Man kann sich Spanien auch schön reden und denken.
Aktuelle Angebote bei
Trabajar.com - Bolsa de trabajo, ofertas de empleo en España - seht mal rein, was dort für qualifizierte IT-Designer und Programmierer angeboten wird. In 99% der Angebote 'Menos de 18.000 Euros', und das in den Megacities wie Madrid, Barcelona, Zaragoza, San Sebastian, etc. Brutto, logisch, oder? Nach Abzug der Steuern und KV kann man sich davon kaum noch eine Wohnung in den jeweiligen Städten erlauben, gutes Essen und Auto wären schon eine Illusion. Und jetzt erzählt mir hier bitte niemand, dass es in Madrid doch Wohnungen für 450 oder 500 Euro gibt - ich habe die Rattenlöcher angesehen, weil ich auch mal naiv war und positiv dachte.
Es hat schon seinen Grund, weshalb ich Spanien den Rücken gekehrt habe.
Die Angaben der BA sind ein Hohn für Arbeitssuchende, ein Wunschdenken. Ich habe noch nie einen Vertriebsleiter mit einem Einkommen von mehr als 2.000 Euro in Spanien kennen gelernt. In Andalucía liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 9,30 Euro - nein, nicht pro Stunde, sondern pro TAG.
Aber wie wir alle wissen, liegt die BA ja auch bei den Tarifen für Arbeitslose daneben. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Immer mehr Menschen in Deutschland rutschen unter die Armutsgrenze, müssen bei öffentlichen Tafeln anstehen, weil es nicht reicht.
Was in Europa fehlt: ein EU-weiter Mindestlohn wie in Holland, so dass die Menschen in der Lage sind, ohne Zuschüsse und ohne Angst leben zu können. Vor allem würde das die Sozialkassen wieder auffüllen. Wird das nicht gemacht, werden die Systeme in wenigen Jahren kollabieren.
Joaquín, wenn es Dich tröstet: ich habe nichts gegen Spanien, ich habe nur dort gelebt und hautnah erfahren, was dort abgeht. Glaube nicht, dass ich an Deutschland nichts auszusetzen habe. Auch hier liegt SEHR viel im Argen, nur sind in Deutschland weitaus bessere Standards anzutreffen, was wir unter anderem den unendlichen Bemühungen der Gewerkschaften zu verdanken haben. Ohne sie wäre beispielsweise der Begriff
Weiterbildung und Qualifikation immer noch ein Fremdwort.
Denk immer schön daran: Spanien ist immer noch ein feudalistisches System, wenn auch nicht offensichtlich, so doch unter der Oberfläche. Geh einfach mal hin und versuche dort einen qualifizierten Beruf zu ergreifen (ich spreche hier nicht von einem 'Job'), mit einem anständigen Vertrag, Kündigungsfristen, Weiterbildung, und natürlich Einkommen sowie
garantierter und abgesicherter Zahlung der Sozialbeiträge durch den Arbeitgeber. Zwei Jahre später sprechen wir uns dann wieder - falls Du es überhaupt schaffen solltest, einen derartigen Vertrag zu bekommen oder Dein Leben so lange dort finanzieren zu können. Ist jetzt nicht böse gemeint, sondern nur als Anregung für Träumer gedacht.
So, meine Pause ist zu Ende, ich muss (darf!) wieder los. Fetzt Euch nicht.