Hinterschinkenweitwurf - Der Wettbewerb für die Kleinen

Delmar

Administrator
Teammitglied
Die Tomatenschlacht, Tomatina, kennt sicher schon jeder. Wettbewerbe bei denen Essen im Spiel ist, sind manchen ein Dorn im Auge. An dieser Stelle möchte ich einen anderen Wettbewerb mit einem Nahrungsmittel vorstellen, bei dem das Nahrungsmittel sicher auch nach dem Wettkampf, weiter verwendet werden kann, den Hinterschinkenweitwurf (Lanzamiento de Jamón).

Vor Jahren hatte ich diesen Wettbewerb in Baneicarló das erste mal gesehen. Ein deutscher Bekannter war dabei, welcher sich angesichts dieses absurden Idee und Umsetzung, sehr lachen musste. Damals noch recht einfach und wenig beachtet, scheint diese Veranstaltung doch immer mehr zu wachsen.

Die Umsetzung und Idee dahinter, ist recht einfach. Man nimmt einen Hinterschinken, der zum einen relativ unhandlich ist, aber wegen des ihn umgebenden Fettgewebes, zusätzlich auch sehr glitschig. Das macht es natürlich recht schwer, diesen ordentlich weit zu werfen. Auf der anderen Seite ist es recht praktisch, denn der Schinken wird auf einem normalen, gepflasterten geworfen und so kann man anhand des Fettfleckes auf dem Boden, genau die Distanz messen.

Es gibt jedoch anderswo, auch andere Formen des Lancamiento de Jamón, wo der Schinken noch umhüllt ist, gewisse Tonnen/Container getroffen werden müssen usw. Also geschützt ist dieser Sport nicht und ein strenges Reglement gibt es hier ebenso wenig.

Das Ganze ist in Benicarló, ein Wettbewerb für Kinder und Jugendliche. Im Prinzip kostet es nichts und die Beteiligten haben ihren Spaß an der Sache.

Hinterschinken Weitwurf in Spanien - Lanzamiento de Jamón

 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Na ja, Du solltest jetzt nicht zu arg enttäuscht sein wenn von mir ein entrüstetes Veto zu so einem Spektakel kommt. Kindern sollte schon ganz früh beigebracht werden, dass man mit Lebensmitteln nicht spielt. Sie könnten doch Holzklötze werfen, sich im Melonenkern Weitspucken messen. Aber bei so wenig Feingefühl bleibt mir die Sprache weg /emoticons/default_thumbdown.gif , aber wundern tut mich schon etliches nicht mehr /emoticons/default_sad.png  

 
Essen, wenn auch rein faktisch nur funktional zur Energieaufnahme gedacht, ist für uns alle etwas emotiionales. Essen wird schön angerichtet, was nichts anderes ist, als ein spielerisches Zusammensetzen für das Auge und die Sinne. Rein funktional macht das kein Sinn und doch spielen wir schon bei der Zubereitung mit dem Essen um hier diese Emotionen hervorzurufen. Würde sich jemand aufregen, wenn ich bei der Salatzubereitung, vorher mit den Tomaten jongliere? Oder wenn ich beim Weintrauben-Essen, diese in die Luft werfe und mit dem Mund auffange? Ich denke mal, wenn ich das nicht gerade bei Tisch mache, dann wird niemand daran etwas verwerfliches darin sehen. Dann gibt es noch unzählige Trinkspiele usw. Und wer den Film 9 1/2 Wochen kennt, wird noch ein paar andere, spielerische Anwendungen fürs Essen kennen.

Essen und Spielen, ich denke schon dass wir das in der ein oder anderen Form ständig in unserem Alltag machen, ohne das uns dabei das schlechte Gewissen plagt.

Wenn wir Kindern sagen, sie sollen nicht mit dem Essen spielen, geht es uns um die Tischmanieren. Unter Umständen auch darum, dass man Essen nicht vergeuden sollte.

Hier beim Hinterschnkenweitwurf sind die Kinder weder bei Tisch, noch wird der Schinken vergeudet. Ich glaube auch kaum, dass diesen Kindern vermittelt wird, man sollte den Schinken zu Hause wegwerfen.

Welches Feingefühl soll hier also gewahrt werden?

Ich kenne Frauen die reiben sich ihre Haut mit Olivenöl ein, hauen sich eine Quarkmaske nebst Gurken auf das Gesicht, was anschließen einfach weg gewaschen und weggeworfen wird. Ist das Wohlbefinden dieser Frauen und deren Haut mehr wert, als das der Kinder beim diesem Weitwurf? Welches ist Feinfühliger?

Manchmal überkommt mich das Gefühl, dass angesichts der ungewohnten Bräuche in anderen Ländern, man oftmals gar nicht mehr so wahrnimmt, wie ähnliche oder gar viel schlimmere Dinge im eigenem Umfeld und Kulturkreis ablaufen. Sind wir da nicht oft etwas zu schnell dabei, den moralischen Finger zu erheben?

PS: Ich frage mich auch immer wieder, wie viele der Lebkuchenhäuser am Ende der Weihnachtszeit nicht gegessen, sondern einfach nur weg geworfen werden? Wie schaut es hier mit Feingefühl aus und was vermittelt man da als Erwachsener den Kindern?

 
Du verwechselst jetzt aber schon Äpfel mit Birnen. Es ist doch was anderes ob man einen dämlichen Kinder/Jugendlichen Volkssport mit Essen werfen macht, oder ob ich am Ende des Tages mein angeschimmeltes Brot wegwerfen muss. Sicher werden immer noch viel zu viel Lebensmittel weggeworfen, weil es fast unmöglich ist einen Singelhaushalt mit ganz kleinen Mengen zu bedienen, weil die Mutter sich noch nicht daran gewöhnt hat nur noch für 2 Personen zu kochen, wo sie doch vorher für viele Personen aufgekocht hat und, und, und - aber das ist nicht gleichzustellen mit einem Volkssport, der ja auch anders abgehalten werden könnte, müssen doch nicht Lebensmittel sein mit denen man um sich wirft. Das ist einfach respektlos gegenüber den Menschen und Kindern die in diesem Land hungern - sowas geht nun mal gar nicht und nichts wird mich in dieser Hinsicht umstimmen. Im übrigen kann ich hier auch Deinen Deutschen Bekannten nicht verstehen, ich finde das nicht zum Lachen und Millionen hungernde Menschen wahrscheinlich genau so wenig.

Lebensmittelweitwurf ist und bleibt für mich verwerflich und total überflüssig!

P.S. Im übrigen das Lebkuchenhäuschen das Du von ganz weit weg herholst in dieser Diskussion wird meistens verschenkt an Einrichtungen, auch das kann man wissen oder recherchieren.

 
Zuletzt bearbeitet:
Du verwechselst jetzt aber schon Äpfel mit Birnen. Es ist doch was anderes ob man einen dämlichen Kinder/Jugendlichen Volkssport mit Essen werfen macht, oder ob ich am Ende des Tages mein angeschimmeltes Brot wegwerfen muss.
Wo habe ich denn bitte dies gleichgesetzt?

Lebensmittelweitwurf ist und bleibt für mich verwerflich und total überflüssig!
Dann wirst du sicherlich den Eierlauf verteufeln, denn hier landen die gefallenen Eier, in der Regel auch in der Tonne.

Ist die Gurken- und Quarkmaske verwerflich, wenn diese am Anschluss nicht gegessen werden?

Mich würde einfach mal interessieren, an welchen Punkt du genau, die moralisch, verwerfliche Grenze, bei der Verwendung von Lebensmitteln siehst.

P.S. Im übrigen das Lebkuchenhäuschen das Du von ganz weit weg herholst in dieser Diskussion wird meistens verschenkt an Einrichtungen, auch das kann man wissen oder recherchieren.
Also hier landen die aus dem Haushalt, direkt in den Müll.

@dreamsailo

Ich würde ihn sofort mitnehmen. Bei den Preisen /emoticons/default_smile.png

 
Das ist doch jetzt nicht nötig Joaquin, ich habe gesagt niemand wird mich davon abbringen. Ich halte sowas für ein verwerfliches, dummes und respektloses Spektakel, übrigens meine spanischen Nachbarn auch, die selbst ihre Kinder nie sowas machen ließen, nach eigener Aussage. 

Ich halte auch einen Eierlauf für blöd, weiß nicht für was das alles gut sein soll.

Ich esse Gurken und Quark denn Schönheit strahlt von innen, und häßlich bin ich nicht  /emoticons/default_tongue.png .

Wenn Lebkuchenhäuschen bei Dir im Müll landen, dann wird es Zeit dass Du etwas dagegen unternimmst. 

Kannst Du mir ein Argument geben, was Kinder daraus lernen sollen, oder was sie messen sollen wenn sie mit Lebensmittel werfen? Mir erschließt sich das nicht. Hoffentlich muss ich mir jetzt nicht anhören, dass dies zur spanischen Kultur gehört, denn sonst wandere ich postwendend wieder weg von hier!

 
ich würde jetzt sicher nicht den Bogen zu weit spannen wollen. Manche Leute ticken halt anders.

Aber ich denke mal in einer Welt wo immer noch viele hungern, daher würde ich ein schlechtes Beispiel sicherlich nicht nachahmen. Problematisch hier insbesondere Tierprodukte, ich selbst habe übrigens noch nie live einen eierlauf gesehen.  

Insgesamt muss man auch akzeptieren dass der Kampf ein Bestandteil der Evolution ist und bleibt,  insofern sind auch "barbarische" Rituale ein Teil davon (übrigens auch selten in der Natur zu beobachten zB. Killerwale auf Robbenjagd) 

PS:  wir so über 40 kennen  das halt noch früher "immer den Teller leer essen" 

 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Naja. So schlimm finde ich dieses nun auch wider nicht, auch wenn ich nichts Lustiges daran finden kann. Wenn ich mich über so etwas echauffieren würde, was soll ich dann hierzu sagen.

Bei vielen Demonstrationen fliegen die Eier nicht nur im Dutzend und es handelt sich nicht nur um Eier mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum.

Was mich richtig aufregt:

- Die EU vernichtet zur Preisstabilität Lebensmittel im ganz großen Stiel.

- Hinter jedem Supermarkt werden Lebensmittel tonnenweise in Container geworfen und vernichtet.

- Die Beifangmenge in der Shrimpfischerei macht bis zu 80 Prozent vom Fang aus und wird dann tot ins mehr geworfen.

- In der Welt hochangesehener Industriestaaten schlachten Wale auf grausamste Weise ab.

- Ein aufstrebender Staat züchtet Katzen und  Nerze unter  grausamste Weise und zieht ihnen bei Lebendigem Leibe das Fell ab. Auch ein gerne als Vorzeigeland genommenes Land jenseits des Atlantiks zieht Robben das Fell ab ohne sie fachgerecht zu töten. 

- In Afrika werden Elefanten und Nashörner getötet weil jemand Schmuck oder ein angebliches Potenzmittel benötigt.

So etwas finde ich beschämend.

 
Ihr kommt vom Hunderste ins Tausendste.

All die Dinge, die Seemann hier niedergeschrieben hat, gehören streng bestraft. Ich glaube, da sind wir uns alle einig.

Wer selbst mal Hühner gehalten hat, würde nie mit einem ihrer kostbaren Eier werfen. Und Eierlauf gab es glaube ich zu Zeiten meiner Eltern.

@ Joaquin - Mein Rezept für ein Lebkuchenhäuschen war eine Geschenkidee für unsere spanischen Nachbarn. Ich wollte damit weg von den gekauften Geschenken. So ein Lebkuchenhaus macht zwar Arbeit, ist aber sicher eine Überraschung für die Spanier. Das Du meine Idee nun als Negativ-Beispiel heranziehst, überrascht mich.

Wenn die Spanier es dann hinterher fort werfen, tut es mir in der Seele weh. Und wir sprachen doch hier über Spanier, oder?

 
Man kann sich darüber aufregen, nur das bringt keinem was, am wenigsten den armen Tieren. Man kann aber sehr wohl bereits ein Kleinkind dahingehend erziehen, dass es Empathie mit anderen Lebewesen hat, Lebensmittel eben als solche zu sehen, sie heißen nämlich nicht Kraftsport oder Spielzeug sondern schlicht und einfach Lebensmittel. Das kleine Kind das frühzeitig lernt und Respekt vor allen Lebewesen hat, wird weder zum Fleischvielfraß noch zum Eiervernichter. Und die Männer werden auch einsehen, dass ein gemahlenes Horn keine Potenz erzeugt.

In DE ist es schon "schick" geworden zu "Containern" . Ist zwar illegal aber wahrscheinlich deshalb so beliebt. Meinen allergrößten Respekt haben diese jungen Leute die sich von den weggeworfenen Lebensmitteln der Supermärkte und Discounter ernähren.

Die Welt kann der Einzelne nicht verändern, aber wenn genügend Einzelne dazu beitragen, dann kann einiges geändert werden.

Nur tun muß man was dagegen, denn von alleine geschieht nichts zum Besseren.

 
Wie kannst Du erwarten, dass in einem Land, in dem Kindern schon die Grundzüge des Stierkampfes beigebracht werden, sich irgend ein Respekt vor der Kreatur aufbaut, Bruny?

 
In diesem Land, Lilac, ist Stierkampf Kulturgut und früher würden die getöteten Stiere, bzw. deren Fleisch, an die Waisenhäuser verteilt. Heute feiert man, das man Geld genug hat, den Schinken so weit zu werfen, früher hatte man noch nicht mal einen zu Gesicht bekommen. Ich finde auch hier und in anderen Ländern, manche Bräuche abstoßend, aber, besonders wenn sie jahrhunderte lange Tradition haben, bin ich unter Umständen bereit sie zu akzeptieren, besonders wenn ich Gast in diesem Land bin. Das Wegwerfen von Lebensmitteln finde ich schlimm, und noch schlimmer, das es Menschen gibt, die ohne "Containering" nichts zu Essen haben.

 
Containering

Vor allem in den Gefrierfächern she ich oft viel ablaufende mit Rest-MHD Fleischwaren.  Die werden hier bei uns 30-60% günstiger angeboten.  Trotz einiger Armut hier scheinen die Leute das Angebot zu ignorieren. Das dürften pro Markt sicher 2kg Fleisch pro Tag sein, die weggeworfen werden. Grob geschätzt.

 
Bei dem "Containering" das ich angesprochen habe geht es nicht um Menschen die sich keine Lebensmittel leisten können, sondern es ist eine Protestbewegung junger Menschen, auch Akademikern, die darauf aufmerksam machen wollen, dass etwas total falsch läuft. Nachts holen sie Lebensmittel aus den großen Containern und verteilen diese auch an Menschen die sich selbst nicht beteiligen können, weil zu alt, körperlich behindert usw. Also etliche gaben schon begriffen das etwas gegen diese mutwillige Vernichtung unternommen werden muß. Im übrigen, lt.. Gesetz dürfen diese Lebensmittel nicht verschenkt werden. Paradox!

 
Wenn Lebkuchenhäuschen bei Dir im Müll landen, dann wird es Zeit dass Du etwas dagegen unternimmst.
Ich meinte damit viel mehr, hier bei uns in der Gegend.

Kannst Du mir ein Argument geben, was Kinder daraus lernen sollen, oder was sie messen sollen wenn sie mit Lebensmittel werfen?
Was sollen sie daraus lernen, wenn sie mit etwas anderem als Lebensmitteln werfen?

Wenn ich mit solchen Ansprüchen an Spiele und Wettbewerbe herangehe, dann ist aber bald Feierabend mit der Freude. Dann brauche ich mir auch kein Fußball anschauen, denn was soll ich als Zuschauer daraus schon lernen? Darf ich dann noch Musik hören und machen?

Ich weiß nicht ob die Vorwürfe hier gerechtfertigt sind. Lasse ich die Kinder einen Holzgegenstand werfen, könnte ich hinterfragen ob dafür wirklich ein Baum sterben musste. Mit Kunststoff, verweise ich auf die Kriege, welche wegen dieser Ressource geführt werden. Was verwerflicher ist oder nicht, liegt wohl im Auge des Betrachters.

Kinder spielen des Spielens wegen und lernen evtl. daraus sich sozial zu verhalten. Hier werden Kinder nichts anderes sehen, als dass sie versucht haben eine Hürde mit etwas äußerst unhandlichem und glitschigen zu meistern. Mehr würde ich da tiefenpsychologisch auch nicht herangehen.

Ich mache mir da nichts vor. Ob der Schinken nun im Laden steht oder hier geworfen wird, kein hungerndes Kind in der Welt, wird dadurch weniger oder mehr satt. Aus diesem Grund, finde ich diese Argumentation nicht zutreffend. Ich glaube auch nicht, dass das Werfen des Schinkens auf hungernde Kinder schlimmer und verächtlicher wirkt, als die Warenauslage in einem Supermarkt, bzw. wenn in spanischen Läden sich Schinken an Schinken reiht.

Sind die Moralvorstellungen hier nicht doch ein wenig falsch?

Der politisch korrekte Schinken hängt im Laden rum und erfüllt einen Zweck, wenn er nach dem Kauf irgendwann verköstigt wird. Die politisch nicht korrekte Schinken, darf vor seiner Verköstigung noch den Kindern Freude in einem Wettkampf bereiten. Zwei Schinken die am Ende verzehrt werden, aber wenn einer davon zwischenzeitlich noch zusätzlich dazu benutzt wird, um Kindern eine Freude zu bereiten ohne das andere dabei einen zusätzlichen Schaden erleiden, wird diese zusätzliche Handlung an den Pranger gestellt.

Sorry, leuchtet mir nicht ein!

 
Zum einen fänd ich das politisch korrekt, wenn die Kinder den Schinken danach essen.  /emoticons/default_biggrin.png    Zum zweiten kann ich Dir aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es hungernde bzw. verarmte Menschen durchaus als Häme empfinden, wenn man mit gutem Essen so achtlos umgeht.

 
Aber welches Essen wird weniger geachtet. Das welches nur so da hängt oder das was zusätzlich noch anderweitig genutzt wird?

 
Tja wenn sie den Schinken 20mal werfen und danach verspeisen..... ?  Wäre dann zumindest keine Lebensmittelverschwendung. /emoticons/default_blink.png

 

Trending content

Zurück
Oben