Hallo Lilac,
mein Umzug fiel zwar tatsächlich in die Zeit des Hartz4 Empfangs, aber ich hatte meine Möbel mitgenommen und noch ein paar eigene Reserven. Nein, ich hab da nichts bekommen von der Arge. Es ist schon ein paar Jahre her, über die aktuelle Anspruchslage weiß ich da nicht so genau Bescheid.
Hatte auch selbst mithilfe von Freunden renoviert.
Ich muss aber noch mal betonen, dass es für manche Gruppen wirklich sehr schwer ist eine Stelle zu bekommen, das kann mit Alter, Gesundheit, Lebenslauf zu tun haben und natürlich damit, wie hoch der Bedarf in dem Beruf ist. Ich kann auch nicht wissen, wie lange meine Stelle bleibt. Eine Umschulung bekommt man keineswegs mehr so leicht finanziert! Viele, die sich mit Unterstützung der ArGe selbständig zu machen versuchten, sind gescheitert, man rät nicht mehr in jedem Fall dazu. Schön wäre mehr Flexibilität des Systems, mehr Möglichkeiten auch ohne entsprechende Abschlüsse quer einzusteigen. Solange es jedoch in einem Beruf viel konventionell ausgebildete arbeitslose Konkurrenz gibt, hat diese den Vorrang, was ja andererseits verständlich ist.
Es klingt recht theoretisch, was Roham da schreibt darüber, dass jeder sich integrieren könne. Das war annähernd so, so lange es reichlich Arbeitsplätze gab und jeder gebraucht wurde. Wenn es jedoch jede Menge andere Interessenten an einer Arbeit gibt werden nur die, genommen, die die Allerbesten bzw. oft eher die Allerunproblematischsten, Allerschnellsten vor allem, sind. Es geht oft nicht am meisten um die fachliche Kompetenz oder den Arbeitseinsatz, sondern die Anpassungsfähigkeit. Das war ein Problem für einen früheren Freund, einen Ingenieur. Er war sehr gut und gewissenhaft, aber nicht sehr begabt darin firmeninterne Gewohnheiten mitzumachen, die von der Sache her unsinnig waren, aber "eben so gemacht wurden", um einzelnen Positionen zu nützen oder weil es wichtiger war, dass die Arbeit schnell ging, als dass sie gut war. So wurde ihm oft gekündigt. Selbst wenn er wollte, er hatte einfach nicht die Fähigkeit, sich in so etwas hineinzufühlen. Er hat sich später das Leben genommen. Dabei hätte seine Methode vermutlich der Firma selbst mehr genützt. - Das meine ich z.b.damit, dass es nicht für jeden einen Platz gibt. Und das sieht vermutlich heutzutage in den meisten Ländern ähnlich aus. Man kann dann evtl. Glück haben und so eine Nische finden. Diejenigen, die schon immer unkompliziert überall hineinpassten, können sich das nicht vorstellen. Ich seh nicht ein, dass Menschen für ihr Anderssein, und solche hätten oft gerade viel zu bieten, bestraft werden sollen und auch nicht für einen Mangel an Arbeitsplätzen, den nicht sie verschuldet haben, denn sie machen nicht die Politik.
Ich kenne keinen, der seine Stelle verlieren wollte! Was soll das also? Dass es im kapitalistischen System keine wirkliche Vollbeschäftigung geben kann, hatten wir schon im Wiso-Unterricht. Das liegt halt daran, das Firmen nach Bedarf jeweils Angestellte entlassen dürfen, anders als im Sozialismus. Sarkastisch aber durchaus logisch könnte man jetzt sogar fordern, dass die sytemimmanenten Arbeitslosen eine nicht zu knappe monatliche Entschädigungszahlung dafür erhalten sollten, dass die Erfüllung durch eine Arbeit ihnen versagt wird, weil ihre Arbeitslosigkeit das System ermöglicht, das den anderen Arbeit gibt.....aber ich kann mir schon die Mienen vorstellen ;-) Freut euch, die ihr eine gute Arbeit habt ohne allzu wütend auf die anderen zu sein, ihr wollt ja doch nicht tauschen.. höchstens mit denen, die in hohen Etagen sitzen und das (nicht unbedingt selbst erwirtschaftete) Geld für sich arbeiten lassen, aber gegen die höre ich selten eine Wutäußerung!
Jetzt wieder in einer Sendung gehört: Langzeit-Arbeitslose und andere sozial Schwache haben eine weit geringere Lebenserwartung, als Menschen in einem befriedigenden Beruf. Es ist also absehbar. Sie zahlen mit Lebensjahren alle Schulden zurück. Ist Zeit nicht Geld? -
So, eigentlich bin ich gar nicht so sehr hier um solche Themen zu diskutieren, aber als ich das alles so las...zumindest passt es irgendwie zu dem Film über den spanischen Anarchismus, zu dem ich den link geschickt hatte. So ein Konzept fände heute fast jeder verrückt, aber das "Verrückteste", weitgehend Verschwiegene und daher für mich Neue war, dass es damals tatsächlich funktionierte. Vielleicht kommt mal die Zeit....wo ist hier bloß die Taste mit dem A in enem Kreis...??
Hasta luego, companeros