajoy und Mas an den Verhandlungstisch zwingen könnte (aber er selbst hat natürlich keine Entscheidungsgewalt in dieser Frage). Ansonsten hat ihm der legendäre 23-F ein unschlagbar hohes Ansehen beschert, von dem er heute noch zehrt. Sein Sohn wiederum spricht fließend Englisch, insofern ist auch er in Spanien praktisch unersetzlich (.. okok, ich gebe zu, den letzten Halbsatz hat sie so nicht direkt gesagt... ;-)
Wie gesagt, das ist offensichtlich die „königstreue“ Variante. Inwieweit es im Einzelnen stimmt, weiß ich nicht, aber velleicht ist ja jemand genauer informiert.
Meine eigene Meinung, nach einigen Monaten hier in Spanien und einem groben Überblick über diverse Korruptionsskandale in der politischen Klasse: Eine Demokratie kommt zwar ohne König aus; aber eine Demokratie wie die spanische ist mit einem Monarchen wie Juan Carlos gut beraten. Er bringt, wie soll ich sagen, so'ne seriöse Note ins Spiel. Das ist schon etwas wert in einem Land, in dem unrechtmäßige Bereicherung m. E. als viel zu selbstverständlich angesehen wird.